Prada Meinhoff

Wer diese Band zum ersten Mal sieht, kann nicht anders als hinzugucken. Denn Prada Meinhoff sind Ekstase pur. Man könnte fast sagen: reiner Sex! Denn wenn Chrissi mit ihrem roten Schmollmund und ihrem futuristisch-punkigen Outfits und René mit seinem durchtrainierten Körper in einem Hauch von Tanktop die Bühne betreten, wird es wild. Ihr Sound ist eine Art NDW mit Punk-Einschlägen und einer Prise Elektro. Die beiden haben sich gesucht und gefunden – im April veröffentlichten sie ihr gleichnamiges Debütalbum „Prada Meinhoff“.

Als Support-Act von Mia. heizten sie bereits im April in der Markthalle ein. Wir trafen René und Chrissi alias Prada Meinhoff nach dem Konzert zum Interview und erfuhren woher ihre Einflüsse stammen, was es mit ihren Outfits auf sich hat und mehr!

Eine Band zu gründen war eigentlich deine Idee, Chrissi. Du hast dich dann auf die Suche nach einem Gitarristen/Bassisten gemacht und hast René über einen Bekannten gefunden. War dir im Vorfeld schon klar, was du für Musik machen willst?

Chrissi: Ja schon (lacht). Auf eine gewisse Art und Weise hat ja jeder seine Einflüsse. Ich bin ein großer Freund der Yeah Yeah Yeahs oder vom deutschen Hip Hop. Mit 12 zum ersten Mal Blumentopf – kein Zufall! Ich hab René gefunden und wer hätte gedacht, dass es so gut passt. Wir sind wie eine Familie. René hat natürlich auch ein paar gute Einflüsse und beherrscht sein Handwerk aufs exzellenteste und zusammen schreiben und machen wir die Musik. Ohne René wären auch meine Ideen nicht zu verwirklichen.

Ich hab euch das erste Mal vor circa zwei Jahren als Vorgruppe von TÜSN gesehen und habe mich direkt verliebt.

Chrissi: Ach wirklich! Da hatte ich einen Badeanzug an, das weiß ich noch (lacht).

Seitdem ist ja so einiges passiert, aber zu dem Zeitpunkt wart ihr noch ganz frisch zusammen, oder?

René: Das war unsere erste Tour nachdem wir im Juli desselben Jahres die erste Show gespielt hatten. Dann haben wir Snöt von TÜSN kennengelernt und der hat uns gefragt, ob wir im Herbst mit auf Tour gehen wollen.

Fotos: Jasmin Reckers, noisiv.de

Euer Debütalbum kam Anfang April raus und die erste Single „Maske“, die ihr davon veröffentlicht habt, war auch der Song, den ihr tatsächlich als aller erstes geschrieben habt. Der Song handelt davon, dass man sich häufig verstellt…

Chrissi: Jain, es ist ja so: Viele Leute sagen ja immer „Sei doch mal du selbst“, und das geht mir so auf den Sack! Ich bin immer ich selber, auch wenn ich singe, das bin ja immer ich. Thematisch geht „Maske“ darum, dass unser kleinster gemeinsamer Nenner die Unsicherheit ist. Das eint uns alle.

Ihr habt mit „Eisbär“ einen Song von Grauzone gecovert. Wie kommt man auf die Idee, so einen Song zu covern?

Chrissi: Das ist einer meiner absoluten Lieblinssongs. Ich mag das ganze experimentelle Punk-Ding aus den späten 1960ern, frühe 1970er und finde das total großartig was Grauzone macht und bin Hardcore Fan und habe auch immer morgens um sechs im Kaffee Burger zu Grauzone getanzt. Für mich ist das ein ganz toller Song über Freiheit.

Wie sieht das denn genau mit dem Songwriting bei euch aus? Macht ihr das zusammen oder setzt sich einer hin?

René: Wir machen das zusammen.
Chrissi: Ja wirkich. Das funktioniert erschreckend gut.

Ich hab ein Radio-Interview von euch gehört, da ging es darum, dass „Express“ wohl sehr lange gedauert hat.

Chrissi: Das stimmt.
René: Wir arbeiten meistens sehr schnell. In der Regel steht ein Konzept und irgendwie entwickelt sich die Musik und dann passt das Konzept nicht mehr dazu und dann macht man neue Musik dazu und „Express“ war so ein Fall.
Chrissi: Ich denke auch immer, man sollte das nicht zu lange zerdenken. Man hat immer etwas, was man besser machen möchte oder optimieren will. Und ich denke so: das ist der Text, das ist der Beat und das passt und das hauen wir so raus. Sonst zerdenkst du es.

Eure Musik vereint ziemlich viele unterschiedliche Stile. Ich glaube ihr hört beide ziemlich viel Hip Hop…

René: Da kommen auf jeden Fall viele verschiedene Geschmäcker zusammen. Aber genau das Zusammenkommen ist das, was uns ausmacht. Ich höre eigentlich viel mehr Hip Hop als Rock mittlerweile, das liegt daran, dass im Rock nicht so viel passiert.
Chrissi: Ich komme eher von der Riot Grrrl Geschichte, alles was auch gerne feministisch motivierend ist.

Chrissi, du wirst ziemlich oft mit Annette Humpe verglichen. Die musste ich tatsächlich erstmal googlen. Aber dann kam noch eine Freundin und die meinte…

Chrissi: Lass mich raten: Nina Hagen.

Ja genau! Du hörst es scheinbar öfter. Geil oder ungeil?

Chrissi: Es ist eine Künstlerin, ohne die würden wir heute nicht hier stehen. Also was Nina Hagen für die Pop-Kultur gemacht hat – das kann ich gar nicht in Worte fassen. Es ist halt so, man macht seinen eigenen Stiefel und manchmal klingt es halt ähnlich.
René: Die Leute greifen halt auf das zurück was sie kennen und irgendwie ähnlich in ihren Köpfen ist dann Nina Hagen, weil sie nicht mehr Punk-Sängerinnen kennen. Ist aber auch okay.
Chrissi: Ich bin eher von X Ray Spex, L7 oder Karen Oh und den Breeders beeinflusst.

Dann muss man ja auch einfach mal sagen, dass ihr zwei als Prada Meinhoff einen sehr geilen Style habt. Im Pressetext steht zum Beispiel: Extase, Fantasie und Abriss. Vereint ihr das auch alles in euren Outfits?

Chrissi: Meistens sehe ich aus wie Schlumpi, weil zuhause trage ich am liebsten Jogginghose und Adiletten. Ich weiß nicht, die Outfits… Wir haben Freunde die uns helfen, „le comptiore bou bou“ nähen mir ab und zu mal was.
René: Ich hab ne Schere.
Chrissi: Ehrlich gesagt sind wir gar nicht so durchdacht wie es vielleicht rüber kommt. Wir sind jetzt keine konzeptierte Casting-Band – wir machen halt einfach.

Ich stehe auf jeden Fall auf dein Outfit.

Chrissi: Ich gucke als Frau natürlich immer, wo man gut drin aussieht. Aber nach zwei Liedern ist das eh egal.

Wir haben ja eben schon ein bisschen über die Frauenbewegung gesprochen und ihr spielt am 21. Juli auch beim Rebel Gurlz Festival hier in Hamburg, wo nur Frauen-Bands auftreten.

Chrissi: Unsere Freunde von den toten Crackhuren im Kofferraum haben uns da empfohlen und das hat perfekt geklappt. Wir freuen uns irrsinnig darauf.

Das Ding ist ja, dass das Musikgeschäft viel in Männerhänden liegt. Was ist da los?

Chrissi: Ich muss sagen, ich hab keinerlei schlechte Erfahrungen mit Kerlen im Musikgeschäft gemacht.

Ich mein auch eher was mit der Frauenwelt los ist, dass die sich eher wenig nach vorn trauen?

Chrissi: Doch, die sind schon da! Ich hab nicht das Gefühl, dass Frauen sich nicht nach vorn trauen. Ich hab nie das Gefühl gehabt in dem was ich mache, dass ich nicht das sagen und machen kann was ich will. Und wenn jemand sagt: „verstehe ich nicht, was macht die Alte da?“ dann ist ja gut, ist halt deine Sache.

Ihr seid hier ja heute als Vorband von Mia. und das Konzert wurde aus dem Gruenspan in die Markthalle verlegt. Jetzt habe ich aber gehört, dass du, René, gerne mal im Mojo spielen willst. Warum? Ich mag das da ja nicht so.

René: Echt nicht? Ich hab da sogar schon mal gespielt. Ich finde es da einfach mega. Die Bühne! Es ist ein bisschen ähnlich wie hier, da wird man so umarmt von den Menschen, die sind halt überall und ich finde das Mojo einfach mega angenehm. Aber das Gruenspan mag ich auch sehr gerne, das finde ich ein bisschen schade, dass wir da nicht waren. Also als ich das mit dem Mojo gesagt hab, da hatte ich noch nicht in der Markthalle oder dem Gruenspan gespielt. Daher ist das tatsächlich auch ein bisschen veraltet.
Chrissi: Weißt du, wir spielen auch auf der Hafentreppe, ist uns doch egal.

Dann noch zu euren Musikvideos. Da habt ihr, glaube ich, den Martin Waldmann so ein bisschen geheiratet. Auf jeden Fall spielt in dem Video zu „Cocktail“ Boris Aljinovic vom Tatort mit. Wie kam das denn zustande?

Chrissi: Ich hab mit Boris Theater gespielt und spiele immer noch mit Boris Theater. Wir sind Kollegen und haben zusammen am Renaissance Theater in Berlin mehrere Stücke zusammen gespielt. Das ist ein Kumpel und ein ganz toller Typ!

Hast du mit dem in dem Video eigentlich rumgeknutscht?

René: Das ist … (lacht)
Chrissi: Das ist eine Freundin von uns die ich gefragt hab. Wir haben einen Kumpel und eine Freundin die mit Boris knutschen. Du bist jetzt die zweite die das sagt, dass ich das wäre und ich dachte noch so, boah scheiße, hoffentlich verwechselt man uns nicht in schwarz weiß. Jetzt denkt man halt, dass ich das bin, aber ich bin es wirklich nicht.

Zu der Geschichte des Videos. Ihr entführt ihn ja und dann setzt ihr ihn hin und dann muss er sich die Party angucken.

Chrissi: Der Song ist ja eine Kampfansage gegen die eigene Depression, wie so viele Songs von uns, und wir zwingen quasi jemandem zu seinem Glück. Manchmal ist das auch sehr, sehr gut loszulassen. Manchmal tut es auch gut sich dem hinzugeben dem ganzen Hedonismus zu frönen. Fick die Henne, wir tanzen jetzt, wir fühlen nichts.

Ein paar letzte Worte?

Chrissi: Wir sind sehr glücklich hier zu sein und wir danken Mia., dass sie uns mitgenommen haben. Das sind nämlich nicht nur fantastische Musiker, sondern auch extrem nette Menschen. Ja, danke an alle und ich grüße meine Mutter!
René: Liebe und Liebe und kauft unser Album!

Ich danke euch, Prada Meinhoff, von Herzen für das nette Interview und freue mich euch bald wieder live erleben zu dürfen, ihr seid großartig!

Prada Meinhoff Live:

  • 21.07. – Rebel Gurlz Festival, Hamburg
  • 22.07. – Bochum Total, Bochum
  • 27.07. – Trebur Openair, Trebur
  • 06.08. – Rotunde, Bochum
  • 07.08. – B. C. Osnabrück
  • 08.08. – Atomino, Chemnitz
  • 09.08. – Die Stadtmitte, Karlsruhe

Prada Meinhoff als Vorband von Mia. in der Markthalle