Foto: Niklas Zeiner

Zugegeben, wir sind etwas spät dran. Der Release seiner 11 Tracks (!) starken EP (!) liegt schon knapp zwei Monate zurück, aber es ist ja auch nicht so, als sei JACE bereits Teil der großen Promomaschinerie. Einen großen „Vorschuss“, der als Titel der in Eigenregie veröffentlichten EP dient, wird es nicht gegeben haben, die physische Auflage der CD gibt’s nicht bei Amazon, sondern bei ausgewählten Plattenläden wie dem hiesigen Michelle Records. Hier in Hamburg sind wir damit gerade Zeuge, wie etwas sehr Eigenes und – so will ich es prophezeihen – Großes entsteht.

Laas Unltd. behauptete einst, dass „Hamburg raptechnisch am Boden liegt, so wie Möwenscheiße“. Was JACE von dessen Rapgeneration, insbesondere Kool Savas als Macher des zitatgebenden „Der Beweis“-Mammutremixes, hält, vermittelt er schon zu Beginn seines aktuellen Releases: „Was King of Rap?! Ich bin Anarchist!“

Gemeinsam mit seiner Flavour Gang machte JACE schon vor einigen Jahren Tracks, die sich noch heute auf Soundcloud finden lassen, damals allerdings viel stärker im klassischen Hip-Hop verwurzelt auf Boom-Bap-Beats mit – das muss man zugeben – nicht den allerspannendsten Texten, die das Land je gehört hat. Diese Oldschool-Vergangenheit jedoch befähigt ihn jetzt, spätestens mit dem Release der „Vorschuss“ EP, zu einer ungeahnt guten Version von modernem Trap, der sich auch für selbsternannte Realkeeper wunderbar konsumieren lassen dürfte!

Schon auf dem nach vorn bretternden Intro „MacGyver“ zeigt JACE, wie viel Hunger er hat, peitscht Punchlines raus wie nichts gutes und macht damit auch auf „J.A.C.E.“ nahtlos weiter. Und dass man schon mehr als genug Ich-buchstabiere-meinen-Namen-Raptracks gehört hat, stört hier wie durch ein Wunder keineswegs. Dem jungen Hamburger will und muss man einfach zuhören, da ist es fast egal, was er rappt. Selbst dann, wenn er einen ganzen Track über Fastfood macht („Extra Alles“). Den Bezug zu seiner Heimat Hamburg setzen hier Zeilen wie „Stepp‘ aus dem Clochard, kleine Runde Hesburger“, was subtiler kommt, als sein kleiner, szeneinterner Representer-Hit „Komme vorbei“ von Anfang des Jahres. Mit diesem sowie „Dabben“ brachte JACE es zu erster Bekanntheit, „Vorschuss“ ist nun der erste Beweis, dass sein Sound auch auf voller Länge funktioniert.

„Gib mir was ab“ heißt eine der Singles daraus und zeigt, dass dieser Typ mit der „Frise wie ein junger Lothar Matthäus“ es drauf hat, zeitgemäßen Hip-Hop samt Autotune und tackernden Hi-Hats so umzusetzen, dass er in keiner Sekunde nervt. Liebe Rapszene, nimm diesen Titel beim Wort. JACE hat es verdient, was vom Erfolg abzukriegen.

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