Age_of_Swans_EP_Cover_final_2000

Es gibt die ein oder andere Band, die schafft es sich von den ersten Tönen an in mein Herz zu katapultieren. Das aktuellste Beispiel hierfür wäre Oakhands. Hinter diesem Namen verstecken sich fünf Jungs aus München, die sich mit einer Menge Kreativität durch das Post-Hardcore-Genre mogeln. Diverse Einflüsse unter anderem aus Indie oder Emo lassen sich finden und damit wird ein Sound geschaffen, den wenige Bands aus Deutschland kreieren können.

Die besagten Jungs haben am 29. Juli ihre erste EP „Age of Swans“ veröffentlicht und damit – ganz optimistisch gesehen – den Grundstein einer großen Karriere gelegt. Bei jenem handelt es sich um ein klares Konzept, welches in fünf Songs seine volle Schönheit verbreitet. Aber eigentlich kann man gar nicht sagen, dass es sich um fünf Songs handelt. Nein, eher ist es einer, der sich in verschiedene Kapitel einteilt.

Das eben erwähnte Konzept befasst sich mit der Dualität zweier Gegensätze. Dabei wird die Perspektive erweitert, wodurch fließende Übergänge zwischen den eigentlichen Gegensätzen aufgezeigt werden. Zudem soll klargestellt werden, dass die Gegenpole keineswegs absolut sind, sondern von jedem Menschen anders betrachtet werden. Wie die Frage, was als schön empfunden wird und was eben nicht. So viel zur Theorie, nun geht es ans Praktische!

Mit „Flower of Stone“ hat die Band einen ganz starken Anfang gewählt. Hier wird nicht lange rumgeplämpert, sondern direkt losgelegt. Der Song hat definitiv seine Höhen und Tiefen in Form von Tempowechseln sowie Clean-Vocals und Screaming. Die Stimme des Sängers Niklas hat eine ganz besondere Note, egal in welcher Art er singt. Sie kann sowohl sehr beruhigend wirken, als auch aufbrausend und wirr.

Weiter geht die Reise mit einem ruhigen Übergang zu „Dakhma“. Eine schöne Sound-Landschaft bringt nach dem aufbrausenden Ende des ersten Stückes wieder etwas Ruhe in die Platte. Als man jedoch annimmt, der Song sei beendet, erklingt raues Screaming durch die Boxen und dazu ertönt ein ebenso raues Gitarrenriff. Nach einigen Sekunden ist das Spiel aber auch schon wieder vorbei, die erwähnte ruhige Sound-Landschaft kommt zurück und leitet direkt über zu meinem Favoriten der EP.

Dieser trägt den Namen „I Swear to God I’ve Tried“. Warum ich ausgerechnet diesen Song als mein Highlight auserwähle? Ganz klar: Er hat einfach alles und man weiß nie, was als nächstes kommt. Ein Song mit Ecken und Kanten. Zudem lyrisch ein wahres Meisterwerk. Ein sehr aufbrausender Song, in dem sich Wut und Trauer wiederspiegeln.

All that I know is that your breath
when you are speaking creates hurricanes in my head
So i’ve been digging a tunnel and I tried to reach the sunlight
Tried to find a way to make my wiry head untied
Tried to find a way to get these two parts one mind!

I Swear To God I’ve Tried –  Oakhands

Nach dem instrumentalen Stück kommt auch leider schon der letzte Song der EP namens „Soar“, der einen wunderschönen Abschluss bildet. Hier wird es zu Beginn noch mal richtig laut und der markante klare Gesang aus dem ersten Kapitel kommt wieder. So wird ein schöner Kreis innerhalb der EP gebildet. Somit endet sie, wie sie auch schon begonnen hat. Der Kreis schließt sich.

Aufgearbeitet haben die Jungs „Age Of Swans“ noch mit einem 15-minütigem Video, welches das Konzept der EP visualisiert. Durch zwei Capoeira-Tänzer und einen, in Gold gehüllten, Menschen wird die Transformation vom Leben zum Tod bis zum Leben nach dem Tod kunstvoll dargestellt. Leider bin ich, was Interpretation angeht, eine absolute Niete, weswegen ich es jetzt einfach mal lasse die einzelnen Teile des Videos zu analysieren. Es ist trotzdem spannend anzugucken und mit ein wenig Konzentration habe sogar ich den Sinn verstanden.

An Liebe auf den ersten Blick glaube ich zwar nicht, aber Liebe auf den ersten Ton ist definitiv möglich. Das haben Oakhands mit ihrer wundervollen EP bewiesen. Hier steckt viel Liebe, Hirn und vor allem eine Portion Talent hinter, die „Age Of Swans“ zu einem meiner EP-Highlights des bisherigen Jahres machen. Das einzige Manko ist schlicht und ergreifend, dass man nach 15 Minuten auf Replay drücken muss. Meine Ohren und mein Herz schreien nach mehr. Erstes Album 2017 bitte!

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