Muncie Girls - Respect (Musikvideo)

Foto: Screenshot YouTube / Muncie Girls

Am nächsten Freitag, dem 04. März, wird das Debütalbum der Pop-Punker Muncie Girls, welches auf den Namen „From Caplan to Belsize“ hört, veröffentlicht. Darauf hinweisend zeigt das Trio nun noch einmal ein neues Musikvideo zum Song „Respect“.

Der Song befasst sich mit sexistischen Themen und gibt so einen guten Vorgeschmack auf die LP, in denen derlei Themen häufiger aufgefasst werden. Thematisch bietet der Song also eine gewisse Tiefe, klanglich hört sich das für meinen Geschmack allerdings schon zu poppig, eingängig und vorhersehbar an. „Gas Mark 4“ ist da im Vergleich der deutlich stärkere Song.

For the next few years we can laugh and joke about
Your next victim
But when you’re all grown up and your daughter cries you’ll be
Sorry you did this

Muncie Girls – Respect

Der tatsächliche Knackpunkt ist aber das Musikvideo selbst. Hier sehen wir, wie Sängerin Lande Hekt augenscheinlich im Schlafzimmer des One Night Stand aufwacht, welches voll mit Boobs-Postern, Erotikmagazinen, Sex-Strichlisten und Co. ist. Was tut sie also? Sie räumt diese Elemente aus und ersetzt diese durch andere Alben, Abhandlungen und weitere Schriftstücke, die einen feministischen Wert haben.

Hier ist die Band meiner Meinung nach weit übers Ziel hinausgeschossen. Zum einen finde ich es sehr schwach, die „Jealous Again“-EP von Black Flag für diesen Zweck zu instrumentalisieren. Auf jener EP findet sich im titelgebenden Song folgender Dreizeiler:

I won’t beat you up
I won’t push you around
‚Cause if I do, the cops will get me for doing it!

Black Flag – Jealous Again

Augenscheinlich ist das natürlich eine sehr sexistische Aussage. Würden die Cops ihn dafür nicht einbuchten, würde der damalige Black-Flag-Sänger Ron Reyes seine Freundin verprügeln. Diese Lyrics wirken ohne Kontext mehr als schrecklich, allerdings ist diese oberflächliche Interpretation schlichtweg zu einfach, denn sie zieht nicht in Betracht, dass die kompletten Texte auf der EP stark überspitzt und sarkastisch geschrieben und somit nicht ernst zu nehmen sind – ein, wie ich finde, wichtiger Punkt.

Das ist kein einfacher Vorwand, um die Band reinzuwaschen (so etwas läge mir als kritischer Punk-Hörer fern), denn der extreme Sarkasmus und die dazugehörige Überspitzung werden schnell deutlich, wenn man sich die Texte in Ruhe durchliest und die dazugehörigen Songs hört. Die EP wird somit instrumentalisiert, ohne den dazugehörigen Kontext zu beachten. Das Klischee der Oberflächlichkeit wird dem Feminismus oft anhängt und das ist ganz bestimmt nicht zuträglich, wenn es darum geht, dessen wichtige Werte zu vermitteln.

Zum anderen halte ich die Reaktion, die Hekt zeigt, indem sie das Schlafzimmer ihres einmaligen Liebhabers komplett umräumt, für ebenso fragwürdig. Natürlich kann man diese Dinge scheiße finden, allerdings gibt das einem nicht das Recht, das Hab und Gut einer praktisch unbekannten Person umzuräumen – auch nicht mit feministischem Hintergrund. Lande, mach ihm gerne die Hölle heiß für diesen Mist, aber die hier gezeigte Reaktion vermittelt meiner Meinung nach falsche Grundsätze. Die gewollte Reflexion bei Deinem Gegenüber wirst Du so garantiert nicht initiieren.

Feminismus bzw. Gleichberechtigung ist eine wichtige Sache, die auch heute leider noch nicht allgegenwärtig ist. Oftmals schießen VertreterInnen dieser Bewegung aber übers Ziel hinaus, was auch hier der Fall ist. Das wiederum schadet der Bewegung in der Außenbetrachtung. Das fängt schon bei so „kleinen“ Dingen, wie einem Musikvideo, an. Wie es um das Image des Feminismus bestellt ist, dürften die Meisten ja wissen.

Wie dem auch sei: Im April und Mai wird das Trio dann für insgesamt acht Konzerte wieder nach Deutschland kommen. Wie ein Konzert der Muncie Girls ist, könnt ihr hier im Blog nachlesen, denn im Dezember letzten Jahres war unser Babak beim Hamburg-Konzert im Molotow dabei. Ihr könnt darüber hinaus gerne eure Meinung zum Musikvideo unten in den Kommentaren hinterlassen. Über eine konstruktive Diskussion würde ich mich freuen!

Muncie Girls: Deutschland-Tour

  • 17.04. – Köln, Underground
  • 18.04. – Wiesbaden, Schlachthof
  • 19.04. – München, Strom
  • 20.04. – Stuttgart, Universum
  • 21.04. – Schweinfurt, Alter Stattbahnhof
  • 22.04. – Berlin, Uncle M Fest @ Cassiopeia
  • 23.04. – Münster, Uncle M Fest @ Skaters Palace Café
  • 14.05. – Kiel, Klownhouse Fest @ Hansa 48 
Quelle Visions

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