Fotos: Kaja Abels, noisiv.de

Vor wenigen Tagen hatten wir die große Freude Papa Roach live auf der Bühne zu erleben. Für viele stand die Band wohl zu Beginn des musikalischen Werdegangs ganz weit oben und auch bis heute haben sie ihren Klassiker-Status mehr als verdient behalten. Der Sound ist heute wesentlich moderner, aber bedient sich trotzdem noch an den alten Nu-Metal-Spielweisen. Somit schaffen sie es bis heuten immer wieder Alben zu produzieren, die niemals gleich klingen und sich von der Masse abheben.

Was mich jedoch eigentlich am meisten an dieser Tour reizte, war das abwechslungsreiche Line-Up. Mit Callejon hatten sie eine deutsche Metalcore Band im Gepäck, welche in der Szene durchaus kein neuer Name ist. Seit Jahren sind die Jungs aus Düsseldorf immer wieder in aller Munde und ihre letzten drei Alben erreichten allesamt die Top 10 der deutschen Albencharts. Mit ihrem neuen Album Fandigo trauten sie sich weg vom klassischen Metalcore und begaben sich in etwas ruhigere Gewässer. Dies konnte nicht jeder verkraften, aber dennoch lässt sich auch dieses Album gut hören. Umso gespannter war ich, wie die neuen Töne live funktionieren würden und wie der Sound angenommen wird.

Als dritte Band im Bunde sollte sich Frank Carter & The Rattlesnakes in das Line-Up einfügen. Eine sehr vielversprechende Band, welche mit einem etwas eigenartigen Rock die unterschiedlichsten Geschmäcker anspricht. Ich persönlich hatte mich fast am meisten auf die Kombo aus dem Vereingten Königreich gefreut, da ich diese noch nie live erleben durfte. Doch leider sagte die Gruppe ihre Tour-Teilnahme nur einen Tag vor dem Hamburg Konzert, aufgrund psychischer Probleme des Sängers Frank Carter ab. Als Ersatz wurden kurzerhand De Staat aus den Niederlanden verpflichtet.

De Staat trat somit also als erste Band auf die Bühne und sollte das Publikum auf Betriebstemperatur bringen. Allerdings hatten sie damit eine sehr schwere Aufgabe übernommen. Wie ich von vielen Seiten bestätigt bekommen habe, war das Publikum eher in Stimmung für den rotzigen Punk von Frank Carter als für den durchdachten Indie-Rock von De Staat. Somit konnten sie leider als Einstieg nicht wirklich überzeugen, was ihnen aber aufgrund er Spontanität wohl zu verzeihen ist. Umso mehr Bock hatte die Menge in der Sporthalle dafür bei der zweiten Vorband Callejon.

Entgegen meiner Erwartungen spielten die Jungs wenig Songs von ihrem neuen Album, welches am 28. Juli diesen Jahres die Ohren der Fans überraschte. Mit „Utopia“ und „Noch einmal“ verirrten sich zwei sehr starke Lieder von „Fandigo“ in die Setlist. Beide sind geprägt von starken Refrains und haben einen absoluten Ohrwurm-Charakter. Ansonsten brachten sie einige Kracher aus den letzten Alben wie „Polar“, „Dunkelherz“ und „Dieses Lied macht betroffen“.

Callejon wissen wie sich live zu präsentieren haben. Frontmann BastiBasti bildet das Gesicht der Band und zeigt sich auf der Bühne immer wieder als ein charismatischer Sänger, der allein anhand seiner verdrehten Bewegungen immer wieder zuerkennen ist. Die Düsseldorfer können sich jedoch nicht nur richtig gut auf der Bühne sehen lassen, sondern sind auch für die Ohren immer wieder eine wahre Freude. Meiner Meinung nach sind sie eine der besten Live Bands, die der deutsche Metalcore-Bereich vorweisen kann. Von daher kann ich sie mir auch gerne immer wieder anhören!

Und dann ging es endlich über zu dem Hauptact des Abends – Papa Roach! Bereits seit Anfang der 2000er steht dieser Name für eingängige Rockmusik und spannende Alben. Ich persönlich muss mich als langjährigen Fan der Band outen, denn ich kann wirklich jedem Album etwas abgewinnen. Die Musik ist einfach gestrickt und setzt sich nun mal schnell in den Kopf. Somit bilden die alten und neuen Songs der Band immer wieder angenehme Abwechslung zu dem sonst etwas härteren Musikprogramm.

Der Grund für die Amerikaner zu uns zu kommen, ist das am 19. Mai veröffentlichte Album „Crooked Teeth“. Jedoch wurde die Tour nicht dazu genutzt nur das neue Album zu präsentieren. Zwar spielten sie ausgewählte neue Songs, darunter die Ballade „Periscope“ und das raplastige „Traumatic“, aber auch ältere Nummern kamen definitiv nicht zu kurz. Besonders Lieder aus dem im Jahr 2000 erschienenen „Infest“ fanden ausreichend Aufmerksamkeit auf dieser Tour. Man könnte nun erwarten, dass dies totgespielte Stücke sind, aber sie werden auf weiterhin von der Menge gefeiert, als wären sie gestern erst veröffentlicht wurden.

Und auch die neuen Stücke wurden von dem textsicheren Publikum sehr gut aufgenommen. Eines der Höhepunkte der Show bildete der Herzschmerz-Klassiker „Scars“. Ich würde behaupten jeder in der gut gefüllten Sporthalle sang die einzelnen Worte leidenschaftlich mit und die ein oder andere Träne wurde wohl vergossen. Bei „Forever“ ließen Papa Roach außerdem den Linkin Park Song „In The End“, als Erinnerung an Chester Bennington, der sich vor Kurzem das Leben nahm.

Rundum hatte der Konzertabend alles was er haben musste. Während Callejon die Lautstärkeregler ausreizten, setzten Papa Roach auch gerne mal auf die Melanchonieschiene. Für uns war es schlussendlich doch wirklich trazrig, dass wir auf Frank Carter & The Rattlesnakes verzichten mussten, welche den Konzertabend wohl perfekt gemacht hätten. Aber dafür kann man sich nach Genesung umsomehr auf eine Tour der Jungs freuen!

Fotogalerie: Papa Roach

Fotogalerie: Callejon

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