North Alone

Bildquelle: Facebook Foto: Sabine Schiermer / Bee Muziko

Seit 2012 beschäftigt sich Manuel Sieg mit seinem Projekt „North Alone“, welches er zunächst lediglich mit So-Kumneth Sim an der Violine führte. Für das Album „Cure & Disease“ stellte er jedoch eine komplette Band zusammen, um seine Vorstellungen realisieren zu können. Und, oh boy, ist das gelungen.

North Alone - Cure and Disease

Folk hat besonders in den letzten Jahren wieder einen starken Aufschwung erleben dürfen. Mit einer gewissen Vorsicht und etwas reserviert habe ich also angefangen, das Album mit meinen Ohren zu sezieren und siehe da: Der erste Song weckt Dich schon auf; ohne großes Vorspiel geht es mit dem titelgebenden Song „Cure & Disease“ direkt ans Eingemachte. Besonders das Violinenspiel hat es mir angetan. Dieses ist mehr als nur nettes Beiwerk, sondern trägt Melodien stattdessen, treibt die Songs nach vorne und vermittelt ein federleichtes Gefühl, statt schwer und pessimistisch vor sich hin zu heulen – das gefällt!

Sieg singt in diesem Song „Whiskey burns down my throat“ und das ist genau das, was mir durch den Kopf ging, als seine Stimme erstmals im Song aufkam. Dreckig, geschädigt, rau, „fucked up“ – aber authentisch und es passt so gut zu diesem Mix aus Folk und punkrockigen Einschlägen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Whiskey-Buddeln und Kippenschachteln er sich am Tag reinpfeift, um so zu klingen, aber ich weiß: Es macht „Klick“ bei mir.

Nachdem der Opener sowie das darauffolgende Stück „The Last Inch“ straight nach vorne gehen, nimmt sich die Band mit „Black Water“ sehr zurück. Die Atmosphäre verdunkelt sich, es heißt „I drink to forget but memory remains“ und irgendwie schafft es dieser Song, mich tief innen drin zu treffen. Hier singt ein getroffener Mann, aber keiner, der sich selbst einfach nur bemitleidet. Bildnisse von vorüberziehenden Landschaften, während man selbst nachtsüber im Zug gen nirgendwo sitzt, machen sich im Kopf breit.

„Black Water“ bleibt hierbei aber die Ausnahme auf „Cure & Disease“. Das heißt aber lange nicht, dass die restlichen acht Songs nach und nach zum Einheitsbrei verkommen, denn das ist definitiv nicht der Fall. Die Band weiß immer wieder zu variieren und verschiedene Gefühle über die Instrumentalisierung und Komposition zu vermitteln. Die Songs wissen den Hörer interessiert zu halten an dem, was besungen wird und an der Gefühlswelt, die North Alone vermitteln möchten.

„Greetings From Someone Else“ vermittelt ein unheimlich verträumtes und warmes Lebensgefühl. „Old Dog Barking“ ist extrem tanzbar und sehr rhythmisch aufgebaut – ein Song für die Tanzbar mit viel Bier, Kippen und und knapp über drei Minuten purem Feiern. Besonders sagt mir jedoch „Some Other Day“. „I’ll be back on some other day“. North Alone ist gekommen, um zu bleiben – so viel steht fest. Der letzte Song des Albums „The Road Most Traveled“ ist dann ein würdiger Abschluss von „Cure & Disease“, von dem man sich direkt angesprochen fühlt, sodass man gebannt dem zuhört, was Sänger Sieg zu sagen hat und das A-Capella-Ende ist einfach großartig.

Ist „Cure & Disease“ ein besonders innovatives Album? Mitnichten. Ist es aber originell, eingängig, mitreißend und abwechslungsreich? Das auf jeden Fall! Sieg singt authentisch, wirkt ehrlich und die Kompositionen der einzelnen Songs lassen für mich keine Wünsche offen. Das Album macht Spaß, lädt zum Zuhören und Nachdenken ein und fesselte mich vom Anfang bis ganz zum Ende hin.