Foto: William Morris

Ihr Album „Something’s Changing“ liegt weniger als zwei Jahre zurück. Nun meldet sich Lucy Rose nach einer Weile Funkstille zurück. Wie wir die talentierte Indie Folk Künstlerin kennen, läge es nicht in ihrer Natur halbe Dinge zu machen. So erscheint schon am 22. März ihr neues Album mit einer im Mai folgenden Tour inklusive drei Konzerten in Deutschland.

Kurz vor der Veröffentlichung durften wir Lucy Rose zu „No Words Left“ befragen. Im Interview verriet uns die talentierte Songwriterin, warum ihre neuen Songs anders klingen als zuvor, wie sie zu sozialen Medien steht und welchen Rat, sie ihrem 20-Jährigen Ich geben würde.


Mit dem neuen Alben können Fans einen neuen Teil von dir hören, den sie noch nie zuvor entdeckt haben. Die Songs klingen anders und intensiv. Was hat sich an deinem Songwriting geändert?

Es ist wirklich schwer zu wissen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich verändert habe, ich schreibe meine Musik wie immer, alleine für mich. Aber ich entwickle mich als Person, wie wir alle. Ich schätze, wir alle ändern uns auf natürliche Art und Weise, aber es ist eher so, als würden wir mehr wir selbst werden, je länger wir in unserem Körper leben und mehr verstehen.

Das Einzige, was sich geändert hat, sind meine Erfahrungen, die sich auf meine Texte und die Atmosphäre der Songs auswirken werden.

Deine Texte sind greifbar und scheinen direkt aus deinem Herzen zu kommen. Du singst über Unsicherheiten und nicht immer leichte Zeiten. Helfen dir deine Songs, deine Gefühle zu verdeutlichen und dich selbst zu reflektieren?

„Es soll nicht traurig, sondern wahr sein.”

Ich schreibe über die Realitäten des Lebens. Es soll nicht traurig, sondern wahr sein – was die meisten Menschen, meiner Meinung nach, irgendwann in ihrem Leben durchmachen. Es ist nicht immer perfekt und die Akzeptanz dafür ist entscheidend. Ich betrachte sie nicht als Unsicherheiten, sondern als Wahrheiten – kein Schein – nur die brutale, ehrliche Wahrheit über Leben und Beziehungen, Verlust und Verwirrung. Das Aufschreiben von all dem hilft mir definitiv, mehr über mich selbst und meine Gefühle zu verstehen.

Einige deiner Fans haben bemerkt, dass du alle Bilder auf deinem Instagram Account gelöscht und ausschließlich Schwarzweiß-Bilder hochgeladen hast. Ist das neue Album eine Möglichkeit für einen Neuanfang?

Ja, vielleicht ist es das. Ein Teil davon ist, wie ich die Plattform in der Vergangenheit genutzt habe. All die positiven Bilder von der Aufregung beim Touren – aber es ist alles nur eine Seite der Medaille. Lade einfach die guten Sachen hoch und lass den Rest weg. Diese Unaufrichtigkeit ist für mich ein Problem, deshalb wollte ich Instagram so verwenden, dass es mehr von der Wahrheit zeigt. Ich lass meine Texte reden – ganz nach dem Motto: man sagt mehr, indem man weniger sagst.

Du hast einen Newsletter für deine Fans. Dort teilst du immer einige sehr persönliche Gedanken zu deinen Songs. Ist es für dich wichtig, viel mit den Menschen zu teilen, die deinen Weg als Künstlerin in den letzten Jahren verfolgt haben?

Im Moment sage ich viel weniger auf Social Media, ich will die persönliche Verbindung jedoch nicht verlieren, die ich zu meinen Fans habe. Ich blocke mich nicht von ihnen ab, also ist mein Newsletter der perfekte Weg, um mit ihnen tief über die Musik zu sprechen und sie hereinzulassen.

Du wirst im Mai einige Konzerte in Deutschland spielen. Samantha Crain wird dein Support Act sein. Findest du es wichtig, anderen Künstlerinnen die Möglichkeit zu geben, mit dir auf Tour zu gehen?

„Ich denke (..), dass es wichtig ist, andere Musikerinnen zu unterstützen.”

Ich denke zu 100%, dass es wichtig ist, andere Musikerinnen zu unterstützen, was genau der Grund ist, warum ich Samantha Crain gefragt habe mit auf Tour zu kommen. Und nicht nur neue Musikerinnen – sondern auch Künstlerinen, die seit Jahren Platten veröffentlichen und viel touren.

Was den Titel deines Albums „No Words Left“ betrifft, so haben wir etwas Angst, den Titel zu wörtlich zu interpretieren. Wir hoffen, dass es nicht dein letztes Album ist. Machst du in Zukunft weiter und schreibst neue Songs?

Ich weiß wirklich nicht, was die Zukunft bringt, aber meine Beziehung zur Musik wird bis zu meinem Tod ein Teil von mir sein. Der Titel bedeutet Vieles, was offen für Interpretationen ist. Zwei Interludes auf dem Album heißen „No Words Left Pt.1“ und „Pt.2“, also gibt es einen Hinweis und ich habe auf dem Album alles gesagt, was ich zu diesem Zeitpunkt sagen wollte.

Du hast in den letzten 7 Jahren 4 Alben veröffentlicht und deine Musik ist seit „Like I Used To“ sehr gewachsen. Welchen Rat würdest du deinem 20-jährigen Selbst als Musiker geben?

„Ich vermisse mein 20-jährige Ich, das Selbstvertrauen hatte und wirklich glaubte, dass sie alles tun konnte.”

Gott, ich weiß es wirklich nicht. Ich vermisse mein 20-jährige Ich, das Selbstvertrauen hatte und wirklich glaubte, dass sie alles tun konnte. Ich hatte eine einfachere Sicht auf das Leben, die ich mir manchmal zurückwünschte. Jetzt bin ich älter, zynischer, aber weniger naiv. Mein Ratschlag wäre, keine Angst zu haben, zu versagen. Es ist nicht annähernd so schlimm, wie du denkst.

Lucy Rose kommt für drei intime Konzerte nach Deutschland

  • 03.05.19 Köln, Kulturkirche
  • 06.05.19 Berlin, Tempodrom Kleine Arena
  • 07.05.19 Hamburg, Nochtspeicher

Englische Version des Interviews

With your new albums your fans are able to hear a new part of you, which they never explored before. The songs sound different and intense. What changed in your songwriting? 

It’s really hard to know. I don’t feel like I’ve changed, I’m writing the music just the same, on my own, but I’m evolving as a person like we all are. I guess we all change naturally, but it’s more like we are becoming ourselves the longer we live in our bodies and understand more.

The only thing that has changed are my experiences which in turn will affect my lyrics and the atmosphere of the music.

Your lyrics are raw and they seem to come straight out of your heart. You sing about insecurities and struggles. Do your songs help you get your feelings straight and reflect yourself? 

I write about the realities of life. It’s not meant to be sad but truthful to what I believe most people go through at some point in their life. It’s not perfect all the time and acceptance to that is key. I don’t think of them as insecurities but as truths, no pretence, just the brutal, honest truth about life and relationships, loss and confusion. Writing it all down definitely helps me understand more about myself and what I’m feeling.

Some of your fans noticed that you deleted all recent pictures on you instagram and added only black and white content. Is the new album a way of a fresh start? 

Yeah, maybe that is it. Part of it is how I’ve used the platform in the past. All the positive pictures of the excitement of touring, but it’s all just one side of the coin. Just put the good stuff up and leave the rest out. That insincerity is a problem to me, so I wanted to use Instagram in a way that tells more of the truth. Let my lyrics do more of the talking, say more by saying less.

You have a newsletter for your fans. There you always share some very personal thoughts about your songs. Is it important for you to share a lot with people who followed your way as an artists over the last years? 

Following on that at the moment I’m saying a lot less on social media, I don’t want to lose the personal connection that I have with my fans. I’m not blocking myself off from them so my newsletter is the perfect way to talk to them deeply about the music and let them in.

You’re going to play some concerts in Germany this may. Samantha Crain will be your support act. Do you think it’s important to give other female artists a chance to go on tour with you? 

I 100% think it’s crucial to support fellow female musicians, which is exactly why I asked Samantha Crain to support. And not just new musicians, but artists who have been releasing records and touring hard for years.

Regarding the title of your album „No Words Left“ we are a bit afraid to interpret it too literally. We hope it’s not your last album. Are you going on and write new songs in the future? 

I really don’t know what the future holds but my relationship with music will be apart of me till my death. The title really means a few things, open to interpretation. Two interludes on the album are called „No Words Left Pt.1“ and „Pt.2“ so there’s a clue and I’ve also said everything I need to say in this record at this point in time.

You released 4 records in the last 7 years and your music has grown a lot since „Like I Used To“. What advice would you give your 20 year old self as a musician?

God, I really don’t know. I miss the 20 year old me who had confidence and really believed that she could do anything. I had a simpler view on life that sometimes I wish I could get back. Now I’m older, more cynical but less naive. My advice would be don’t be scared to fail. It’s no where near as bad as you think.

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