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Sollte es jemand noch nicht mitbekommen haben: Morgen ist wieder mal Weihnachten. Nicht wirklich die Zeit, die man mit erstklassigen Musikstücken verbindet. Na, dieses Jahr schon gewham!t worden? Aber es hat sich ja nun doch schon seit Längerem als Zeit des Rückblicks etablieren können, der Rankings und Abrechnungen, der Nähe zum Jahresende sei dank. Und so zieht auch die noisive Mannschaft mit und präsentiert euch, ob ihr wollt oder nicht, ihre fünf Lieblingsplatten, die 2015 zu bieten hatte. Bevor Cheffe Torge nächste Woche seine Topliste vorstellt und nachdem die anderen Süßen das bereits getan haben, bin ich noch an der Reihe und sage Danke an die nun folgenden fünf und noch eine Menge weiterer Künstler, die das vergangene zu einem sehr guten Musikjahr für mich gemacht haben.

#05: The Legends – It’s Love

Its Love

Etwas erstaunt bin ich ehrlich gesagt selbst, dass dieses nur gut 20 Minuten andauernde Album es in meine Top 5 geschafft hat, hatte ich es doch zeitweise schon fast wieder vergessen. Doch gerade jetzt, wo der Winter Einzug hält, weiß „It’s Love” sich nochmal so richtig zu enfalten. The Legends sind Johan Angergård – Kennern könnte seine Band Acid House Kings bereits ein Begriff sein – und acht Freunde, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Schöner Move, in die eigene Bandinfo zu schreiben, man sei ein neunköpfiges Projekt!

Ich jedenfalls ging ja schon immer mit einiger Skepsis an die Tatsache heran, dass sich Indie-Pop und Artverwandte gerade in den letzten Jahren mehr und mehr elektronisierten, um der Hipness nachzukommen. Doch beim Hören dieser Platte lösen sich solche Zweifel schnell in Luft auf: Sanfte Gitarrenriffs, wie die von Angergård, gehen erstmal immer, und besonders gut gehen sie hier mit ebenso unaufgeregtem Beiwerk aus Drummachines und Pop-Synthies, die aber eigen genug sind, um nicht jedem dahergelaufenen Hypemachine-User gleich ihre volle Pracht zu offenbaren.

Mit der richtigen Portion Autotune auf der Stimme klingen The Legends auf den sieben Tracks wie ein Mash-Up aus Bon Iver (nur weniger traurig) und Gigi D’Agostino (nur weniger trashig). Wenn dabei so zarte Liebesballädchen entstehen, die sich dann doch noch zu Hymnen der Sehnsucht auftürmen, ist diese Musik in manchem Moment wirklich das Beste, was einem passieren kann.

Anspieltipps: Keep Him, Smoke and Mirrors, Something Left To Die For

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#04: Fuadadeimuada – Flucht aus Goaßmass City

Flucht aus Goassmass City

Nachdem ich Platz 5 klar zum Winteralbum erklärt habe, führt uns die nächste Stufe der Top-Alben 2015 in eine sommerliche Landschaft voller Liebes- und Betrunkenheit. Man will ja nicht von Dörflichkeit sprechen, doch zumindest ein wohliges Gefühl der Großstadtferne stellt sich ein, hört man den in Mundart vorgetragenen Powerpop der Band Fuadadeimuada. Hätte ich zu Beginn des Jahres ahnen können, dass ich einmal in meiner Hamburger Wohnung etwas von „gloana schwarzen Fliang” vor mich her singen würde?!

Mehr Ohrwürmer als diese Platte hat mir seit Jahren keine mehr beschert. Ob Leadsänger Sebastian, teilweise auch abgelöst von Marcus a.k.a. Ibrahim Lässing, nun von Longboard Lisa oder dem bittersüßen Hasenklee schwärmt: Irgendwas bleibt immer hängen. Und das, obwohl – nein, gerade weil es komplett in bayerischer Sprache vorgetragen wird! Unglaublich charmant, immer nah am Kitsch, aber es macht einfach unerhört viel Freude! Lest ruhig auch die vollständige Review zum Doppel-Minialbum „Flucht aus Goaßmass City”.

Fuadadeimuada stehen hier zudem auch stellvertretend für Ibrahim Lässing, der mit seinem Soloprojekt gleich zwei sehr gute Album in diesem Jahr ablieferte: „Kaugummiautomat” und „Hoverboard”.

Anspieltipps: Schwarze Fliang, I dua nur so, Gemma weg

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#03: Everything Everything – Get To Heaven

Get To Heaven

Everything Everything hatte ich bis zum Juni 2015 immer nur so sporadisch auf dem Schirm – einzelne Songs der etwas avantgardistischeren Elektro-Popper konnten mich durchaus überzeugen, doch erst dank meines Griffes zu diesem wunderbaren LP-Cover von „Get to Heaven” lernte ich die volle Strahlkraft der Band aus Manchester kennen und lieben.

Das Album hat einen eigentlich schon, wenn das seichte Intro des Openers von einem Peitschenschlag aus Riffs und Emotion unterbrochen wird. Die Musik von Everything Everything ist dabei wahnsinnig variabel, moderner Disco-Pop und Sprechgesang werden miteinander kombiniert, stakkatische Beats mit hymnenhaftem Gesang und bodenständigen Indie-Riffs. Dank Jonathan Higgs‘ einzigartiger Stimmfarbe, die sich durch die Platte zieht, und der Kunst dieser Band, in ihrer Experimentierfreude nie komplett abzudriften, entsteht ein dennoch sehr zusammenhängendes Werk. Mit den von ihnen genutzten Elementen derart überzeugende Popsongs zu schaffen, halte ich für eine der beeindruckendsten Leistungen im vergangenen Jahr.

Anspieltipps: To The Blade, Regret, Spring / Sun / Winter / Dread

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#02: Ezra Furman – Perpetual Motion People

Perpetual Motion People

Mal ehrlich: Kann man sich ein Album, dessen Cover so aussieht, entgehen lassen? Nein, man kann nicht, und man sollte auch keinesfalls, wie Ezra Furman mit „Perpetual Motion People” beweist. Nicht nur sein Outfit ist wunderbar verquer, auch seine Lyrics sind es – besonders dann, wenn er auf dem flippigsten, tanzbarsten aller Instrumentals singt: „Hark to the music if you hate your job! Hark to the melody, we’re all gonna die!” Dieser 29-Jährige macht, was er will, und das mit Bravour. Seine Musik ist unverschämt catchy, seine Texte unvorhersehbar, seine Attitüde unnachahmlich.

Dank der Video-Vorstellung durch Babak durfte ich die Musik von Ezra Furman in diesem Jahr kennen und lieben lernen und habe mir sogleich seine nun schon sechs Alben – davon drei mit den Harpoons – umfassende Diskografie zugelegt. Tatsächlich gehört seine diesjährige LP zu seinen allerbesten und steht damit verdient auf dem zweiten Platz meiner Lieblinge 2015.

Anspieltipps: Hark! to the Music, Haunted Head, Ordinary Life

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#01: Locas in Love – Use your Illusion 3 & 4

Use Your Illusion

Locas in Love. Eine Band, die mich bereits seit dem Jahr 2007 begleitet und sich seither stets in neue Richtungen entwickelt hat, für mich aber dennoch – oder gerade deswegen – konstant eine der wichtigsten Bands unserer Breitengrade blieb. Im Frühjahr veröffentlichten die Kölner nun nach über dreijähriger Schaffenszeit das Album, das all ihre bisherige Musik und noch einiges mehr zu einem großen, ganzen zusammenzufügen und dabei noch in den Schatten zu stellen imstande war: „Use your Illusion 3 & 4”.

Der Titel zwar ein Gag, die Anzahl der Tonträger aber echt: Ein Doppelalbum, halb besungen, halb instrumental gehalten. Doch bereits die erste Hälfte dieses Wahnsinnswerks hätte genügt, die Locas-Platte für mich zum Album des Jahres 2015 zu machen. Es versetzt dich in Schockstarre, bläst dir wie ein kalter Wind am laufenden Band Wahrheiten und Emotionen ins Gesicht, und doch wärmt es dir mit Zunahme der abgespielten Songs langsam wieder die Seele auf, der dann im Instrumentalteil noch die nötige Ruhezeit geschenkt wird. Gänsehautmusik für Menschen, die nie damit gerechnet hätten, so etwas nochmal erleben zu dürfen.

Hier gibt es zudem eine recht umfangreich geratene Review zu „Use your Illusion 3 & 4”, und ich muss es an dieser Stelle auch nochmal wiederholen: I am in Love with Locas!

Anspieltipps: Teenager, Durch die Dunkelheit, Affe

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