Peter Doherty Live in der Großen Freiheit 36. (Lausiges Foto von: Babak Kidney)

Drei Projekte in vier Jahren, dazu Drogenentzug, mehrere Tourneen und einen Namen im Pass, der die Dinge häufig nicht einfach macht: Peter Doherty. Letzte Woche tourte der Singer-Songwriter seine zweite Soloplatte „Hamburg Demonstrations“, machte am Freitag passenderweise auch einen Halt in der Großen Freiheit 36. Das der Abend so gut werden würde, das haben sicher selbst die treuesten Fans nicht gedacht.

Zunächst, so gegen acht Uhr am Abend, beendete ein junger, aufstrebender Bursche aus der irischen Hauptstadt gerade sein Set: Sion Hill aus Dublin. Coolest guy on this planet, lässig und gesellig, wie auch schon damals, als wir ihn bei unseren NOISIV SESSIONS begrüßen durften. Er eröffnete das Konzert für seinen Buddy aus den Clouds Hill Studios, welcher ähnlich wie Doherty dort an der Produktion seines Soloprojektes arbeitet.


Konzerte von Peter Doherty sind eigentlich eine seltsame Angelegenheit: Ein Künstler zwischen Genie und Detonation, Zuschauer zwischen Liebe, Bartheke und Schaulust. Getränkebecher und Instrumente lernen auf der Bühne fliegen, die Textsicherheit von selbiger weg. Dabei ist es unerheblich ob Peter alleine auf der Bühne platz nimmt, mit Backing-Band oder seinen Babyshambles. Irgendwas muss ja immer sein. Eigentlich.

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Es fällt deshalb nicht immer leicht den sensiblen Künstler schätzen und lieben zu lernen, dass geht ihm vermutlich gar nicht anders. „I Don’t Love Anyone (But You’re Not Anyone)“ eröffnete passenderweise sein Set, die Lead-Single aus „Hamburg Demonstrations“. Die Performance stark, der Konzertbeginn pünktlich und Peter gut gelaunt: Wird er sich bei Hamburg heute mit einem guten Auftritt bedanken?

Als wir uns mit seinem neuen Album bei NOISIV Radio neulich auseinandergesetzt haben, war bereits klar geworden, dass Peter wieder von der Muse geküsst worden war: Nach zwei, mehr oder minder umjubelnden Projekten mit den Babyshambles und The Libertines, schaffte es Doherty zusammen mit Clouds Hill-Produzent Johann Scheerer zu einem roheren Sound zurückzufinden. Am Konzertabend gelang es dem bald 38-jährigen nicht nur diesen zurückzubringen, auch bediente er sich beim großen Repertoire seiner weiteren Bands.

Pete grub fleißig in seiner Diskografie, lieferte eine knapp zehnminütige Fassung des Klassikers „Albion“, mitsamt Mundharmonika- und Streicherarrangements. Doherty und Band suchten sich im Stück aus dem 2005er „Down in Albion“ ihren Platz für wunderschöne Harmonien und Jams, erweiterten so das Stück und andere Babyshambles-Songs wie „Killamangiro“. Dieser Enthusiasmus, die Entscheidung Stück für Stück die Extrameile zu laufen, die pure Lust am Spielen: all das blieb bei den Auftritten der Babyshambles in den vergangenen Jahren vermisst.

Auch das aktuelle Schaffen des fragilen Künstlers bot so einiges an Highlights: entspannte Klänge zum Einstieg mit „Kolly Kibber“, das grandiose „Oily Boker“ im Mittelteil und „Hell to Pay at the Gates of Heaven“ als offizieller Schluß des Konzerts: „Come on boys, you gotta choose your weapon: J-45 or AK-47?“, die ersten Zeilen aus dem letzteren Titel, gehen dabei simultan durch die Kehlen der Besucher der Großen Freiheit 36 – ein schöner Moment. In der Zugabe sollte Doherty noch einmal Klassiker aus all seinen Projekten schöpfen: „Last of the English Roses“ (Solo), „You’re My Waterloo“ (The Libertines) und natürlich „Fuck Forever“ (Babyshambles“ waren drunter und beendeten den wundervollen Abend.

Man kann ihn doch nur lieben, oder? Nach dem Ende des Konzerts, versuchte sich Peter an einer weiteren Zugabe – oberkörperfrei und ohne jeden Saft im Mikrofon. Es sollte leider nicht sein, die Große Freiheit 36 musste sich bereits auf eine Party im Anschluß vorbereiten. Kein Thema, Peter: Wir sehen uns definitiv wieder. Danke dir, für dieses wundervolle Konzert.

„Hamburg Demonstrations“ ist am 2. Dezember 2016 via Clouds Hill/BMG (Warner) erschienen.

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