Deichkinder wissen an welcher Stelle der Deich am schwächsten ist. Drum begannen sie ab 1997 Sturmfluten aus Wortspielen bestehend an jene Stellen zu preschen und die Leute mit steifen, frischen Brisen aus den Subwoofern in die Plattenläden zu spülen. Das war somit das Frischeste, das die deutsche Hip-Hop-Szene damals gespürt hat – beim Wort genommen!

Aber die zunehmende Kommerzialisierung des Hip-Hop aus Deutschland schien abzustoßen, man brauchte was neues und man erfand den Elektrotrash. Aber nach fünf Minuten nach Mutti fing dann auch das Schlaraffenland an nach einem Aufstand zu fordern und die lang ersehnte Arbeit begann zu nerven. Logische Konsequenz: Der Linie treu bleiben.

Das tun Deichkind auch, wie das neue Video vermuten lässt, nur nähert man sich den Genrekameraden Saalschutz, Supershirt, Bratze, Mediengruppe T. und Co. Kurz um: Deichkind sind in der ohnehin an Diversität dürstenden Elektroszene austauschbar geworden. Der Track „Illegale Fans“ gibt da einen Vorgeschmack.

Klanglich bewegt sich der Track zwischen Routine und Epilepsie; er taugt allenfalls zur Absturzhymne, auch wenn es schwer vorstellbar ist, dass die beste Freundin beim Haare halten still knien kann, denn der Track ist zugegebenermaßen catchy. Beim Text frage ich mich, was das überhaupt soll, ob das ernst gemeint sein soll, oder protestgeschwängerte Ironie. Da verhöhnen die Jungs ihr eigen täglich Brot und könnten damit preisgegeben haben, welcher Partei sie angehören.

Ihr könnt den Track auf deren Facebookseite, passend zum Text, kostenlos vorfinden, dann könnt ihr euch selbst ein Bild machen. Für die erste Singleauskopplung „Bück dich hoch“ müsst ihr bis zum 27.01.2012, für das Album „Befehl von ganz unten“ bis zum 10.02.2012 warten. Klingt für mich ziemlich billig, der Ironie der letzten Werke nicht gerecht werdend, aber urteilt selbst, ladet den Track und kauft euch das Album, denn besser als der neumodische Guetta-Dreck ist es allemal und für die, die neu in der Elektroszene agieren, vielleicht trotzdem frisch.