Modern Baseball ist eine dieser Bands, die man erst vor kurzem kennenlernt, sofort ins Herz schließt und passenderweise auch noch kurz darauf live sieht – das alles war zumindest bei mir der Fall. Verheerenderweise hörte ich erst in diesem Jahr in ihr aktuelles Album „Holy Ghost“ rein, das bereits 2016 erschien und mir war sofort klar: Das Konzert im Hamburger Hafenklang darfst Du nicht verpassen! Niemals!

Einen Haken hatte die Sache jedoch: Wenige Tage vor der Tour schrieb Sänger Brendan Lukens auf Facebook, dass er die Band aufgrund mentaler Probleme, die bereits in ihrer Dokumentation „Tripping in the Dark“ thematisiert wurde, nicht begleiten könne. Der Rest der Band begab sich aber zusammen mit Thin Lips und The Superweaks auf Tour – nichtsdestotrotz musste Lukens natürlich „ersetzt“ werden.

The Superweaks und Thin Lips starten

Bevor The Superweaks auf die Bühne kamen, wurde der Abend bereits von einem Trio eröffnet. Hierzu muss man wissen, dass alle drei Bands aus dem Umfeld von Lame-O Records kommen. Jenes Trio setzte sich also aus den drei Bands zusammen, die dann einfach ein kleines 20-minütiges Set spielten. Etwas irritiert war ich freilich und verstanden habe ich die Konstellation auch erst im Nachhinein. Cool war es dennoch.

Nach einer kurzen Pause ist die Bühne dann auch proppevoll und The Superweaks beginnen ihr Set. Der Punkrock des Quintetts wusste durchaus zu gefallen und war zum Mitgehen gut geeignet. So richtig überzeugt war ich aber dennoch nicht. Das letzte Quäntchen fehlte dann irgendwie doch.

Anschließend übernahmen Thin Lips das Ruder. Auch hier das gleiche Prinzip: Wenngleich Pop-Punk nicht mein Metier ist, haben die Songs auf jeden Fall etwas für sich, jedoch fehlt der finale Funke, was wohl vor allem an Chrissy Tashjians Stimme lag, mit der ich mich nicht hundertprozentig anfreunden konnte.

Modern Baseball

Nach den beiden Support-Bands wurde es dann aber spannend: Wie würde der Auftritt von Modern Baseball ohne Brendan Lukens werden? „Einfach so“ kann die Band ihr Konzert kaum durchziehen – etwas musste etwas passieren.

Dann kam die Band auf die Bühne und läutete ihr Set mit „Wedding Singer“ und „Note to Self“ ein. Zunächst spielten sie also Songs, die Jacob Ewald ohnehin singt und die schlugen auch richtig ein – sofort war ich Feuer und Flamme für das, was da vor mir passierte. Auch die neue Single „This Song Is Gonna Boy Brendan Lukens a New Pair of Socks“ haben sie verdammt gut gespielt! Nach einigen Songs verließ ein Großteil der Gruppe die Bühne, nur Ewald verblieb alleine. Der wiederum spielte dann einige Akustik-Songs.

Nun ging es aber ans Eingemachte: Bis zu diesem Zeitpunkt haben Modern Baseball noch keinen Song gespielt, der im Original von Lukens gesungen wird. Das sollte sich nun aber ändern. Aus der Not machten sie nun nämlich eine Tugend und machten das Konzert zu einer einzigen großen Party für ihren daheimgebliebenen Freund. Chrissy Tashjian von Thin Lips übernahm die Vocals für Songs, wie „Rock Bottom, „Apple Cider, I Don’t Mind“ und schließlich „Just Another Face“. Für „Your Graduation“ ließen sie schließlich eine Frau aus der Crowd singen und zum Abschluss gab es noch ein The-Killers-Cover von „When You Were Young“.

Auf eine seltsame Art und Weise passte das alles wunderbar zusammen. Da greifen sich befreundete Musiker, die allesamt aus der gleichen Szene kommen, unter die Arme, wenn einer von ihnen wegen seiner akuten Depressionen zu Hause bleiben muss. Es hatte etwas herzerwärmendes und während es für den ein oder anderen vielleicht etwas chaotisch gewirkt haben mag, war es das Bestmögliche, was sie aus dieser Situation machen konnten!

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