© Pretend Sweethearts

© Pretend Sweethearts

Wer hatte noch nicht diesen einen romantisch verklärten Traum, in dem man all sein ungeliebten Kram verkauft, die ganzen ätzenden Alltagsprobleme einfach ignoriert, das wirklich Wichtige in eine Tasche packt und einfach losfährt. Irgendwohin, wo es wärmer ist. Schöner oder eventuell auch einfach nur ruhiger. Pretend Sweethearts haben genau das getan und, während sie ihr neues Leben im Süden von Amerika starteten, am 13.11 ein Album in die Läden gebracht, das so sehr “Back to the Roots” ist, dass es im Plattenregal der letzten Generationen wohl höchstes durch das Beiliegen eines Download-Codes auffiele.

Anfang des Jahres verkauften Brianna Blackbird und Drew de Man also ihre alten Plattensammlungen und andere Kostbarkeiten und packten ihre übrigen Sachen in Portland, um sich auf den Weg in ein neues Leben im Herzen Südamerikas, in Bolivien zu machen.

Direkt nachdem das Paar die Aufnahmen zu ihrem ersten gemeinsamen Debüt im Kasten hatten. Die Aufnahmen für ein Album, das in jeder Sekunde den Wunsch nach einem einfacheren Leben, dem vielleicht etwas kitschigen Traum von langen Abenden mit der Gitarre auf einer sonnengetränkten Terrasse und ewigen Sommerabenden, statt dem wechselhaften Wetter des Nordwestens Amerikas ausstrahlt.

Und so plastisch und greifbar die Vorstellung eines solchen Lebens für Pretend Sweethearts, während der Arbeiten an “Becoming the Tender Animal” gewesen sein müssen, so direkt klingt ihr erste gemeinsame Platte leider auch nach genau diesem Klischee. Nach der Country- und Bluesmusik aus dem Saloon eines alten Westernfilms, den man vor vielen Jahren noch Abends mit den Großeltern auf der Couch geguckt hat – nach riesigen Weiten und endloser Freiheit, aber auch ein wenig nach großer Leere, Einsamkeit und Langeweile.

Jede Menge schwermütige Country-Balladen mit den typischen Bottleneck-Slides auf der Gitarre, sich immer wieder wiederholende Harmoniemuster und der durch und durch mit Melancholie durchsetzte Gesang von Brianna Blackbird machen dieses Album zu keiner leichten Kost. Man wünscht sich beim Hören der 12 Songs immer wieder den Ausbruch aus den, zwar gut gemachten, aber wenig innovativen Zitaten alter Genregrößen – einfach mehr Energie und Dynamik. Dass das Potenzial da ist, offenbaren vor allem die drei Songs von Drew de Man, in denen er immer wieder mit rythmisch verzwickten Gitarrenpattern in seinen Songs überrascht. Drei Songs, die allerdings im stark von Blackbird geprägten Gesamteindruck der Platte schnell wieder aus der Erinnerung verschwinden.

Aber vielleicht ist der Anspruch auf Innovation, Dynamik und einen ausgefeilten Spannungsbogen auch die falsche Herangehensweise an ein Album von einem Paar, das sich zum Aufziehen der eigenen Kinder von allem materiellen Besitz trennt und in eines der ärmsten Länder des Kontinents zieht. Ob ich „Becoming the Tender Animal“ gut finde? Frag mich in 10 Jahren nochmal!

Pretend Sweethearts Tourdaten:

  • 14.11. SUPER PUB | KLAGENFURT
  • 16.11. SCHERBE | GRAZ
  • 17.11. SMARAGD | LINZ
  • 18.11. DENKMAL | SALZBURG
  • 19.11. LANGSTARS | ZÜRICH
  • 20.11. PEGNITZ BÜHNE | NÜRNBERG
  • 22.11. GLEIS SÜD | HORB AM NECKAR
  • 23.11. KAUFBAR | BRAUNSCHWEIG
  • 24.11. CAFE LICHTUNG | KÖLN
  • 26.11. SINGERSONGWRITER CIRCUS | WIEN
  • 27.11. CLUB GLAM | FELDBACH
  • 28.11. GWÖLB | PÖLLAU

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