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Wie manch einer bereits mitbekommen hat, bin ich verantwortlich für den meisten Kram auf diesem Blog, der sich um Hip-Hop dreht. Ich habe viele Jahre vergeblich gehofft, dass mich jemand nach einer Top-5-Liste der besten Alben fragt, doch so richtig durchdacht war das damals noch nicht. So hat das Aufstellen der hier fünf vorgestellten Alben eine Menge Nerven gekostet.

Es gibt unendlich viele Künstler, deren Songs ich dieses Jahr hoch und runter gehört habe. Doch gute Alben waren nur selten dabei. So gibt es vielleicht Künstler, die ich gerne aufgrund eines herausragenden Songs erwähnen würde, deren Alben aber dann doch nicht der Knaller waren. Wie dem auch sei, hier ist die Liste meiner fünf Lieblingsalben 2015!

#05 Drake – If You’re Reading This It’s Too Late

Drake - If You're Reading This It's Too Late

Drake muss man nicht mögen. Macht meine Freundin auch nicht. Kann ich verstehen. Aber irgendwie schafft es der Kanadier mit (fast) jedem Release dem Hip-Hop-Geschäft (ach, dem Pop-Geschäft) etwas Neues hinzuzufügen. Allein die Veröffentlichung von „If You’re Reading This It’s Too Late” war spektakulär. Unangekündigt erschien das Teil im Februar 2015 und keiner konnte sicher sagen, ob das nun ein Album ist oder doch ein Mixtape.

Dass die Scheibe sich verkaufte, wie Falafel auf einem Parteitag der Grünen, war abzusehen. Dass auf dem Album allerdings gar keine Hits sind, fällt dabei kaum ins Gewicht. Im Gegenteil: Drake macht einfach jeden Song zu einem Highlight! Drake ist nicht nah am Puls der Zeit – er ist der Puls. An ihm muss sich zurzeit jeder messen, wenn es um Ideenreichtum, Songkonzepte und Flows geht. Ach ja, dass dieses Jahr noch ein Beef mit Meek Mill auf dem Plan stand, ein absurdes Mixtape mit Future erschien und Drake mit „Hotline Bling” das Internet gewonnen hat, darf man auch nicht vergessen!

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#04 Kamasi Washington – The Epic

Kamasi Washington - The Epic

Nein, ich bin kein Jazzkenner. Genauso wenig wie ich Rotweintrinker bin oder große Philosophen zitieren kann – leider. Doch ab und an habe ich für kurze Zeit das Gefühl, dass ich auf Rap keinen Bock mehr habe und alles andere außer Jazz ja eh lausiger, unmusikalischer Mist ist. „The Epic” von Kamasi Washington habe ich dieses Jahr sehr lange und oft gehört und die Aufmerksamkeit, die dieses Release auf sich ziehen konnte, ist mit Sicherheit verdient.

Die Veröffentlichung auf FlyLos Brainfeeder Label und die Unterstützung von Thundercat am Bass (der dieses Jahr ebenfalls prominent auf „To Pimp a Butterfly” vertreten war), gelten nicht zu Unrecht als Indiz für herausragende Qualität. Für mich steht dieses Album auch für einige andere Jazzkünstler, die mich dieses Jahr begleitet haben, insbesondere Mulatu Astatke oder Takuya Kuroda. Eigentlich bräuchte ich nichts anderes, außer Saxophon, Schlagzeug und Klavier. Hab ich hier vielleicht irgendwo noch Rotwein?

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#03 Casey Veggies – Live & Grow

Casey Veggies - Live and Grow

Casey Veggies war für mich einer der Künstler, der Mixtapes am laufenden Band rausbringen kann, dem aber der Sprung in die erste Liga verwehrt bleibt. Ob sich dies mit dem Debüt-Album für Casey Veggies ändert, wird sich zeigen; besonders groß ist die Resonanz bisher jedoch noch nicht. Für mich zu Unrecht! Mit „ActinUp” beinhaltet das Album den ersten (minimal) innovativen Mustard Beats seit geraumer Zeit und „Tied Up” mit (der für mich sehr spannenden) DeJ Loaf ist ein waschechter Hit. Für die Kritiker gibt es sogar ein Tyler,-The-Creator-Feature.

Wahrscheinlich ist das Album einfach nicht spannend genug und lyrisch nicht auf einer Augenhöhe mit anderen Newcomern. Das ändert für mich aber nichts daran, dass ich dieses Album permanent anhören kann und es nicht langweilig wird. Häufig sind mir irgendwelche hochgelobten Alben zu sperrig. Da können die Lyrics noch so weltverändernd sein (Stichwort „Kendrick Lamar”). Ich halte es lieber mit Leuten wie Curren$y, Young Roddy oder eben Casey Veggies.

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#02 K.I.Z. – Hurra Die Welt Geht Unter

K.I.Z. - Hurra Die Welt Geht Unter

Besprochen wurde dieses Album ausgiebig im Feuilleton, sowie in den üblichen Hip-Hop-Medien. Mittlerweile kann sich halt jeder auf K.I.Z. einigen. Für viele war dieses Album dennoch zu ruhig, zu „seriös” und hatte nicht mehr viel mit den Kannibalen vom Kettensägenmassaker zu tun. Für mich war das mehr als okay. „Selbstjustiz” oder „Wenn es brennt” fand ich immer geiler als die „echten” Hits.

Auf „Hurra Die Welt Geht Unter” haben die Berliner das bisher beste (heißt einheitlichste) Klangbild und die pointiertesten Texte. Über „Verrückt nach Dir” kann man streiten, aber „Glücklich und Satt” (letztens auf einer NOlympia-Demo gehört – kam gut!), „AMG Mercedes” oder „Was würde Manny Marc Tun” gehören für mich eindeutig zu den besten Songs, die K.I.Z. bisher abgeliefert haben. Gerne darf die Entwicklung in der Richtung weitergehen.

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#01 Murs – Have A Nice Life

Murs - Have A Nice Life

Murs begleitet mich seit eh und je. Seit seinem „The End Of The Beginning” von 2003 bin ich Fan. Das neue Album auf Tech N9nes Strange Music wurde nun komplett von Jesse Shatkin produziert, der sonst Popsternchen wie One Direction oder Katy Perry mit Songs versorgt. Klingt komisch, ist es auch; aber unter dem Namen „Belief” hat er schon 2003 Beats gebaut und mindestens ebenso lange ist er mit Murs befreundet.

Der Klang des Albums ist tatsächlich ein wenig poppig geraten und soundtechnisch glattgeschliffen, doch merkwürdigerweise passt die Kombination super. Murs bringt weiterhin Geschichten über Frauen, die Gangkultur seiner Heimatstadt Los Angeles und gesellschaftliche Beobachtungen. Im Gegensatz zu früheren Werken, in denen diese Themen in ähnlicher Form bereits Platz fanden, entfalten die neuen Songs aber eine ungeahnte, mitreißende Wirkung. Geiles Album, von einem immer besser werdenden Künstler. Absolute Kaufempfehlung!

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