Dass auf den wilden Gewässern des Independent-Sounds immer ganz schön was los ist, dem ist man sich heutzutage sicher bewusst, wenn man eine Band gründet. Und so setzt sich die noch junge Berliner Band Pretty Mery K mit ihrem zweiten Album ins Viersitzer-Ruderboot und macht Abstecher vom Indie-Ozean in die Gefilde des Folk Pops, des leichten Ragtimes und holt sich neuerdings auch Synthesizer mit an Bord.

cover„Rowboat“ wurde, ganz zeitgemäß, per Crowdfunding finanziert. Dass die Fans hier unter anderem für den Gegenwert einer Musikstunde bei einem der Bandmitglieder unterstützend tätig werden konnten, zeigt schon: Die vier Berliner wissen alle, was sie tun und was sie können. Die Songs sind virtuos eingespielt, bleiben in der Regel zwar zurückhaltend, doch besonders Michael Frommes Schlagzeug treibt die zwölf Stücke angemessen an. Mithilfe der Synthies, die durch die Sängerin und Bandnamensgeberin Meryem Kilic gespielt werden, kommen Songs wie „Two Faced Fellows“ und „Milestone“ dann auch gut aus sich raus. Die Stimmung ist stets von Melancholie geprägt, doch nie so getragen, dass das „Rowboat“ zu sinken droht. Kilics Songwriter trägt dazu wunderbar bei. Ihre Lyrics handeln nicht selten von Abschieden – von Liebschaften wie in „Farewell“, in dem ihre Stimme im Refrain einen wunderbaren Melodiebogen spannt, oder von der eigenen Kindheit im bereits veröffentlichten „Hide and Seek“:

„I give up the neverending chase. If only I could see your face. In the dust of a picture frame, you’re always gonna stay the same. Out of sight, out of my mind. You’re just a flickering, all days gone by. I only wanna catch you one last time.“

Pretty Mery K zeigen auf „Rowboat“, dass sie ihr Handwerk beherrschen, wechseln problemlos zwischen schnellen und langsamen Songabschnitten und lassen sich nie vom Viervierteltalkt zu sehr einengen. Sie schielen nicht auf die Charts, sie tun, was sie mögen und haben hörbar Freude dabei. Heraus kommt eine spannende Winterplatte voller Melancholie, die zeitgleich die Traurigkeit des Abschieds und die Vorfreude des Aufbruchs vermittelt. „I know I’m just not there yet“ singt Meryem Kilic über hittaugliches Gitarrenspiel von Dirk Haefner in „Fast“, aber eines ist sicher: Mit ihrer Seereise konnten Pretty Mery K neues Land erobern, haben sich durch stürmisches Meer gekämpft und wenn es kurz vor Schluss auf dem titelgebenden Song heißt „But surely I’ll return one day and bring you treasures from far away“, dann sind Heim- und Fernweh wunderbar nah beieinander und man freut sich schon jetzt auf neuen Stoff der Band.

Ihr könnt euch aber erstmal auf den Release des Albums freuen – am 9. Januar bringt die Gruppe es eigenständig heraus. Bis dahin sei auch das Erstlingswerk „Oh“ zu empfehlen, von dem sich ausgewählte Stücke kostenfrei bei Soundcloud streamen lassen.

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