Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Falls ihr es noch nicht wusstet: Zwischen Hamburg und Bremen findet nicht nur das Hurricane Festival statt. Beispielsweise wäre da das Heimat Festival – oder eben auch das Oakfield Festival. Letzteres fand Anfang August bei Elsdorf statt und bot ein mehr als vielversprechendes Programm in, mit ca. 2.000 Besuchern, angenehmer Größe.

Erstmals fand die Veranstaltung über zwei Tage hinweg statt. Am Freitag und Samstag spielten insgesamt 16 Acts und zwei DJs auf zwei Bühnen. Unter anderem heizten Turbostaat, Messer, die Leoniden und Samiam den Besuchern ordentlich ein. Aber alles der Reihe nach.

Freitag: Die Stimmung in den Sternen

Bei bestem Wetter startete das Oakfield am ersten Festival-Tag mit Anne.Fuer.Sich, Pure Tonic und Von Eden. Erstere, aus Bremen stammende Gruppe, spielte recht annehmbaren Indie-Rock. Sicherlich keine Neuerfindung des Rades, aber ein guter Start ins Wochenende, um die Bewegungstemperaturen der Crowd etwas anzuheizen. Letztere wiederum bewegen sich irgendwo zwischen Pop und Folk, sind musikalisch aber vor allem weitgehend unspannend. Kann man sich mal anschauen und tut keinem großartig weh – das war es dann aber auch.

Direkt danach wurde es aber wirklich explosiv, denn die Leoniden übernahmen die Hauptbühne und da ging es direkt vom ersten Song an richtig ab. Klar, ich wusste, was da auf mich zukommt – schließlich habe ich das Quintett in der Vergangenheit mehrere Male live erlebt; nichtsdestoweniger war es zusammen mit ihrem Konzert im Hamburger Molotow der beste Auftritt, den ich bisher von ihnen gesehen habe! Die Party, die sie veranstaltet haben, suchte einfach ihresgleichen!

Anschließend gab es ein Novum zu begutachten: Mit Samiam spielte nun eine Band, die Emocore pionierten. Dementsprechend freute sich wohl fast jeder gerade auf die US-Gruppe. Dementsprechend erreichte die Stimmung vor der Bühne nochmal einen weiteren Höhepunkt, der auch auf die Band überschwappte, die sehr kräftig und spielfreudig auftrat.

Den Abschluss des Abends übernahmen dann Rantanplan, deren Auftritt ich allerdings weitgehend ignorierte. Zu tief saß die gleichzeitige Enttäuschung über die Absage von Captain PlanET aufgrund eines Armbruchs und die Ankündigung der Hamburger Ska-Punks als Ersatz. Immerhin spielte Benedikt Ruess danach im Revolver-Club-Rahmen ein cooles DJ-Set als Aftershow-Party.

Samstag: Avantgarde fürs Herz

In den zweiten und finalen Oakfield-Tag starteten Mighty Day Times mit richtig gutem Indie-Rock. Die Hamburger gewannen einen der beiden Bandcontests, durch den sie Teil des Line-ups wurden und bewiesen, dass das nicht von ungefähr kam!

Während auch der Samstag zunächst weitgehend sonnig und zwischendurch bloß mit kurzem Regen begann, sollte sich das nun ändern. Innerhalb kürzester Zeit verdunkelte sich der Himmel zusehends, bis der Platzregen einsetzte. Der dauerte lediglich ungefähr eine Stunde, was wiederum allerdings ausreichte, um aus dem Gelände einen Matschplatz zu machen. Die Bremer Combo Stun, die einige verdammt coole Instrumental-Parts drauf hatte, musste während des Regens vor kleiner Crowd spielen.

Angesprochener Regen hörte dann rechtzeitig zum nun folgenden Stakkato auf: Der Post-Hardcore von Kolari weckte praktisch alle auf und Lygo sorgten mit einem ebenso starken Set dafür, dass an Ruhe kein Gedanke zu verschwenden war. Zwei Mal Lärm, zwei bärenstarke Sets, zwei Mal viel Leidenschaft. Dabei sollte es dann aber nicht bleiben: Abramowicz habe ich in den letzten Wochen wohl so oft gesehen, wie kaum eine andere Band und jedes Mal überzeugten sie mit ihrem ehrlichen und schnörkellosen Punkrock – so war es dann auch dieses Mal. Die Jungs zu sehen macht eben einfach Spaß und sie wissen, wie sie ihre Crowds an den Eiern zu packen haben.

Zwischen den Bands auf der Hauptbühne gab es an diesem Tag auf der Nebenbühne ebenfalls Live-Musik zu hören: Zunächst spielte Joe Astray wunderbaren Folk-Punk in intimer Atmosphäre, anschließend übernahm Rocky Votolato mit seiner Indie- und Folk-beeinflussten Singer-Songwriter-Musik, mit der er ebenfalls begeistern konnte. Beide spielten jeweils zwei kurze Sets, was zunächst ungewöhnlich anmutete, am Ende aber doch gut funktionierte.

Nun kam ein Post-Punk-Blog: A Projection aus Stockholm lehnen sich mit ihrem Sound an den kalten 80ern an, dazu hat Sänger Rikard Tengvall Falco-eske Tanzmanöver auf Lager, die irgendwie ganz wunderbar in dieses Avantgarde-artige passen. Auf die Spitze trieben dies dann Messer. Ihr Live-Sound ist der wohl Druckvollste, den man aktuell hören kann. Ob offener Mund oder tanzend – das ging an niemandem spurlos vorbei. Dazu die klugen und experimentellen Song-Strukturen mit der einzigartigen Stimme von Hendrik Otremba und fertig war mein persönliches Highlight des gesamten Festivals. Auf keine andere Band freute ich mich so sehr, wie auf eben jene Messer und ich wurde nicht enttäuscht.

Was also sollte nun noch folgen? Die einzig richtige Antwort: Turbostaat! Ein herzerwärmendes Set, bei dem man die Einigkeit zwischen Crowd und Band zum x-ten Mal beeindruckt miterleben konnte – das enttäuscht niemals und so auch nicht beim Oakfield Festival. Eigentlich standen sie bereits 2016 auf dem Oakfield-Plakat, um dann kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen zu müssen. Dieses Jahr haben sie den Auftritt dann also endlich nachholen können und für einen wundervollen Abschluss des diesjährigen Festivals gesorgt. „Sollen sie uns doch verklagen“, sagten sie vor der Zugabe – als ob sich jemand auch nur ansatzweise trauen würde, den Staat nach diesem Konzert auf irgendeine Art und Weise ans Bein zu pinkeln!

Ein Festival für die alternative Geschmackspolizei

Eines haben die Oakfield-Macher definitiv bewiesen: Geschmack haben sie! Die Konzentration an hochklassigen Bands war über dieses Wochenende hinweg unheimlich hoch. Das zeigte sich insbesondere auch an den Nachbuchungen, denn Abramowicz, Messer und Lygo (ebenso wie Rantanplan) sind allesamt Gruppen, die für vorherige Bookings nach deren Absagen einsprangen.

Ein tolles Line-up in entspannter Atmosphäre und im nicht zu großen Rahmen: Das quittierten die Besucher mit toller, entspannter Stimmung. Ein Festival zum Wohlfühlen, bei dem man nicht automatisch wegen der hohen Besucherdichte völlig verrückt wird. Hier wird gezeigt, dass es auch anders geht. Es sind Festivals, wie das Wutzrock und eben dieses, die den eigentlichen Festival-Spirit am Leben erhalten.

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