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Bildquelle: Facebook

Es gibt Bands, die haben bei mir einen Stein im Brett. Zum Beispiel die sympathischen Jungs von OK KID. Wer im Oktober 2015 einen Song wie „Gute Menschen“ veröffentlicht, einen Song, den wohl die wenigsten auf Anhieb verstehen, kann nicht mehr viel falsch machen.

Nun erscheint das zweite Album mit dem wenig kreativen Titel „Zwei“. Komisch, denn das Album stellt sich alles andere als unkreativ dar. Alleine die zweite Single „Bombay calling“ hatte schon alle Register gezogen und zeigte, was uns auf den restlichen elf Songs noch erwarten sollte; nämlich Top-Produktionen zwischen Zeitgeist und Radiotauglichkeit, sowie ausgefuchste Lyrics.

Es werden Metaphern aneinandergereiht, wie Songs auf der letzten Bravo Hits und mit allerlei Doppeldeutigkeiten gespielt. Eröffnet wird das Album von „Blüte dieser Zeit“, einer Aufarbeitung des eignen Werdegangs. Einerseits Hymne für diese ominöse Generation Y; andererseits Stimmungsmache in eigener Sache.

Gießen Öl in das Feuer, streuen auf, atmen ein,
Ziehn die Sache durch, bis nichts mehr übrig bleibt.
Und sie brennt immer noch, schau sie brennt immer noch!
Sie brennt immer noch, die Blüte dieser zeit.

OK KID – Blüte dieser Zeit

Nächstes Highlight: „Es ist wieder Februar“. Schade, dass das Album erst jetzt, im April, erscheint. In drei Strophen wird das Verhältnis zu diesem Monat zerlegt, bearbeitet und rekonstruiert. Das klingt an sich erst einmal banal, doch wie Sänger Jonas es schafft, kleinste Details zum Leben zu erwecken, ist einfach grandioses Songwriting.

Es ist wieder Februar, ich hab gewusst, dass es stimmt,
bin endlich wieder da wo es beginnt.
Auch wenn dich hier fast niemand vermisst,
was wär‘ das Jahr bloß ohne dich?

OK KID – Es ist wieder Februar

Genau da liegt auch der Hund begraben. Das Album lebt nicht von den Sangeskünsten oder den hochinnovativen Produktion. Das Ganze besticht viel mehr durch den Detailreichtum und die Instrumentals, die einfach auf den Punkt produziert wurden. Der einzige Grund, warum das Album nicht glatt klingt, ist die Perfektion, mit der alle Beteiligten hier ans Werk gehen.

Nach einem Feature von Megaloh und dem dritten Teil der „Kaffee Warm“ Serie, reißen uns OK KID nochmal „Raus aus dem ewigen Schlaf“. Ich weiß nicht ganz genau, worum es in dem Song geht. Spirituallität? Drogenkonsum? Macht nix, denn die Bilder, die gezeichnet werden, sind einfach zu schön.

Mit „Zwei“ ist OK KID ein tolles Album gelungen, das man öfter grübelnd in der Bahn hört, als tanzend im Club. Ab und zu ein wenig sperrig und ungemütlich, aber immer fesselnd. Wer sich darauf einlässt, hört das Album mit Sicherheit länger als diesen Frühling. Vielleicht sogar bis zum nächsten Februar.

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