Foto: Mareike Beuthien

Im letzten Jahr machten Montreal mit ihrer Scheibe „Schackilacki“ endlich wieder von sich Reden. Die Wahlberliner Hirsch, Yonas und Max waren auf einigen Festivals unterwegs und feierten ihr Album-Release stilecht auf dem Hurricane Festival. Aber natürlich durfte eine ausgedehnte Tour durch Deutschland nicht fehlen, weshalb sie natürlich auch in ihrer alten Heimat Hamburg wieder einen Stopp einlegten. Mit im Gepäck hatten sie dieses Jahr eine österreichische Spezialität: Turbobier.

Montreal melden sich nach drei Jahren endlich mit neuer Platte „Schackilacki“ zurück

Die Party-Kanonen von Montreal melden sich rechtzeitig zur Festival-Saison mit ihrem neuen sechsten Album „Schackilacki“ zurück, welches an diesem Freitag (23.06.) erscheint. Die letzte Scheibe... Weiterlesen →

Am 23. Dezember wurde, wie jedes Jahr, die Markthalle zum vorweihnachtlichen Vergnügungsviertel. Genau dort traf ich mich mit Hirsch zu einem Plausch und sprach mit ihm ausführlich über „Schackilacki“, juristische Verfahren und Meilensteine der 15-jährigen Bandgeschichte.

Foto: Mareike Beuthien

Ungefähr 1,5 Jahre habe ich auf dieses Interview gewartet. Endlich habe ich die Ehre! „Schackilacki“ wurde im Sommer veröffentlicht und ich glaube, so langsam sollte jeder wissen, woher der Name kommt.

Hirsch: Es ist mittlerweile im Netz sehr weit verbreitet. Muss man einfach eingeben bei Google, dann ploppt das automatisch auf.

Genau! Jetzt hätte ich aber mal eine Frage zu dem Cover. Das ist ja quasi das erste Cover, wo man euch richtig erkennt und dann seid ihr aber über Kopf. Hat das einen tieferen Hintergrund?

Hirsch: Ne, das hat tatsächlich Breuni, der Schlagzeuger von der Alex Mofa Gang, gemacht. Wir hatten gar nicht geplant, ein Foto darauf zu machen. Der hatte aber einfach im Rahmen von dieser Grafikgeschichte, die es zu der Platte gab, das Bild genommen und hat uns das dann vorgeschlagen. Das kam uns dann auf den ersten Blick so schön blöd vor – ich weiß auch nicht, ob es jemals schon ein Cover auf dem Kopf gab – da dachten wir einfach, das kann man so machen. Da guckt man natürlich auch bei Postern erst mal genau hin – und ja, das war gut! Aber auch wir fallen bis heute darauf rein und halten die Poster oder die CD falsch herum.

Live Fotos: Jasmin Reckers, noisiv.de

Fällt auf jeden Fall auf! Dann habt ihr den Song „Osnabrück“ mit auf dem Album, der ja daraus entstanden ist, dass es in Osnabrück nicht immer so gut lief.

Hirsch: Schwierige Stadt!

Jetzt habe ich mich gefragt, ob da vielleicht ein bisschen Ironie mit inbegriffen ist, oder ob es vielleicht nur ein „einschleimen“ war.

Hirsch: Das war gar kein Schleimen! Das Lied verstehen eigentlich die meisten, außer die Osnabrücker, genauso wie es gemeint ist. Aber Osnabrücker haben das jetzt so als ihre Hymne. Osnabrück lief immer sehr schlecht, aber diese Tour war die Stadt tatsächlich eine, die als erstes ausverkauft war. Die haben das Lied so für sich angenommen. Der Oberbürgermeister ist in Facebook-Kontakt mit uns getreten und hat uns eingeladen, wir dürften im Rathaussaal ein Video drehen, wenn wir wollen. Aber wir haben ja ein Video gedreht zu dem Lied, das haben wir in Münster gedreht, das haben sie dann nicht verstanden. Aber das war uns wichtig, weil das Lied eben schon ein bisschen missverstanden wurde, dass wir in dem Video zumindest ein bisschen für Klarheit sorgen oder einen kleinen Hinweis geben, wie das gemeint sein könnte.

Ihr habt aber ja auch viele Lieder über Berlin, z. B. „Ubahnlinie 2“.

Hirsch: Ne ne! 2003 ist das geschrieben, da haben wir noch acht Jahre lang in Hamburg gelebt. Also das ist über die alte Hamburger U2, die wurde ja irgendwann umbenannt. Die jetzige U3 war damals die U2.

Achso, lerne ich noch etwas dazu!

Hirsch: Über die Linie geht das, die da hoch nach Wandsbek fährt. Die Berliner U2 ne … die hat mit der Hamburger U2 gar nichts gemeinsam.

Ok, ich dachte tatsächlich, der Song wäre über Berlin. Denn meine Frage wäre gewesen, wie würde sich ein Song über Hamburg anhören?

Hirsch: Naja, da ist die Antwort schon da. „Ubahnlinie 2“ ist noch aus der Hamburg Zeit. Aber wir haben Mädchen aus Berlin, das ist aber auch geschrieben, als noch keiner von uns in Berlin gelebt hat. Da war das Fernweh und die Sehnsucht noch da. Jetzt wohnt man da und es ist auch nicht alles Gold, was keinen Flughafen hat und so…

Na gut. Ihr habt mit „Idioten der Saison“ und „Einfach nur verstehen“ auch zwei politisch angehauchte Songs auf der Platte. Ich will gar nicht tiefer auf die Songs eingehen, aber wie politisch darf Musik sein?

Hirsch: Pff, das ist ja Geschmacksache, was man mit der Musik erreichen oder machen will. Und auch als Hörer, wenn man da Bock darauf hat, sich irgendwie den ganzen Tag die Parolen anzuhören oder irgendwelche Hilfestellungen für das politische Leben braucht …  Für meinen persönlichen Geschmack muss es nicht zu viel sein, weil es so schlecht zu der Musikform passt. Eigentlich hast du ja so zwei bis drei Minuten, da finde ich, sind die meisten Themen viel zu komplex, als das man sie öffentlich gut auf den Punkt bringen kann. Deshalb finde ich die meisten politischen Lieder die Bands so machen, ein bisschen schwach und überflüssig. Wir würden es auch nicht machen, wie bei diesen zwei Liedern, wenn wir auch kein gutes Gefühl hätten, dass man das auch in zehn Jahren noch hören kann. Es ging halt darum, dass man es allgemein hält, da wird ja kein Name oder keine Partei genannt. Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen, dass es da dann noch irgendwelche Idioten der Saison gibt oder irgendwelche Situationen wo„ Einfach nur verstehen“ drauf passt. Es wäre schön, wenn es nicht so wäre, aber ich glaube, die Lieder kann man noch ein bisschen spielen.

Ich habe ganz schön viele Fragen zu der Platte, fällt mir gerade auf.

Hirsch: Ist doch gut, nicht immer dieses „Warum heißt ihr Montreal“!

Bei eurem Song 120 Sekunden meine ich gelesen zu haben, dass der mal 180 Sekunden lang war.

Hirsch: Ganz genau!

Wie bekommt man das denn hin, dass ein Song schlagartig bei zwei Minuten aufhört? Ich stelle mir das sehr schwierig vor.

Hirsch: Es ist auch sehr schwierig. Ohne Witz, auch bei der Albumproduktion war es dann auch gar nicht so leicht, dass bei allen Systemen wie Spotify und iTunes, so hinzubekommen, dass es auch so angezeigt wird. Das wäre ja mega peinlich, wenn da auf einmal 2:01 oder 1:59 stehen würde. Da wurde schon sehr viel Zeit reingepackt und wir haben auch gemerkt, der Text gibt es jetzt nicht für 180 Sekunden her und dann haben wir es auf 120 Sekunden beschränkt, was ein Glück auch Reim- und Silbenmäßig aufgeht.

Du schreibst die Texte und Yonas ist eher so für die musikalische Umsetzung zuständig. Ihr singt aber beide – hast du das dann vorher schon im Kopf, wenn du ein Lied schreibst, wer was singt?

Hirsch: Nö. Das gucken wir bei der Vorproduktion zum ersten Mal. Jetzt bei dieser Platte haben wir das so gemacht, dass wir beide die Lieder einmal gesungen haben. Bei „120 Sekunden“ waren wir uns alle ziemlich schnell einig, dass ich das mache und es gibt einfach Lieder, die dann mehr in Yonas Stimmlage liegen oder in meiner. Aber das entscheiden wir wirklich danach, welches Lied mit wessen Stimme am besten klingt. Da gibt es jetzt auch keine Streitereien wie „Der Text ist mir jetzt aber besonders wichtig, den möchte ich jetzt singen“, sondern, es muss immer dem Lied dienen.

Dann gibt es dieses sagenhaften „Max Power“-Song, den hast du dann höchstwahrscheinlich geschrieben?

Hirsch: Den haben wir tatsächlich damals zusammen geschrieben.

Jetzt ist es ja so, Max Power hat einen Song, aber was ist mit Yonas und Hirsch?

Hirsch: Ach, wir sind da nicht so. Er hat das ja auch verdient! Als Schlagzeuger bist du immer hinten dran, du sitzt da hinten und sie haben es ja wirklich auch nicht leicht. Müssen so viel Instrument auf- und abbauen und schleppen, da sind wir schon fein raus.

Ich meine gehört zu haben, dass du auch einen Song für die Alex Mofa Gang geschrieben hast und zwar „Giganten“.

Hirsch: Ich hab mit Saschi zusammen einen Text auf der Alex Mofa Gang Platte geschrieben für seinen verstorbenen Vati. Wir saßen jetzt tatsächlich nicht in einem Raum zusammen, er hat mir die Musik geschickt und ich hab dann die Idee gehabt – ich glaube, die hätten das Thema selber nicht angepackt – aber fanden es dann doch ganz gut. Dann hat er auch sehr viel selber noch mit eingebracht.

Dann ist das ja auch eine Herzensangelegenheit für ihn gewesen.

Hirsch: Ja – auf jeden Fall! Ich bin sehr froh darüber. Das war jetzt der erste Song, den ich für andere mit geschrieben habe.

Dann habt ihr nächstes (2018) Jahr euer 15-jähriges Band-Jubiläum.

Hirsch: Ruckzuck gehts weiter! Wir ziehen um hier in Hamburg, von der Markthalle in die Große Freiheit 36, zum ersten Mal!

Seid ihr aufgeregt?

Hirsch: Aber klar! Die Markthalle ist und war für Leute ja auch – wir sind hier in der Vorstadt aufgewachsen – ein sehr wichtiger Laden natürlich, aber die Große Freiheit ist der andere große Name in Hamburg und das will man dann ja auch mal machen.

Was war denn so bisher der größte Meilenstein der Montreal-Geschichte, oder glaubst du, der kommt noch?

Hirsch: Es kamen auf jeden Fall schon einige. 2017 Hurricane zum Beispiel, das erste Mal ausverkauft hier in der Markthalle zu spielen, auch. Natürlich sowas, und es ist schön, dass jedes Jahr welche dazu kommen können. In Köln sind wir jetzt beispielsweise auch in die Live Music Hall umgezogen –  solche Sachen, wenn man anfängt Musik zu machen, sich gar nicht traut, darüber nachzudenken. Da werden aber bestimmt noch ein paar Meilensteine kommen.

Was würdet ihr denn ändern, wenn ihr im Musikbusiness das Sagen hättet?

Hirsch: Das würden wir gar nicht haben wollen, das ist ja zu viel Verantwortung. Im Grunde ist uns das Musikbusiness ja auch egal, wir halten uns da ja sehr raus und machen auch unsere Platten selber und haben deshalb auch nicht groß irgendwie mit anderen Firmen zu tun. Deshalb – wenn junge Künstler oder irgendwelche Pop-Heinis meinen mit der Branche zusammen arbeiten zu müssen, müssen sie ja auch, alleine wird das ja sonst nix, aber ich bin immer sehr froh, dass wir da sehr von befreit sind.

Wem wärt ihr lieber nie begegnet?

Hirsch: Da möchte ich aus Gründen eines juristisch laufenden Verfahrens nichts zu sagen, aber man kann es sich ja denken.

Tatsächlich eher nicht.

Hirsch: Natürlich gibt es in unserer 14- jährigen Bandgeschichte auch Personen, wo man denkt – hätte man sich auch schenken können – aber gut … das gehört zum Leben dazu.

Glaubst du, dass ihr euch eurem Alter angemessen verhaltet?

Hirsch: Ja was ist denn ein unserem Alter angemessenes Verhalten? Muss ja jeder selber wissen… ich kenne Leute, die mit 25 ein gesetztes Leben führen und damit glücklich sind und es gibt Leute, die sind Anfang 50 und haben ihren Drogenkonsum nicht im Griff und führen auch irgendwie Leben. Wenn sie damit glücklich sind … das muss jeder selber wissen. Wir machen das Ding, jetzt mal auf die Band bezogen, seit 1998. Klar sind wir körperlich und geistig ein bisschen gealtert, aber so lange wir noch ein paar Freunde finden, die mit uns auf Tour fahren und in der Halle stehen, so lange ziehen wir das auch noch durch.

Ganz oft steht die Frage im Raum, was ihr in euren Bechern vorn drin habt. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass es Cola-Korn oder sowas ist.

Hirsch: Ne, kein FaKo oder so. Meistens ist es Wodka-Energy oder irgendwelche Wodka-Getränke. Aber das ist auch phasenweise, Yonas hat auch gerne mal n Rum-Cola. Also irgendwas Mischgetränk – da möchte ich mich festlegen! Selten ist es Wasser, da müssen die Tage davor schon sehr hart gewesen sein.

Was war denn der besoffenste Auftritt, den ihr jemals hattet?

Hirsch: Wien! Die letzten beiden Male. Früher waren wir tatsächlich ganz am Anfang relativ oft betrunken bei Konzerten, dann haben wir es ein bisschen heruntergefahren. Aber in Wien haben uns die Leute aus dem Publikum die ganze Zeit Schnäpse auf die Bühne gebracht und wir konnten auch so schlecht „Nein“ sagen.Und dann haben Yonas und ich während des Konzerts 10 Schnäpse getrunken, und da war es dann wirklich so, dass man mit dem Sprachzentrum schon sehr zu kämpfen hatte. Trotzdem ein lustiger Abend!

Ein paar letzte Worte von dir? [Max Power betritt den Raum]

Hirsch: Ja, Max Power Leute. Besucht den im Internet, der ist ja jetzt auch auf Instagram. Leute, wenn ihr euch richtig gönnen wollt, dann geht bei Instagram mal auf die Max Power Seite, da ist wirklich das süße Leben zu sehen.

Vielen Dank für das großartige Interview, die tolle Show und die Geburtstagssause im Anschluss. Ich hoffe, wir sehen uns im Sommer auf einigen Festivals und spätestens am 23.12. in der Großen Freiheit 36.

Fotogalerie von Montreal und Turbobier in der Markthalle

Wer Montreal live sehen möchte, begibt sich bitte an folgende Orte:

Montreal ab März auf Tour

  • 09.03. – Kiel, Pumpe
  • 10.03. – Lingen, Schlachthof
  • 16.03. – Koblenz, Circus Maximus
  • 17.03. – Bochum, Rotunde
  • 23.03. – Kassel
  • 24.03. – Kassel
  • 05.04. – Dreasden, Groove Station
  • 06.04. – Potsdam, Waschhaus
  • 07.04. – Jena, Kassablanca
  • 19.04. – Frankfurt am Main, Nachtleben
  • 20.04. – Saarbrücken, Garage
  • 21.04. – Tübingen, Sudhaus
  • 11.05. – Erfurt, Engelsburg
  • 12.05. – Weißenburg in Bayern, Heimspiel Festival
  • 18.05. – Hannover, Musikzentrum
  • 19.05. – Bremen, Tower