Parcels by Charles Engelken, noisiv.de

Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Erst das Hurricane Festival, später dann das Reeperbahn Festival hier in Hamburg und dann war klar: sie müssen wiederkommen. Parcels gehören zu jenen Bands, die auftauchen, von Kritikern und Blogs gefeiert werden und dann schon wie aus Geisterhand über Spotify eine riesige Fanbase akquirieren. Dabei weiß kaum einer wirklich was über Parcels. Im Vordergrund steht die Musik, nicht das Marketing – und alleine dafür möchte ich schon mein Glas heben.

Ausgewandert aus Australien haben sie in Berlin ihre Wahlheimat gefunden. Jedoch war Paris die Stadt, in der ihre Musik erste Wellen schlug und überhaupt die Bühne bot, von niemand geringeren als den Herren von Daft Punk entdeckt zu werden. Der Vertrag beim französischen Label Kitsuné war bereits unterschrieben und der Megasingle „Overnight“ stand nichts mehr im Wege.

Gute anderthalb Jahre sind seither vergangen und letzte Woche standen die Parcels dann endlich auf der Bühne der Großen Freiheit 36. Im Vorprogramm musste man etwas genauer hinhören um zu erfahren, dass es sich bei dem Act um Hush Moss handelte, einem ebenfalls in Berlin angesiedelten Musikkollektiv. Die legten gut vor und brachten zumindest die ersten Reihen gut zum toben und überraschten mit spannenden Instrumentalsolis in ihrem Set.

Nach einigen Soul-Liedern vergangener Zeiten wurde die Pause zwischen den Bands mit einer epischen Aufmachung für Parcels beendet. Ohne großes Gerede begannen sie ihr Set mit „Comedown“ und spielten anschließend mit „Lightenup“ einen ihrer ersten Hits des Abends, wenn man es so nennen kann. Denn groß unterscheiden sich die Songs der Band nicht. Was aber eben so fesselnd ist, ist ihr Sound. Die Drums sind al dente, die Leadgitarre plucked und knackt in den Ohren live genau so wie sie es auf der Platte tut. Dazu der polyfone Gesang mit den Kopfstimmen von Jules Crommelin, Loui Swain und Patrick Hetherington. Die Marke Parcels steht und bringt das Publikum in der Großen Freiheit 36 dazu die Arme zu heben und sich zu der Musik gehen zu lassen. So stellt man sich eine ausverkaufte Disco in den 70er Jahren vor.

Weitere Highlights im Set waren natürlich „Tieduprightnow“ oder auch „Overnight“, den absoluten Höhepunkt aber gab es mit dem Ende der Show zu sehen. Der letzte Song war gespielt, das Licht ging an und der Applaus hallte und wollte nicht aufhören. Acapella schloss sich das Publikum zusammen und sang die Intromelodie von „Tieduprightnow“. Es folgte weiterer Applaus und spätestens an dieser Stelle wäre die Band für eine inszenierte und vorgeplante Zugabe auf die Bühne gekommen. Die ersten 100 Gäste hatten vermutlich schon die Location verlassen, als die Parcels von Jubelschreien untermalt nochmal auf die Bühne kamen um sich in Hamburg wie Rockstars zu verabschieden.

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