Yawning Man, Gary Arce

Gary Arce von Yawning Man | Foto: Jens Wassmuth, Bildquelle: Facebook

Kyuss, Fu Manchu, Monster Magnet, Slo Burn, Masters of Reality und bisweilen auch Queens of the Stone Age – die prominentesten Vertreter des Stoner- bzw. Desert-Rock sind recht weitläufig bekannt. Allerdings gibt es natürlich auch noch eine ganze Menge anderer Bands, die weniger populär sind, für die Entwicklung dieser Musikrichtung aber nicht minder wichtig. Das trifft vor allem auf Yawning Man zu, die den Stoner-Rock geprägt haben, wie nur ganz wenige andere Gruppen. Deswegen nehme ich mir heute mal etwas Zeit, um sie euch im Rahmen der NOISIV CLASSICS vorzustellen – genauer gesagt das erste Studioalbum „Rock Formations”.

Die Inspiration der populärsten Stoner-Figuren

Kyuss, Hommes erste Band, gilt weitläufig als Ikone des Stoner-Rock, was wiederum am Bekanntsheitsgrad der Band liegen dürfte, der auch über die lokalen Stoner-Szenen hinausragte. Die Stoner-Rock- bzw. Desert-Rock-Szene bietet aber natürlich eine noch viel stärkere Vielfalt. Ein absolutes Urgestein der Szene sind beispielsweise Yawning Man – eine Gruppe, welche die Grundfesten des Stoner-Rock auslotete und so auch populäre Figuren der Stoner-/Desert-Szene entscheidend beeinflusste – unter anderem Brant Bjork, Chris Goss und eben auch Josh Homme.

Die Band gründete sich 1986 und bestand aus Gary Arce, Alfredo Hernandez sowie den Cousins Mario und Larry Lalli. Eine kommerzielle Album-Veröffentlichung blieb jedoch bis zum 2005er-Release „Rock Formations” aus, da sie sich nie um einen Plattenvertrag bemühten und auch anderweitig wenig Interesse daran hatten, sich zu präsentieren. In all den Jahren zuvor wurden lediglich zwei Demos aufgenommen. Wer diese Aufnahmen hören wollte, brauchte also gut informierte und sortierte Freunde mit entsprechenden Verbindungen.

Rock Formations: Psychedelia auf höchstem Niveau

Das Album „Rock Formations” wurde 2005 veröffentlicht, besteht vollständig aus alten Songs und beginnt bereits mit einem echten Handkantenschlag, dem Titeltrack. Man erkennt sofort das, was ausmacht: Psychedelische Riffs, minimalistisches Drumming und groovige Basslines. Das spaceige Gitarrenriff vermittelt das Gefühl von Schwerelosigkeit und die Bassline lässt keine Füße still. Auf Vocal-Parts verzichtete die Band übrigens fast komplett, weshalb „Rock Formations” ein reines Instrumental-Album ist. Es braucht hier allerdings auch keinen Sänger, denn die Sounds, die Arce aus seiner Gitarre bekam, waren bereits Gesang genug.

Yawning Man - Rock Formations

Über die kommenden Songs hinweg festigen sich die Eindrücke, die man nach dem einleitenden Track bekommen hat. Die Gitarrenriffs verströmen eine magische Energie und das Schlagzeugspiel ist zwar minimalistisch, aber sehr einprägsam. Josh Homme bezeichnete Stoner-Rock mal als „Robot-Rock” und Yawning Man zeigen eindrucksvoll, was damit eigentlich gemeint ist: Die Riffs und Drum-Lines sind innerhalb der Songs immer wieder roboterartig repitiv, werden allerdings stets durch neue Details spannend gehalten

Allerdings kann die Band natürlich auch anders: „Stoney Lonesome” ist zum Beispiel über die meisten der sechs Minuten Spielzeit hinweg sehr ruhig und gelassen, baut sich dann aber zwei Mal plötzlich zu einem großen Höhepunkt auf, um den Hörer anschließend wieder in die Leere der musikalischen Ruhe fallen zu lassen. Die Musik peitscht während dieser Aufbauarbeit voran, die Kraft der Instrumente wirkt unbändig.

„Sonny Bono Memorial Freeway” hingegen zeigt die Fähigkeiten von Gary Arce, mit denen er seine Gitarre zum Singen bekommen konnte. In „Airport Boulevard” glänzen die scheppernden Drums von Alfredo Hernandez. Es gibt immer wieder etwas neues zu entdecken in diesem zehn Songs umfassenden Mini-Universum. Ein ganz besonderer Song ist hingegen „Buffalo Chips”: Kraftvolle und farbenvolle Riffs, treibende Drums und druckvolle Bass-Lines. Speziell dieser Song ist ein Stoner-Feuerwerk, der seinesgleichen sucht!

Die kalifornische Wüste im Audioformat

„Rock Formations” verpackt das, was man sich unter der kalifornischen Wüste vorstellt, perfekt ins Albumformat: Lange Highways, chillige Generator-Partys und die rohe Gewalt, die die Wüste und das Leben dort in sich trägt. Man lässt das Album einfach laufen und vergisst alles um sich herum.

Jeder, der sich für Stoner-Rock interessiert, sollte Yawning Man kennen, um sich darüber bewusst zu werden, wer die heutigen großen Köpfe der damaligen Desert-Szene inspirierte und ihnen so dabei half, das zu schaffen, was in den folgenden Jahren um die Welt gehen sollte und Stoner-Szenen in allen möglichen Winkeln des Globus hervorrief. Speziell diese Band hat einen riesigen Anteil an dieser Musik und bekommt dafür viel zu wenig Beachtung, was Yawning Man fast schon mystisch erscheinen lässt.

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