Muncie Girls 02

Mittwoch, 2. Dezember: eine feierliche Stimmung liegt über Hamburg. Nur wenige Tage zuvor haben die Bewohner der Hansestadt den Olympischen Spielen 2024 eine Absage erteilt. Offenbar machen sich vermeintlich leere Kassen und sinnleere Elbphilharmonien nicht besonders gut im Lebenslauf. Auf Vernunft folgt nun erstmal die Feier! Wie könnte diese besser gelingen als mit einer Pop-Punk-Band, dessen Lyrics den Fingerabdruck von Literaturgrößen wie Sylvia Plath tragen?

Die Muncie Girls sind derzeit im Rahmen ihrer Europa-Tour in Deutschland unterwegs, Bier + Audienz im legendären Molotow darf natürlich in keinem guten Kulturprogramm fehlen. Die Pop-Punker um Frontfrau Lande Hekt kommen ursprünglich aus dem Vereinigten Königreich, wo sie bereits mehrere EP’s und Singles veröffentlichen durften, ehe sie nun bei Uncle M auf Anker gelaufen sind. Vor wenigen Wochen erschien mit Gas Mark 4 auch schon der erste Clip zur Debüt-LP From Caplan to Belsize, welche im März veröffentlicht wird.

Eine Stunde nach Anbeginn der Prime-Time eroberten No Weather Talks die Bühne der SkyBar des Molotows. Die Punkband mit dem Namen der sämtliche Sympathiebarometer zum Sprengen bringt, löste das Versprechen einer lokalen Supportband ein, zerrte erste Fans zur Bühne und hielt sie (erstmal) von der Bar fern. Stücke wie Road Rash aus der aktuellen Undoing Defeat EP wirken live gerade noch dreckig genug, dass man den Punks aus Hamburg nicht anerkennt, dass sie gerade ihre erste UK/Frankreich-Tour hinter sich gebracht haben. In der aktuellen Single Any City’s Song geht’s dann auch schon etwas poppiger zu, was der Stimmung keinen Abbruch macht: für Pop-Punk sind wir schließlich hier! Nachdem die Band um Frontfrau Flicke einen akustischen Elfmeterpunkt nach dem anderen verwandelt hat, ist die Hauptband nur noch einen Bühnenumbau entfernt.

No Weather Talks 01

No Weather Talks live in der SkyBar des Hamburger Molotow am 02.12.2015.

Ein bisschen merkwürdig war das ja schon. Eben noch haben wir einem fünfköpfigen Energiebrett beim Platzen der Bühnennähte zugesehen (Sängerin Flicke hat fast konsequent nur im Publikumsbereich stattgefunden), nun sollte das Trio um die Muncie Girls für etwas mehr Ordnung sorgen. Während es sich Bandmitglied Luke hinter seinem Drumset barfuß gemütlich machte, stöpselten Gitarrist Dean und Frontfrau/Bassistin Lande die Instrumente zum großen Wurf an. Bereits früh bekamen die Fans mit Gone With The Wind eines der Tracks aus der limitierten Split EP zu hören, welche die Engländer zusammen mit den Sandlotkids aus München kürzlich veröffentlicht haben. Eines der schönsten Stücke der Band – live, wie auch auf Platte. Letztere ist für vinylfeindliche Ohren auch auf Streaming-Portalen zu finden.

Kleine Konzerte haben natürlich ihren ganz eigenen Charme – solange das Publikum diesen auch mittragen will. So blieb beim wundervollen The Real You aus der 2014er Split EP mit den Great Cynics der melancholische Gesangschor des Publikums aus. Schade. Tanzen konnten die Hamburger dafür nicht weniger, was sich auch bei der Performance der aktuellen Single zu Gas Mark 4 nicht ändern sollte. Analog zur Darbietung der anderen Songs bedankte sich Frontfrau Lande Hekt noch beim Ausspielen der finalen Note freundlich beim Publikum und teilte erstaunt dem Publikum ihre Verwunderung über die günstigen Preise des hiesigen Rotlicht-Milieus mit. Trotz Anekdoten wie dieser kommt die dominantere Bühnenpräsenz des Abends aber den beiden Herren im Bunde der „Girls“ zu teil, welche sich fern von Mikrofonständern nur ihren eigenen Instrumenten zu bedienen hatten und sich entsprechend auslassen konnten.

Muncie Girls 02

Meine persönlichen Highlights des Abends waren nahe am Ende gelegen: Railroad und Kasper and Randow aus der 2012er Revolution Summer EP zählen noch heute zu den stärksten Titeln der Pop-Punker, die ihre Debüt-LP erst 2016 auf den Markt werfen werden. Die Setlist – welche, wie mir Gitarrist Dean später erklärte komplett im Kopf der Band eingebrannt ist – gab außerdem noch weitere brandneue Tracks des Trios her, welche wir vermutlich erst im März auch in der Studiofassung genießen dürfen. Zudem dürfen sich die deutschen Besucher über ein besonderes Fakt erfreuen: nach Ende des Konzerts begann Drummer Luke direkt die Hi-Hat abzuschrauben, als der Rest der Band sich erstaunt von den „Zugabe“-Chören zeigte. Offenbar, so Sängerin Lande, seien derartige Rufe selbst in ihrer Heimat in England nicht an der Tagesordnung.

So schlossen die Muncie Girls mit einem Cover-Song, dessen Titel und Interpret ich weder kannte, noch akustisch nachvollziehen konnte, den Mittwoch Abend im Molotow ab (nein, es handelte sich nicht um das poppige Pet Sematary Cover der Ramones, welches auf der 2015er Split EP gelandet ist). Das zufriedene Publikum bedankte sich trotz Astra in der Linken und der Mate in der Rechten mit tosenden Applaus und erwartet sie frühestens im März zurück – wenn die Veröffentlichung von From Caplan to Belsize die Pop-Punks in neue Höhen und Bekanntheitsgrade schießen wird. Der Abend im Molotow hat gezeigt: man darf zuversichtlich in die Zukunft blicken!

Und wohin jetzt?
Live in der CYB-Session: Frontfrau Lande Hekt spielt den neuen Song „Learn in School“ Unplugged für CYB ein!
“In reality, we’re just not that cool”: gönnt euch ein ausführliches Interview der Band mit dem Upset Magazine!
Offizielle Website: mit aktuellen Infos zu Merch, Videos, Tourdaten und Songs.
Gefällt Dir? Lass den Muncie Girls ein „Like“ auf Facebook da. No Weather Talks nehmen es sonst auch gerne!
Der Mann hinter dem Label: Mirko Gläser stand Deutsche Welle Rede und Antwort zum sozialen Engagement des Labels und seiner Bands.

[asa]B0185U0I9E[/asa]