Foto: Wilk

Das Erste, was ich mich fragte, war, wie man denn eigentlich die Einwohner von Tonga bezeichnet – Tongaer. Gut zu wissen. Von dort kommen nämlich die Eltern von Sänger Noah Slee, der selbst jedoch in Neuseeland geboren und aufgewachsen ist. Vor wenigen Jahren kam dieser schließlich nach Berlin, um von dort an der Karriere als Musiker zu arbeiten, welche nun in der Veröffentlichung seines Debütalbums „Otherland“ mündet. Ich bin ziemlich begeistert.

Produziert wurde das Album von Ben Esser, den ich (unrühmlicher Weise) erst durch seinen Remix von Ed Sheerans „I’m In Love With The Coco“-Cover kennengelernt habe. Man, was waren das für Zeiten. Übrigens gab es bereits damals eine erste Zusammenarbeit der beiden: Der Song „Can’t Let Go“ wurde von Ben Esser geremixt und ließ schon Großes erahnen für die spätere Zusammenarbeit.

Dieser Sound, der damals noch unter dem Label ‚Future Beat‘ lief, ist nun in der Jetztzeit angekommen. Dieser moderne R’n’B ist auf „Otherland“ oft tanzbarer Natur, klingt häufig aber auch verträumt und verletzlich. Da gibt es die verspielte House-Single „Radar“ und kurz darauf das sphärische „Lips“ mit Rapper Melodownz. Das neo-soulige „Sunrise“ und das trappige „Way Back“. Alles hervorragend mit unzähligen Referenzen produziert und zusammengehalten von Noah Slees emotionaler Performance, die sich keine Fehltritte erlaubt. Manchmal klingt die Stimme aufgekratzt, manchmal samtweich. Sie weiß jedoch immer Fuß zu fassen mit den abwechslungsreichen Grooves Essers.

Sound zum Wohlfühlen. Das funktioniert bestens im Channel von Majestic Casual (auf dessen Label das Album übrigens auch erscheint), aber auch beim abendlichen Barbecue im Hintergarten. Zu einem wirklich guten Album machen „Otherland“ aber auch die drei Interludes sowie Intro und Outro. Diese erinnern an die tongaische Herkunft, beinhalten aber auch einen Mitschnitt der U-Bahnfahrt nach Neukölln. Sympathisch. Ich frage mich, ob dies das nächste Szeneviertel wird.

Otherland“ funktioniert natürlich super als Hintergrundmusik für durchgestylte Clips mit braungebrannten Surferinnen vor der Küste Südfrankreichs oder für diverse andere Lifestyle-Videos mit Hipster-Mädels. Aber zum Glück ist die Musik zu gut, Noah Slee ein viel zu talentierter Sänger und die Lyrics zu schön und persönlich, als dass das Album einfach in den Playlisten untergehen könnte. Ich freue mich jedenfalls auf Noah Slees Auftritt beim Reeperbahn Festival 2017.

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