Wenn sie nicht gerade einen Doppeldeckerbus durch Hamburg jagen, schalten sie auf der Bühne drei Gänge weiter: Neonschwarz. Vergangene Woche hatten wir nicht nur das Vergnügen mit der Hamburger Hip-Hop-Kombo und dem roten Touri-Thron durch unsere Stadt zu segeln, auch die Visite der ausverkauften Hütte im Uebel & Gefährlich auf St. Pauli dürfen wir uns in den Lebenslauf drücken. Mit „Metropolis“ öffnen Captain Gips, Johnny Mauser, Marie Curry und Spion Y nun ein bittersüßes Kapitel: auf der neuen Platte wird das urbane Stadtleben Hamburgs ins Visier genommen.

„Neonswizzy“ bestellten uns am sonnigen Freitag Nachmittag – der traditionell schlimmsten Arbeitszeit nach Montag Vormittag – zum Feiern ein. Der Videodreh zur neuen Single „Doppeldeckerbus“ stand auf dem Plan: wir, ca. dreißig der besten Menschen aller Zeiten, ließen uns bei flüssigster Fahrt durch Gängeviertel, Elbphilharmonie und Davidwache manövrieren, während uns der Doppeldeckerbus lenkte und wir den „Doppeldeckerbus“ lernten. Die alternative Cityhymne schließt die kommende LP ab, bekommt als Abrechnung und Lebkuchenherz zugleich einen besonderen Platz auf unserem hanseatischem Trommelfell. „Digger, dies’ ist Hamburg!“ war gestern.

Wie der ganze Bus voll jeanshäutiger Wölfe trotz unlimited Dosenbier (danke, Lars! <3) und leider auch limited Sonnenstrahlen, noch die engen Kurven von HH-City kratzte, seht und lest ihr, wenn die fröhliche Fahrt sich in vollendeter Form auf YouTube verewigt hat. Und doch: keine Kamera wird jene Schärfe übertreffen, mit der Neonschwarz das ambivalente Bild der Hansestadt auf „Metropolis“ gezeichnet haben. So wartete sie schon sehnsüchtig auf uns, suchtend nach Aufmerksamkeit und Gehör: die Ur-Aufführung, Weltpremiere oder meinetwegen auch City-Taufe der neuen Tracks im Uebel & Gefährlich!

Taucht der Club in den ehemaligen Flaktürmen erstmal in sein Saunabad, schauen fast 1000 Zuschauer der Metropolis beim Versinken zu: Neonschwarz brachten den kaltgestellten Heinrich-Herz-Turm auf die Bühne, umgeben von düsteren Wolkenlandschaften und selbstgebastelten Papptürmen, dem Phallussymbol der Stadtpolitik. „Dies Das Ananas“ u.a. eröffnete das Set mit einem Knall, auf die erste Single aus „Metropolis“ haben auch wir schon hier im Blog angestoßen. Ein Stück, dass uns an Menschenrechtsverletzungen wie dem Schlagermove erinnert und uns mit seinen rocklastigen Crossover-Einflüssen parallel stampfend darauf eintreten lässt. So muss das.

Der Bunker an der Feldstrasse ist regelrecht explodiert, als Captain Gips und Co. mit „Ypsilon“, „Fliegende Fische“ oder „Unser Haus“ die Klassiker aus dem letztgenannten Werk zum Besten gaben, mit dem brandheißen „Rapstars“ markierten Neonswizzy dagegen noch einmal so richtig ihr Revier.

„Was Rapstars? Halt’ die Fresse, wir sind Punker!”

Bedeutet: Videorelease „pünktlich“ um 13:12 Uhr, Champagner hat Hausverbot. Tatsächlich braucht es zu diesem Zeitpunkt weder Nostradamus, noch 9Live-Hotline, um zu erahnen, welche Bereicherung die neuen Stücke für das Live-Set der Band darstellen.

Eine kochende Crowd, eine vollbeschäftigte Bar und trotzdem trübe Aussichten draußen: mit „2014“ setzte die Band einen gutgedüngten Scheisshaufen auf die Wahlerfolge der AfD, und oben drein auch Live ein klares politisches Zeichen. Niemand, inklusive der vier Swizzys, hätte es für möglich gehalten, dass sich zu 2016 das politische Klima in bad ol‘ Germany noch einmal verschlimmern könnte. Worte, die sich begleitet von Sprachlosigkeit, auch auf „Metropolis“ wiederfinden. Die mit den viralen Mitmach-Dingern und neudeutschen Meme-Rap bleiben weiterhin die Anderen.

Nachdenklicher ging es auch in „The Rain“ zu, einem der ruhigen Klassiker des Erstlings, welcher Live mit dicken Bässen unterlegt ist und gefolgt wird von der zweiten Single „Atmen“. Ein äußerst geschickter Schritt von den Swizzys mit beiden Stücken etwas Ruhe reinzubringen, um so die Aufmerksamkeit auf das nächste Highlight „Kinder aus Asbest“ nochmals zu verstärken: ein neuer Track über das Aufwachsen im Großstadtdschungel, vorgetragen zusammen mit vier jungen GastsängerInnen. Ein schöner Moment.

Das Finale näherte sich und spätestens nach dem Medley-Retroorgasmus mit Beats und Cuts von u.a. The Fugees, Busta Rhymes oder Dr. Dre dankt euch „dieser eine Freund“ neben euch, schweißgebadet und in absoluter Demut, dass ihr ihm einfach eine Karte mitgekauft habt. Wenn Neonschwarz im neuen „Das Goldene Ticket“ kurz darauf die Alben und Tracks der letzten vier Jahre Bandgeschichte aufarbeiten und nur wenig später in der Zugabe mit den Klassikern „On A Journey“ und der „Militanten Tante“ ihr exzellentes Handwerk beweisen und im Alleingang den Bunker abreissen, weiß man, dass „Bekanntenkreis“ und „Pyrotechniker“, besser als Lösungswort in 89er „Glücksrad“-Ausgaben aufgehoben sind. Ein Abend, der in Freundschaft und Vorfreude endete.

Wer auf „Metropolis“ schon gar nicht mehr warten kann und das Album am Release Day gebührend feiern möchte, sollte die Chance wahrnehmen: am 6. Mai wird die Geburt von Platte Nr. 3 nur wenige Straßen weiter in der Roten Flora gefeiert! Mit ihren Freunden versteht sich, von denen einige auch sehr schöne Instrumente haben und diese obendrein wundervoll bedienen können. Feine Sahne Hitfilet, anyone? Mehr Infos auf Facebook!

Neonschwarz auf Tour!

  • 16.04.16 Zürich – m4music
  • 12.05.16 Berlin – about blank
  • 13.05.16 Kopenhagen – 2-års fest – Revolutionære Antifascister
  • 26.05.16 Würzburg – CAIRO Jugendkulturhaus
  • 27.05.16 Augsburg – Kongress am Park (Modular Festival)
  • 28.05.16 Münstler – Gleis 22
  • 09.06.16 Braunschweig – Nexus
  • 25.06.16 Leipzig – live&laut – das Festival im Täubchenthal
  • 16.07.16 Goldenstedt – Afdreiht un Buten
  • 06.08.16 Hamburg – Spektrum Festival
  • 11.08.16 – 13.08.16 Püttlingen – Rocco del Schlacko

„Metropolis“ erscheint am 6. Mai 2016 über Audiolith Records.

Wir bedanken uns bei Audiolith Records für die Ermöglichung unserer Teilnahme am Dreh und selbstverständlich auch bei Eicke Hamann Fotografie für die freundliche Genehmigung seine tollen Fotos hier veröffentlichen zu dürfen!

[asa]B01CKO79R0[/asa]