Bildquelle: Facebook / Placebo

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Die besten Konzerte bleiben einem ewig im Kopf. So bleiben kleinste Details in Erinnerung, die ansonsten Tage später schon längst vergessen werden. Das gestrige Jubiläumskonzert anlässlich zum 20-jährigen von Placebo hatte jede Menge Potenzial, um als eines der Unvergessenen im Gedächtnis zu bleiben!

Den Auftakt des Abends lieferten The Mirror Trap, die Placebo schon während ihrer letzten Tour unterstützt hatten. In einheitlicher Montur spielten die sechs Mitglieder und erinnerten stellenweise an die jungen Placebo aus den 90er-Jahren. Auch Frontmann Gary Moore fiel durch ein exzentrisches Auftreten auf, während sich der Keyboarder der Band im Hintergrund zeitweise auf dem Boden wälzte und abging wie ein Zäpfchen. So lieferte die Band aus Schottland einen soliden Auftritt ab, der mich musikalisch allerdings nicht großartig ansprach.

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Nun sollte das Warten ein Ende haben und der langersehnte Headliner dieses Abends den Weg auf die Bühne finden. Das Licht geht aus und es folgt das alternative Musikvideo zu „Every You, Every Me“ auf der Leinwand, bei dem selbstverständlich auch der ehemalige Drummer Steve Hewitt zu sehen ist. Es folgt ein Kurzvideo mit Bildern aus 20 Tour-Jahren. Die Anfangstöne von „Pure Morning“ beschallen die Barclaycard Arena und allmählich sammeln sich die Live-Mitglieder von Placebo auf der Bühne. Nachdem Stefan Olsdal als Skelett vor dem Publikum erscheint, denke ich kurz an Wes Borland von Limp Bizkit, bis mir der Sinn dahinter einfällt und mir klar wird, dass heute auch noch Halloween ist. Brian Molko kommt als letzter und begrüßt die vorderen Reihen, indem er diese als Vampir verkleidet mit Rotwein anspuckt. Kurz plagen mich Zweifel, ob der Abend ähnlich früh wie bei dem Tour-Auftakt enden könnte, bei dem die Band das Konzert nach dem zweiten Song beendet. Stattdessen sollte gegenteiliges an diesem Abend geschehen.

Die Setlist der Jubiläumstour ist bunt gemischt mit Songs aus allen Alben. So wurden neben neueren Songs, wie „Loud Like Love“ oder „Too Many Friends“, auch alte Klassiker – beispielsweise „I Know“ oder „Lady of The Flowers“ – gespielt. Mein persönliches Highlight war das düstere „Without You I’m Nothing“, bei dem unter tosendem Applaus Studio- und Live-Aufnahmen von David Bowie auf der Leinwand auftauchen, der seine Vocals zum Track beisteuerte. Im Anschluss sagte Frontmann Brian Molko das, was viele womöglich in diesem Moment dachten: „We miss you, David“.

Zum Ende des Mainsets forderten die beiden Hauptprotagonisten Molko und Olsdal die Besucher auf, mit ihnen auf das runde Jubiläum zu feiern und den Abend zu einem unvergessenen Event zu machen. Der melancholische Teil sei nun beendet und es soll ausführlich getanzt werden. Die Zuschauer in der Barclaycard Arena ließen sich das nicht zweimal sagen und feierten die kommenden Lieder. Dabei gab es einen klasse Endspurt aus „For What It’s Worth“, „Slave To The Wage“, „Special K“, „Song To Say Goodbye“ und „The Bitter End“. Insbesondere der alte Hit „Special K“ und das auf dem „Sleeping With Ghosts“-Album erschienene „The Bitter End“ wurden dabei am Meisten umjubelt.

Nachdem der Applaus die Musiker wieder zurückholen lies, folgten mit „Teenage Angst“ und „Nancy Boy“ zwei weitere Klassiker. Den Abschluss der ersten Zugabe bildete „Infra-Red“. Allerdings war wohl jedem klar, dass ein weiterer Song an diesem Abend fehlte. Ein letztes Mal kam Placebo vor das Hamburger Publikum und spielten das Kate-Bush-Cover „Running Up That Hill“. Dementsprechend konnten sich die sechs Musiker feiern lassen.

Das Konzert war ein Portfolio aus den vielen Jahren Bandgeschichte. Wenn am Ende doch noch Songwünsche übrig bleiben, etwa das ebenfalls düstere „The Crawl“, das wilde „Allergic (To Thoughts Of Mother Earth)“ oder „Meds“, dann zeigt dies auch die enorme Qualität der Alternative-Band. Das Publikum befand sich zwischen Mitte zwanzig und Ende dreißig. Genauso wie die Band wird eben auch das Publikum älter. Dennoch scheinen Placebo längst nicht genug zu haben. So prophezeite Molko, dass sie alsbald wieder nach Deutschland zurückkehren wollen. Als Fan der Band frage ich mich, wie ein solches Best-of-Konzert getoppt werden könnte. Eine Unplugged-Tour oder doch eine Club-Tour in den kleineren Läden des Landes? In jedem Fall werde ich wieder dabei sein!

Bildquelle Artikelbild Instagram

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