Bomba Atómica

Es gibt Bands, die klingen auf Platte ganz nett, sind live aber wirklich nicht zu empfehlen. Umgekehrt gibt es extrem gute Livebands, die gleichzeitig aber keine gelungenen CDs veröffentlichen. Das man beides kann, haben Bomba Atómica eindrucksvoll bewiesen. Auf dem Altstadtfest in Otterndorf im August zeigte das Trio, was es Live zu bieten hat. Dabei spielten sie unter anderem Songs von ihrer gelungenen, selbstbetitelten EP.  Zuvor trafen wir Bomba Atómica für unsere NOISIV SESSION am See Achtern Diek in Otterndorf. Einige Zeit später haben wir mit Frontmann Niklas Rohde ein Interview geführt, bei dem dieser es sich nicht nehmen ließ, seinen Antworten ein leises Augenzwinkern beizufügen… ;-)

NOISIV SESSION

Interview

Moin Rohde, erstmal Glückwunsch zu eurer EP und zu einer gelungenen Session! Könntest du dir mit Bomba Atómica auch ein ganzes Unplugged Konzert vorstellen?

N. Rohde: Auf jeden Fall! Ich finde es immer cool, wenn Bands ihre Songs auch in einer Akustik-Version live spielen oder auch so akustische Songs haben. Wir spielen sehr gerne laut, aber auch das Geschrammel auf Akustik Klampfen macht echt Spaß. Gerade diesen Gegensatz finde ich gut, nur weil man als Band normalerweise lauten, dreckigen Rock’n’Roll spielt, heißt das ja nicht, dass man nicht auch mal ein paar ruhigere Klänge anschlagen darf.

Bomba Atómica klingt nach einem Super-Gau. Wie kam es zu diesem Namen?

N. Rohde: Ja, die Sache mit dem Bandnamen… Im Grunde gab es den Namen schon, bevor es die Band überhaupt gab. Als Sören und ich dann angefangen haben Musik zu machen war irgendwie klar, dass wir uns „Bomba Atómica“ nennen. Ich glaube Sören hatte das Wort vorher mal mit einem Kumpel zufällig im Spanischwörterbuch gesehen und der ist dann hängengeblieben. Aber da liegt auch der Vorteil des Namens: Er bleibt doch im Gedächtnis, egal ob die Leute ihn witzig, lächerlich, passend oder unpassend finden. Große Gedanken haben wir uns jedenfalls nicht unbedingt gemacht… Aber der Name gehört jetzt einfach dazu.

Deine Lyrics wirken sehr durchdacht und teilweise sehr nachdenklich. Wie sieht der Prozess des Songwritings bei euch aus? Schreibst du die Songs alleine?

N. Rohde: Für mich geht es beim Songwriting oft um Dinge, die mich oder andere Menschen in meinem Umfeld beschäftigen. Die Texte schreibe ich meistens im Kopf, Zettel und Stift kommen erst viel später. Ich versuche immer die Sachen nicht zu verfälschen. Wenn mir eine Zeile in den Kopf kommt, die für mich irgendwie Sinn macht, nehme ich sie. Sobald du versuchst, diese Zeile irgendwie umzuschreiben, nur damit sie vielleicht für andere irgendwie besser, toller oder bedeutungsvoller klingt, verfälschst du die ursprüngliche Bedeutung, die sie für dich hatte. Aber ja, die Grundrisse der Songs und die Texte kommen von mir, aber im Proberaum basteln wir dann zusammen an den Feinheiten wie Übergänge, Reihenfolge oder Arrangements.

Bei unserer Session haben wir unter anderem den Partyhit If I Already Know aufgenommen. Von diesem hatte ich eine lange Zeit einen richtigen Ohrwurm. Was drückt der Track für dich aus?

N. Rohde: Das Geheimnis bei dem Song ist der Off-Beat im Refrain. Deswegen geht Kraftklub auch so ab, da dreht sich alles um den Off-Beat. Da kann man gar nicht anders, als mitgehen. Aber im Ernst: Der Song macht auch einfach Spaß beim Spielen, weil er recht schnell ist, dann diesen eingängigen Refrain mit dem Off-Beat hat und am Ende nochmal schön draufhaut. Das passt auch thematisch, weil es in dem Song auch ein bisschen um diese Fuck off-Einstellung geht, von wegen sag mir nicht was ich tun und lassen soll, ich mach was ich will. Ab und zu muss man auch mal Rebell sein.

Ihr drei wohnt in unterschiedlichen Städten, sogar in drei verschiedenen Bundesländern. Wie und wo laufen die Proben bei euch ab?

N. Rohde: Naja, dazu sollte man sagen, dass das auch erst seit knapp einem Jahr so ist. Vorher haben wir ja schon vier Jahre zusammen in Cuxhaven geprobt und alle da gewohnt. Durch das Studium etc. sind wir dann alle in unterschiedlichen Städten gelandet und da war Hannover die zentralste und sinnvollste Lösung. Wir haben da jetzt einen Proberaum und treffen uns so oft es geht. Da das nicht immer ganz so einfach ist, nehmen wir uns aber immer vor, auch länger am Stück oder zwei Tage hintereinander zu proben.

Ich habe euch Anfang August beim Altstadtfest in Otterndorf gesehen. Das Publikum hat euch extrem gefeiert. Ich finde die Unterstützung durch eure Fans, wie dem Bomba Bomba Gesang, sehr erstaunlich. Was sind deiner Meinung nach die Gründe für eure verschworene Fangemeinschaft?

N. Rohde: Man muss bedenken, dass ein Großteil unserer Freunde und Familie aus Otterndorf und Umgebung kommt und das Altstadtfest ist die Veranstaltung im Jahr, wo wirklich alle zur selben Zeit mal wieder in der Heimat sind, um heftig zu feiern. Da passt die Stimmung natürlich auch auf unserem Konzert. Das ist leider nicht immer und überall so, wir haben auch schon nur für die anderen Bands, den Soundmann und das Barpersonal gespielt. Aber es ist natürlich schon extrem geil, wenn da manche Leute einfach total ausrasten, ihre Shirts ausziehen und damit rumwedeln, aber gleichzeitig noch nicht zu besoffen sind, um noch deine Texte mitsingen zu können. Wir haben einfach richtig coole Freunde. Danke dafür! Also wenn du nach den Gründen fragst: Alkohol, unglaubliche Kollegialität und natürlich ein guter Musikgeschmack.

Die EP war für euch ein weiterer Meilenstein in eurer jungen Bandkarriere. Was sind eure Pläne für die Zukunft? Gibt es demnächst eine weitere Tour?

N. Rohde: Wir wollen auf jeden Fall so viel es geht live spielen und es endlich packen, auch mal eine längere Tour an einem Stück zu spielen. Meine persönliche Wunschvorstellung wäre es, mit der Musik rumzukommen. Reich wird man als Musiker nicht und wir wollen auch nicht die nächsten Rolling Stones sein. Aber es wäre richtig cool, an vielen schönen Orten in Deutschland und darüber hinaus zu spielen, viele Leute kennenzulernen und Spaß an der Musik und dem Drumherum zu haben. Vielleicht nehmen wir demnächst auch mal wieder ein paar neue Songs auf. Wir haben auf jeden Fall Bock das Ganze noch etwas entschlossener voranzutreiben.

Danke für das Interview!