Foto: Pola Sobun

Loslassen und einen neuen musikalischen Anfang wagen, kann Gefahren bergen, man kann an dieser Aufgabe aber auch wachsen. Der polnische Musiker und Produzent Tobiasz Biliński ließ sein dunkles und gebrochenes Elektropop-Projekt Coldair hinter sich, um in die Sonne hinauszutreten. Als Perfect Son kehrt er laut und intensiv zurück und debütiert nun beim traditionsreichen Label Sub Pop.

Nach seinem viel gelobten Zweitlingswerk „The Provider“ von 2016 merkte Biliński, dass es Zeit für was Neues ist, Zeit sich weiter zu entwickeln. Gespeist mit Tracks über frühen Tod, chronische Enttäuschung und trübselige Gedanken, war die Musik unter seinem Alter Ego Coldair, wie er es mittlerweile ausdrückt, sein ernsthafter Versuch „to get all this old shit out“, eine Art Exorzismus. So geschehen – alles ist gesagt.

Perfect Son bietet nun eine andere Basis, nämlich eine von innen herausstrahlende und musikalisch pathetische Art, die aber manchmal ein wenig zu viel will und dabei das Simple vergisst. „Cast“ ist zwar nicht glamouröser Bombast, „Cast“ ist aber nach vorne gehender („Lust“), mit Stadionausmaß-behafteten Allüren („It’s for Life“), coldwaviger Poprock („So Divine“) par excellence.

War Bilińskis Musik zuvor von einer Dunkelheit und Düsternis zerrüttet, so verliert „Cast“ dieses Gewand zugunsten einer neu gewonnenen Stärke, die sich aber immer noch durch eine emotionale Tiefe und Prägnanz auszeichnet. Seine Songs belebt Perfect Son durch das Vertrauen in die Menschlichkeit und des Sich-immer-Wiederfindens – mit dem Wissen, dass man sich mit den eigenen dunkelsten Wesen konfrontieren und abfinden kann. „Cast“ ist auf zehn Tracks ein Zeugnis für die Möglichkeit(en) der Zukunft – „It’s all right/It’s for life“.

Wir bedanken uns bei Laura Schaefer für diesen tollen Gastbeitrag! Wer mehr von der jungen Bloggerin lesen möchte, sollte in nächster Zeit vielleicht öfter auf noisiv.de vorbeischauen.

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