Olgas-Rock 2015 Header

Letztes Wochenende ging es für mich nach Oberhausen, denn abermals rief das Olgas-Rock am Freitag und Samstag. Den ersten Tag verpasste ich arbeitsbedingt, allerdings hielt mich das natürlich nicht davon ab, mich am Samstag auf den Weg zum Olga-Park zu machen. „Umsonst” und „Draußen” sind schließlich zwei Stichworte, bei denen man sich ein Festival ums Eck nicht komplett entgehen lassen will. Zudem verspricht das Konzept einiges: Zwei Bühnen, die abwechseln bespielt werden, sodass es zwischen den Bands jeweils eine maximal zehnminütige Pause gab. Dieses Prinzip erinnert mich persönlich an das Deichbrand, meinem Heimat-Festival und es gefällt – auch in Oberhausen.

Ein feines Line-Up

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Ich kam just gerade rechtzeitig an, um mir Go Go Berlin auf der Hauptbühne anzuschauen. Optisch könnten die fünf Dänen glatt den 70s entstammen und der Sound der Band steht diesem in nichts nach. Guter alter Garage-Rock, gemischt mit Indie-Rock-Elementen ergaben flotte und dreckige Musik, die einen in Schwung bringen. Fünf Minuten später legten ATOA auf der kleinen Bühne los. Druckvoll war es, eine Mixtur aus Hardcore mit Alternative- und Punk-Einflüssen, dazu sehr gute, intelligente Texte. Mit seinen Äußerungen zwischen den Songs verteilte Sänger Torsten zudem eine hervorragende Grundstimmung unter den abgehenden Zuschauern, denn Atoa sei „eine Band der Liebe”, wie er zu verstehen gab.

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Nach zwei guten Acts war ich also ordentlich eingeheizt. Eine abermalige Bierpause konnte mich aber nur bedingt abkühlen, denn auf der Hauptbühne legten Adam Angst fast sofort nach Atoas Set-Ende los. Bereits zwei Mal hatte ich die Gelegenheit, die Band um Sänger Felix Schönfuss live zu erleben – jeweils beim diesjährigen Pfingst Open Air in Essen und beim Deichbrand in Cuxhaven. Als sie dann wieder mit „Jesus Christus” loslegten, war es um mich geschehen. 40 Minuten lang schrie ich mir hysterisch begeistert jede Textzeile aus der Seele. Adam Angst kann man so oft live sehen, wie man will – man kennt irgendwann die Mixtur, langweilig wird es aber nie. Wie auch beim Deichbrand ging Felix am Ende von „Splitter von Granaten” geradewegs in die Menge, in der er sich pudelwohl fühlte und wieder einmal war es ein besonderes Erlebnis für mich.

Auch danach hatte ich keine Zeit, um mir das beschauliche Festival-Gelände mal etwas genauer anzugucken, denn The Smith Street Band wollen gesehen werden. Folk-Punk spielt die Formation und sehr guten noch dazu. Man sah ihnen regelrecht die Freude am Spielen an und das übertrug sich vom ersten Song an auf die Menge. Der Enthusiasmus und die Freude, die sie beim Spielen versprühen, ist definitiv bemerkenswert. Diese Band steht seit dem Olgas-Rock definitiv auf meiner Must-Listen-Liste!

Ein entspanntes Festival

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Musikalisch war danach für mich persönlich Schluss, denn die fünf darauffolgenden Bands interessierten mich inklusive den Emil Bulls als Headliner herzlich wenig. Ich hatte also endlich die Möglichkeit, die Festival-Atmosphäre in mich aufzusaugen. Das Olgas-Rock ist ein hervorragendes Beispiel dafür, warum viele Leute inzwischen eher zu kleineren Festivals tendieren, als den Big-Players des Business. Eine sehr entspannte Atmosphäre traf auf ebenso gut gelaunte Festivalbesucher von jung bis alt (wobei die jüngere Generation aufgrund des kostenfreien Eintritts definitiv überwog) und das insgesamt recht gute Wetter trug seinen Teil dazu sicherlich bei.

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Zudem stimmten auch das Angebot rund um die Live-Musik. Festival- und Band-Merch sowie Stände von Kein Bock auf Nazis und Home Is Where Your Heart Is boten Gelegenheit zum entspannten, abwechslungsreichen Schlendern und bewusstem Klamottenkauf. Dazu passte das Essen qualitativ durchaus, wenngleich die Preise typisches Festival-Niveau erreichten. Beschweren kann ich mich aber dennoch nicht, denn schließlich ist der Eintritt frei und das Line-Up gut; mir fehlt da schlichtweg die Argumentationsstruktur gegen leicht teures Essen und so biss ich wohlwollend in meinen Goatburger mit Ziegenkäse und Bacon für 6,50 Euro.

Insgesamt ist es durchaus ziemlich beeindruckend, dass es möglich ist, solche Festivals auf die Beine zu stellen, ohne Eintrittsgelder von den Besuchern zu fordern. Bereits beim Pfingst Open Air gefiel mir das, was man rausholte insgesamt sehr gut, doch das Olgas-Rock setzte dem Ganzen nochmal einen drauf. Ich fühlte mich gut aufgehoben und direkt heimisch – die überschaubare Größe machte da einiges aus. Wenn es im nächsten Jahr wieder stattfindet, wäre ich auf jeden Fall sehr gerne wieder dabei und euch kann ich empfehlen, dies ebenfalls zu tun, wenn ihr denn dieses Jahr nicht vor Ort wart.

#Goatburger mit Ziegenkäse und Bacon. <3 #OlgasRock #OlgasRock2015 #instafood #foodporn #Festival

Ein von Charles Engelken (@charlesengelken) gepostetes Foto am

Aber…

„Wenn” ist allerdings ein gutes Stichwort, denn auch ein kostenloses Festival will schließlich finanziert werden. Hier gab es in den letzten Jahren stets entsprechend hohe Zuschüsse der Stadt Oberhausen. Diese fielen in diesem Jahr allerdings erheblich geringer aus, da die Stadt schlichtweg hoch verschuldet ist, weswegen man die Besucher zum Spenden aufrief, was ich ob der gebotenen Qualität mehr als gerne getan habe. Ich bin mir allerdings ziemlich unsicher darüber, ob andere Besucher das im Großen und Ganzen ebenfalls so handhabten.

Ich kann und will natürlich niemandem vorschreiben, wie er/sie mit dem eigenen Geld umgehen soll, allerdings sei von meiner Seite gesagt: Wenn die Olgas-Rock-Organisatoren in finanziellen Schwierigkeiten landen und daher im Verlaufe der Organisation des nächsten Jahres hin nochmals um Spenden bitten – spendet! Festivals dieser Art verdienen es, zu existieren und fehlende finanzielle Mittel sollen kein Grund dafür sein, dass es sie in Zukunft früher oder später nicht mehr gibt – das Olgas-Rock hat es mehr als verdient.

The day after. Danke liebes @olgasrock für ein schönes und entspanntes Festival! <3 #OlgasRock #OlgasRock2015 #Festival

Ein von Charles Engelken (@charlesengelken) gepostetes Foto am

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