Wie war das nochmal? Ach ja, „Pöbel und Dance, es sind Pöbel und Dance!“ Ein Refrain für Millionen – oder so. Für den Feuilleton sind Pöbel MC und Milli Dance zum Glück noch eine Spur zu alternativ und roh, aber für den ausverkauften Hamburger Hafenklang hat es allemal gereicht. Am 22.03 kam das neugegründete Duo aus dem Hause Audiolith vorbei, um ihre neue Platte „Soli-Inkasso“ zu präsentieren. Wir waren natürlich dabei.

Ich war in meinem Leben auf einigen Hip-Hop-Konzerten und gerade in letzter Zeit fühle ich mich häufig fehl am Platz. Doch auch wenn meine eigene Garderobe nicht viele schwarze Teile bereithält, fand ich das Publikum an diesem Abend ausgesprochen angenehm. Die linke Einstellung teilten offensichtlich viele der Zuschauer mit den Künstlern, die später den Laden auseinander nehmen sollten. Musik macht halt einfach mehr Spaß, wenn man selber auch voll und ganz dahinter stehen kann.

Gegen 21.30 Uhr betraten Pöbel MC und Milli Dance die Bühne. Letzteren kennt man als Teil der Formation Waving The Guns. Pöbel MC hingegen ist Teil des Upstruct Kollektivs, dem unter anderem auch MC Bomber und Shacke One angehören. Man kann nicht gerade behaupten, dass sich beide zum Verwechseln ähnlich sehen: Pöbel sportet auf der Bühne Sonnenbrille, 90er Sportjacke und etwas zu kurze Blue Jeans (Ob er noch vor zwei Jahren einen „Urlaub auf Keta“-Jutebeutel dabei gehabt hätte?). WTG-Milli kommt dagegen rüber, als würde er nach dem Gig noch einiges vorhaben. Die Sturmmaske sitzt – wie immer.

Die Mischung aus knallharten Oldschool-Beats und ebenso kompromisslosen Lyrics kommt an beim Publikum. Der Pulk vor der Bühne ist ab dem ersten Song am Springen und auch die Mädels, die ziemlich große Augen machen, können jede Zeile mitrappen. Die Stimmung könnte jedenfalls nicht besser sein, während die beiden Songs aus dem gemeinsamen Album präsentieren. Allen voran natürlich das eingangs erwähnte „Pöbel & Dance“. Dazwischen gibt es den ein oder anderen Solo- bzw. Waving The Guns-Part zu hören – natürlich ebenso sicher von der Crowd gebackt.

Überraschen tut mich der Song „Sososo“. Ein moderner und langsamer Trap-Hit, der auf Album gut funktioniert, von dem ich aber nie gedacht hätte, dass er live so eine Resonanz hervorruft. Highlight ist natürlich auch das bereits am Anfang zitierte „Pöbel & Dance“. Ich bin beeindruckt. Zu betonen, dass beide Rapper jede Zeile fehlerfrei und druckvoll vortragen können, spare ich mir. Am Ende des Abends ist das Publikum mindestens ebenso nassgeschwitzt wie Pöbel und Dance. Und um ein paar blaue Flecken reicher.

Es war ein verdammt geiles Hip-Hop-Konzert, dass ich da im Hafenklang miterleben durfte. Audiolith Records bleibt seiner Schiene treu und weiß, was gut ist. Vielleicht komme ich das nächste mal auch lieber im schwarzen Kapuzenpulli. Und vielleicht landen Pöbel MC und Milli Dance mit dem nächsten Album sogar im Feuilleton. Ich hoffe nicht.