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Vor Kurzem berichteten wir euch bereits an dieser Stelle recht begeistert von der Videosingle „Rückenwind Pt. II”, die Neufundland vorab aus ihrer jüngst erschienen, selbstbetitelten EP vorausschickten, um mit ihrer gewitzten Spoken Word-Indie-Mische auf sich aufmerksam zu machen. Das ist definitiv geglückt und so freue ich mich, mittlerweile die 6 Tracks starke EP der jungen Band aus Köln in den Händen zu halten.

Darauf haben sie noch einiges mehr zu bieten als den Vorgeschmack, den sie mit bereits erwähntem Track schufen: „Raus Raus” eröffnet das Werk mit tackernder Drummachine und groovt sich mit verspielten Riffs ordentlich in Ekstase, nur um uns dann nach all dieser Furore mit „Turbulenzen” in eine völlig neue Stimmung zu werfen. Fabian berichtet in metaphorischen Bildern von Glauben und Zweifel in einem Flugzeug, das abzustürzen droht:

„Solang‘ die Stewardess noch lächelt, bleibt der Vogel in der Luft. Solang‘ alle daran glauben, dass man noch nach uns sucht, ist uns das genug.”

Und nachdem bis zu diesem Zeitpunkt alles noch von Melancholie mit Piano und Drums geprägt war, entfalten sich die Turbulenzen urplötzlich in harten Riffs, noch härterem Schlagzeug und bedrohlichem Synthie-Gerausche. neufundland-epZuvor mag man noch geglaubt haben, diese vier Jungs seien in ihrem Neufundland auf der Suche nach dem großen Poprock-Hit, doch es geht um mehr als das, wie das ausufernde Outro des knapp siebenminütigen Songs mit seiner tollen Postrock-Atmosphäre zeigt.

In diesen Momenten zeigen Neufundland ihre Eigenständig- und -willigkeit, ihre Experimentierfreude im Soundbild, die beweist: Hier handelt es sich nicht um die nächsten, langweiligen Indie-Wannabes, sondern eine merklich ambitionierte Band mit wohlüberlegten Lyrics auf ausgetüftelten Songkonstrukten, die mehr können, als sich nach Schema F zu loopen. Hätten sich Mikroboy nicht irgendwann vollends in einer Kitsch-Eintönigkeit festgefahren, wären sie vielleicht diejenigen gewesen, die diese spannenden Songs hätten abliefern können!

Stattdessen übernimmt das nun also glücklicherweise dieses Newcomer-Quartett, das den Pophit zum Schluss ihrer EP dann irgendwie doch noch findet: In „Und reicht dir das” kommen beide Sänger zum Zug, singen auf ratterndem Beat Zeilen am Zahn der Zeit:

„Und all die Freigeister, und all die Wegbereiter sind genau so auf ihr Maul gefallen wie ich!”

Und so hook-driven das Ganze auch ist – selbst hier lassen es sich Neufundland nicht nehmen, zumindestens einen experimentellen C-Teil zu spielen. Gut so!

„Neufundland” macht auf ganzer Länge Spaß beim Zuhören – und das nicht zuletzt, weil man der Platte den Spaß beim Einspielen anhört. Zwar war „Rückenwind Pt. II” offenbar nur ein Ausflug in andere Gefilde, denn weitere Spoken Word-Passagen finden sich nicht auf der EP. Doch in welche weiteren Ecken er sie und ihren Indie-Pop auch führen mag – es bleibt unbedingt zu hoffen, dass sich Neufundland ihren Hang zum Ausprobieren beibehalten! Den frischen Wind, den sie damit durch die Ohren ihrer Hörer pusten, können wir alle gut gebrauchen.

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