Der Mann aus Ratingen ist endlich zurück. Nach der „Flammenwerfer“-EP kommt nun das neue Album von Umse: „Durch die Wolkendecke“. Nach dem letzten Album „Hawaiianischer Schnee“ von 2015 hat sich offenbar einiges getan. Umse erweitert die Themenpalette deutlich und Deckah stanzt als Produzent das vermutlich rundeste Album der gemeinsamen Karriere aus den Monitorboxen.

Ich gebe ja zu, dass mir nach der Flammenwerfer EP etwas bange war: Wird es jetzt das nächste Bombap-Album geben mit den ewig gleichen Realkeeper-Raps? Nach Weiterentwicklung konnte man lange suchen. Selbst „Hosentaschen“ war zwar lieb gemeint, zündete in meinen Augen aber nicht so richtig. Gott sei Dank hat sich Umse doch etwas mehr Zeit für das nächste Album gelassen als eigentlich angekündigt. Diese ungewollte Pause hat dem Rapper offensichtlich gut getan – oder zumindest seinem Songwriting.

Natürlich wird keine komplette 180 Grad-Wende vollzogen. Stattdessen gibt es ein erwachsenes, reflektiertes und teilweise überraschendes Rapalbum. So ist zum Beispiel „Ich bereue nix“ eines der herausragenden Stücke auf „Durch die Wolkendecke“. Die in den Augen vieler Umse-Fans bestimmt etwas gewöhnungsbedürftige Hook kommt hier von Igor Barbosa, den man aus diesem DSDS kennen könnte (oder auch nicht). Es dreht sich um die Frage, ob man Entscheidungen nochmal so treffen würde wie in der Vergangenheit geschehen. Grown Man Rap.

Natürlich gibt es auch diese unglaublichen Live-Hymnen, die man von Umse kennt und auf die man wartet: „Das‘ Das“ oder „Bruce Banner“ schreien ja förmlich nach HipHop-Jams im tiefsten Ruhrgebiet. Lediglich beim Song „Mach das Kleine groß“ muss ich schlucken: Kann oder muss man sich vor Amazon schützen und wenn ja, umgeht man die negativen Auswüchse des Kapitalismus wenn man einfach im kleinen Laden um die Ecke kauft? Ist es so einfach? Mich beschleicht der Verdacht, dass der Gedanke nicht komplett zu Ende gedacht wurde.

Mit „Durch die Wolkendecke“ hat Umse das unbestreitbar beste Album seiner Karriere vorgelegt. Natürlich dank Deckah und auch mit ein wenig Hilfe vom Produzenten Croup. Es ist beeindruckend, was Umse mal eben so auf astreinen Boombap-Beats an inhaltlicher Tiefe an den Tag legt. Für mich gibt es bisher keine wirkliche Konkurrenz, wenn es bald um die Jahresbestenliste gehen wird.