„Kettcar – Und die Tränen in meinem Gesicht sind nur Sprühregen.“ – Chris Wagner.

Ich war am Dienstag mal wieder ausgiebig in Hamburg, habe Geld auf den Kopf gekloppt, Wasser mit Sprudel gesehen, schöne Menschen und habe ne Menge maritimen (guten) Kram für meine Kasseler Bude eingekauft. So wohl habe ich mich schon lange nicht mehr in meiner unwohl sitzenden Haut gefühlt.

Und am gleichen Tag veröffentlichen Kettcar ihr neues Video zum Song „Rettung“, aus dem am 10.02.12 erscheinenden Album „Zwischen den Runden“, bei Youtube. Wie im Anfangssatz ironischerweise und der eigenen Dinge erhaben erwähnt, trifft mich Kettcar wieder mit voller Breitseite backbord an der Planke des Lebens Links, an die ich ich klammere. Selbstverständlich kann man allgemeine Wortschatztruhen nicht neu befüllen und so tauchen altbekannte Syntaxen auf und in altbekannter Intonation; es fühlt sich an wie Zuhause.

Jedoch fühlt sich die Thematik des Songs weit weg von mir, aber nah am Leben an, so erzählt das Video frecher- und kreativerweise von zwei sich Liebenden (schöne Hamburger), die zusammenpassen, gerade WEIL sie nicht sofort zusammengefunden haben. Der Text macht einem klar, dass Liebe nicht Knutschen, nicht Kuscheln, nicht Kopulieren und schon gar nicht Händchenhalten ist, sondern die ekeligsten Handlungen, das allgemeine gemeinsame Interagieren, das dir ein digges Grinsen ins Gesicht zaubert, obwohl (meistens) ihre Faust es dir glatt bügeln will.

Stilistisch bewegen sich Kettcar in ihrem Pril. Sie haben einfach nur ihr altes Eisen zum Glühen gebracht, klingen trotzdem frisch, obwohl sie sich dazu um kein Grad verbiegen mussten. Reife Leistung – beim Worte genommen. Die fast schon standardisierten Instrumente wurden weniger zum Klingen ins Studio geholt, als zum Geschichtenerzählen. Wenn ich so spielte, ich fühlte mich zum Handwerker degradiert, dessen zu verbauende Technik für das Staunen sorgt.

Das Video ist absolute Empfehlung für Menschen, die auch mit Anfang bis Ende 20 noch Großmuddern zuhören, die für jede Lebensweisheit, jede Wortakrobatik, jede perfekt abgestimmte Wort-Ton-Symbiose und jene Geschichten offen und dankbar sind, die sich beim Erzählen im Kopf abspielen. Ich sitze gerade allein auf dem Sofa, der norddeutsche Regen klatscht an meine Fensterschreibe und versucht sie zu bersten, ich höre dieses Lied rauf und runter.. Also, wer dem ganzen Artikel keine Romantik abringen kann, dem sei nur verziehen, wenn er nicht weiß, wovon ich spreche. Viel Spaß. :>

In eigener Sache:
Wenn sich eine schöne Deern fände, die mir am Geburtstagsfolgetag diese Platte (ich rede von der Vinyl mit Anfassen undso) unters Kopfkissen legt, mich aber noch rechtzeitig warnt, damit ich sie nicht versehentlich verbiege, die erwartet am Folgetag des Geburtstagsfolgetag ein kleiner Post-It mit der Zeile:

„Guten Morgen, Liebe meines Lebens.“ – Kettcar – „Rettung“.