Foto: Julien Fertl

Vergesst Alt-J! Die neue heiße Tastenkombination für euer schickes Macbook: Alt+O. Merkt sie euch gut, denn ich wage zu prophezeihen, dass die Hamburger Band Gløde bald in so mancher, wenn nicht aller Munde sein dürfte.

Mit den so hip wie blöd benannten Briten hat die Musik des Quintetts um den dänisch-deutschen Simon Glöde reichlich wenig zu tun. Vielmehr bescheren sie uns auf ihrer ersten LP „Ø“, dänisch für Insel, ruhigen Indie- und Folk-Pop. Gähnt schon jemand? Nicht mehr, wenn ihr reingehört habt in die noch recht wenig bekannten Hamburger! Schon klar, drängende Gitarrenriffs und Double-Bass locken erstmal mehr Hunde hinterm Ofen hervor, nach unaufgeregteren Klängen bellt schnell keiner mehr, doch Gløde fallen aus dem Rahmen solcher Binsenweisheiten.

Der Opener „As we speak“ könnte mit seinem ruhigen Intro, das sich irgendwann in eine genreverhältnismäßige Ekstase hineinspielt, auch auf einer Mumford & Sons-Platte landen. Ein Abklatsch à la Mighty Oaks sind Gløde aber auch nicht, wagen sich mit Stücken wie dem höchst atmosphärischen „In the Sea“ auch gerne mal in mainstreamfernere Gewässer. Und à propos nautische Referenzen: Mit „Sailor“ liefern sie, kein Scheiß, eine lose Neuinterpretation vom Rod Stewart-Traditional „I am sailing“ ab, und das ist auch noch einer der größten Hits des Albums! Um sich vom beliebten wie beliebigen Original ausreichend abzugrenzen, dreht der aber auch gen Ende ziemlich ab.

Das sind eben die Momente, die Gløde zu etwas sehr Besonderem machen. Sie haben die großen Hits, die mit etwas Glück auch noch überlebensgroß werden können, in vorderster Front sei hier „Rose“ genannt. Ebenso haben sie sprachen- wie soundtechnisch experimentellere Songs wie „Jeg Vil Elske“ für den anspruchsvolleren Zuhörer. All das auf nur 9 Tracks Spielzeit. Was für eine Leistung!

Ich bin sehr froh, dass wir Gløde für ihren diesjährigen Gig bei unserem ersten „NOISIV Fest“ in kleinem Rahmen gewinnen konnten. Nach einigen Hördurchgängen von „Ø“ könnte ich mir wirklich nicht erklären, warum nicht schon bald Morr Music, das Grand Hotel van Cleef oder noch größere Labels bei Herrn Glöde und seinen virtuos spielenden Mitmusikern anklopfen sollten. Die daraus resultierenden, größeren Bühnen hätte die Hamburger Gruppe absolut verdient! Die nächstgrößere wird die des hiesigen KNUST sein, wo Gløde am Freitag, 15. September Albumrelease feiern. Kommt vorbei, das wird sicher schøn!