Foto: Leah Muse

Foto: Leah Muse

Grand Hotel van Cleef – Das von Thees Uhlmann (Tomte) und Marcus Wiebusch (Kettcar) in Hamburg gegründete Label gilt seit Jahren als Brutstätte deutscher Indie- und Singer-Songwriter-Künstler, beschränkt seine Diskografie aber nicht auf Bands unserer Breitengrade: Mit Acts wie Rob Lynch und Young Rebel Set förderten die Spürnasen vom GHvC bereits so einiges zu Tage, das zuvor keine nennenswerte Bekanntheit hierzulande vorweisen und dann doch richtig begeistern konnte. Und nun haben die Entdecker aus dem Karoviertel mal wieder etwas aufgerissen: Quiet Company sind drei Herren aus Austin, Texas, die bereits drei Alben aufgenommen haben und nun mit „Transgressor” erstmalig auch eines außerhalb der USA herausbringen. Sie spielen Gitarrenrock, was zunächst nicht weiter besonders erscheinen mag, doch wenn der Pressetext vorgibt, dem Label stünde „ungelogen noch immer der Mund offen”, dann sollte man wohl doch einmal reinhören in die am 11. September veröffentlichte LP!

Das Trio macht keine Gefangenen: Mit „Seven Hells” hauen sie uns gleich zu Beginn ihrer Platte einen fast schon unverschämt hittigen Song um die Ohren. Mit knarzigen Bässen, einem treibenden Groove und der emotionalen Stimme von Taylor Muse wissen sie schnell in ihren Bann zu ziehen. Beinahe etwas cheesy schlägt die Strophe eine Brücke zum Refrain, die Instrumente nehmen sich für wie aus der Ferne klingende Drums zurück, auf der Muse samt Backgroundchor wunderbare Zeilen wie diese präsentiert:

Seven hells to hold you, old Transgressor’s coming out. So make peace with all your demons when you just don’t have the strength to cast ’em out!

Was darauf folgt, ist eine explosionshafte Rückkehr von Gitarre und Bass und die Einsicht: Ja, „Transgressor” is coming out, und das scheint eine verdammt gute Nachricht zu sein! Meine Güte, sind die sexy.

Nicht minder einnehmend macht unsere gar nicht mal so ruhig erscheindende Quiet Company weiter mit „The most dangerous game” und erinnert dabei mit Pop-Appeal und drückenden Gitarren etwas an die guten, alten Weezer. Und hört man sich weiter durch das Album, weiß man tatsächlich schnell gar nicht mehr so recht, wo man eigentlich mit der Begeisterung anfangen soll, so beängstigend hoch ist die Hitdichte auf „Transgressor”! An allen Ecken und Enden strotzt es nur so vor Mitsumm- und -tanzpotential und bietet doch immer wieder Abwechslung im Klangbild. Ein gutes Beispiel bildet hier „Road to Perdition”: Elektronisches Dröhnen, Barpiano und verspielte Riffs harmonieren perfekt als Grundlage für einen wirklich herrlichen Song mit Da-da-da-Hook und ufern zum Schluss dann sogar in einem folk-rockigen Uptempo-Part aus. Zurecht singt Muse: „I can’t get you off my mind!”

Der Vinyl-Bonustrack „Kindness” beweist zudem, wie gut Quiet Company auch ruhigere Töne, ganz ohne die sonst so präsenten Drums, anzuschlagen wissen. Auch in diesem akustischen Gewand lässt es sich für Muse von der großen Liebe schwärmen:

And I’ll say with all the confidence I have, if your feet are getting tired I can take you on my back, and we will carry one another as we march into the sun.

Bei solchen Zeilen leuchtet ein, dass Labelchef Thees Uhlmann sich für diese Band begeistern kann, wirkt es doch fast wie eine englische Version seines Tomte-Songs „Auf meinen Schultern”. QuietCompany_CoverUnd mit ihrem Indie-Rock nach Art Death Cab for Cutie in derber passen sie sich auch sehr gut in die Reihe der bisher beim Grand Hotel veröffentlichten US-Acts ein.

Ihre Musik mag zwar ein wenig aus der Zeit gefallen sein, doch ihre Konsequenz und die Qualität, mit der sie ihre elf Stücke auf „Transgressor” präsentieren, sprechen für sich. Wer hätte denn gedacht, dass ein solcher Sound heutzutage nochmal so sehr zu begeistern in der Lage wäre? Jeder ihrer Songs ist on point und beweist, wie gut US-Indie auch heute noch funktionieren kann. Am Ende eines tollen Albums steht „Midnight at the Dairy Palace”, noch ein letztes Mal werden unsere Ohren mit einer tollen Gitarrenballade und am Schluss sogar Streichern verwöhnt. Diese Platte macht richtig Freude, beeindruckt immer wieder und lässt uns dem Grand Hotel van Cleef für ihr gutes Gespür danken, durch das uns erneut eine tolle Band über den großen Teich gespült wurde.

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Mit Sicherheit wird sich „Transgressor” auch live gut machen und so steht uns glücklicherweise auch eine längere Tour der Amerikaner durch Deutschland und umzu ins Haus:

  • 15.09. Saarbrücken, Garage
  • 16.09. Erlangen, E-Werk
  • 17.09. Wiesbaden, Schlachthof
  • 18.09. Oberhausen, Druckluft
  • 19.09. Münster, Gleis 22
  • 21.09. Hannover, Faust
  • 22.09. Köln, Blue Shell
  • 23.09. Kiel, Schaubude
  • 25.09. Hamburg, Reeperbahnfestival
  • 26.09. Berlin, Independent Night
  • 28.09. Leipzig, Werk 2
  • 29.09. Jena, Rosenkeller
  • 30.09. München, Ampere
  • 01.10. Regensburg, Alte Mälzerei
  • 02.10. SLO – Bratislava, Waves Bratislava
  • 03.10. A – Waves, Waves Vienna
  • 04.10. A – Salzburg, Rockhouse
  • 05.10. A – Dornbirn, Conrad Sohm
  • 06.10. CH – Zürich, Rote Fabrik