NOFX | Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Das Punk-In-Drublic-Festival-Konzept stellte sich in den vergangenen Jahren als äußerst populär und erfolgreich heraus – da liegt es glatt auf der Hand, dass die Festival-Reihe auch in diesem Jahr noch einmal durch die Landen tourt. Am vergangenen Samstag machten sie dann Halt auf der Faustwiese des Kulturzentrum Faust in Hannover. Dort fand das Ganze im Jahr 2016 in einer Art Prototyp-Form schon einmal statt. Während damals ca. 4.000 Besucher anwesend waren, bauten sie Veranstalter das Gelände aus und stockten auf ganze 7.000 Tickets auf, die auch allesamt in kürzester Zeit ausverkauft waren.

Ob jung oder schon etwas älter – das Publikum war in fast allen Belangen bunt durchgemischt; gemeinsam hatten sie aber allesamt ihre gute Laune und die Leidenschaft für den guten und teils legendären US-Punk der auftretenden Bands. Gab es bei der ersten Ausgabe in Hannover noch enorme Schwierigkeiten beim Einlass, haben sich diese Probleme nun erledigt. Hier wurde ordentlich nachgebessert. Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Tag im Namen des Punk waren also von vornherein bestens.

The Bombpops eröffneten das Festival daher bereits vor einer gut gefüllten Menge mit einer starken Performance – und das trotz der technischen Probleme, die dummerweise bereits beim ersten Song auftraten. Schwamm drüber, der Auftritt hat dafür mehr als entschädigt. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Zwischen den Bands gab es nur kurze Umbaupausen. Der Zeitplan war ambitioniert und straff durchgetaktet, wurde aber vorbildlich eingehalten. Get Dead waren dann direkt das erste große Highlight. Die Kalifornier waren in bester Laune, die Songs kamen beim Publikum super an – insbesondere natürlich „Fuck You“, zu dem sich herrlich Mittelfinger in die Höhe recken ließen. The Real McKenzies spielten danach ihr Set.

Anti-Flag

Abseits der Bühne gab es auch ein feines Rahmenprogramm. Ein kleines Highlight waren definitiv die Bondage Massagen, die unverschämt witzig waren – zumindest für die Zuschauer. Währenddessen waren Kein Bock auf Nazis und die Hardcore Help Foundation für den guten Zweck vor Ort. Erstere kamen bei Anti-Flag für eine kurze, aber leidenschaftliche Ansage gegen Rassismus, Faschismus, AfD und dergleichen auch auf die Bühne.

Anti-Flag wiederum zeigten sich in bester Form und waren ganz offensichtlich einer der Publikumslieblinge; bei einer solch explosiven Show aber auch eigentlich selbstverständlich. Bei Less Than Jake zeigte sich das Wetter dann leider kurzzeitig von der blöden Seite – Regenschauer und Hagel triezten die Menge, verschwanden daraufhin aber genauso schnell wieder, wie sie auftauchten, sodass es im Anschluss daran bei Lagwagon wieder trocken war.

Mit Bad Religion kam für viele wohl das Highlight des gesamten Tages auf die Bühne. Für die meisten Anwesenden nahm diese Band schon ihren jeweils jungen Jahren eine tragende Rolle ein. Ergo: Auf Band Religion kann sich jeder einigen und das merkte man auch. Die alten Songs wurden lautstark mitgebrüllt und auch die beiden neuen Songs „Chaos From Within“ und „My Sanity“ fügten sich – typisch für Bad Religion – reibungslos ins Set ein. Auch nach knapp 40 Jahren zeigen sie sich noch immer bissig und voller Spielfreude.

Lagwagon

Zum Abschluss des Abends gaben sich die namensgebenden NOFX noch einmal die ironische Ehre. Die Band war, wie man es auch nicht anders von ihr kennt, in feiner Blödellaune, die über die ersten 20 Minuten großartig unterhält, mit fortlaufender Set-Dauer mitunter aber doch etwas anstrengend werden kann. Nichtsdestotrotz: Die Songs sitzen, mit „Kill All the White Man“ gab es den gebührenden Abschluss nach 20 Songs und einer Stunde bewusst-mieser Witzeleien.

Zum Schluss schallte es passenderweise noch „Spanish Flea“ von Herb Alpert aus den PAs und dann war es das auch schon. Punk In Drublic brachte ein rundum gelungenes Tages-Festival in die niedersächsische Landeshauptstadt. Eine ganze Wagenladung cooler Bands, eine durchweg entspannte und lockere Atmosphäre, größtenteils brauchbares Wetter und eine hervorragende Durchführung vom Kulturzentrum Faust; im Grunde genommen konnte man nicht wirklich meckern. So dürfen Festivals gerne öfter sein!

Bad Religion