Radio Havanna 01

Umtriebig sind sie ja, die vier Mannen von Radio Havanna; zwei Touren absolvierten sie bereits zu ihrem aktuellen Album „Unsere Stadt Brennt“ (auf der zweiten Tour sah ich sie im letzten Jahr bereits in Bochum). Nun startete am vergangenen Freitag die dritte und letzte Tour im Düsseldorfer The TUBE – ein Laden, bei dem es sich um eine sehr kleine und kuschelige Musikkneipe in der Altstadt handelt. Konzerte in kleiner Atmosphäre sind natürlich immer etwas besonderes und so lässt man sich das selbstredend nicht entgehen.

KAFVKA: Berliner Crossover zum Warmwerden

KAVFKA 02

Vor Radio Havanna baten zunächst jedoch erst einmal KAFVKA um die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Die Berliner Band macht Crossover-Musik und wirken damit ein wenig, als wären sie einem der letzten beiden Jahrzehnte entfallen – etwas, das per se aber natürlich nichts schlechtes ist. Mit einem sehr atmosphärischen Intro begannen sie vielversprechend ihr Set, das größtenteils von harten Rock- und stellenweise schrilligen Punk-Klängen dominiert wurde. Der Rap-Gesang legte sich dabei gekonnt über die Instrumentalisierung.

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Offen erzählten sie, dass sie die beiden Tracks „Hit, Hit, Hit“ und „Berlin, Berlin“ schrieben, um einen Hit zu landen – beide Male funktionierte dies nicht, wie sie selbstironisch anmerkten. Ich persönlich bin nun kein allzu großer Freund dieser Herangehensweise an Musik, allerdings ist das natürlich eine Sache, die jeder für sich selbst entscheiden muss. „Punk-Verrat“, wie nach dieser kleinen Story von einer Zuschauerin (ironisch?) hineingerufen wurde, ist das allerdings längst nicht. Dennoch merkte man bei den beiden Songs einen krassen Bruch im Vergleich zu den vorherigen Songs.

Das Set wurde mit „Scheiss auf Koks“ beendet und während die Crowd bisher zumeist noch relativ reserviert mit dem Kopf nickte, brachte dieser Track letztlich doch die von der Band erhoffte Wende. Vor der Bühne fingen die Zuschauer an, ausgelassen zu pogen und die Hook, die zuvor erklärt wurde, mitzusingen. Am Ende des Support-Slots gingen KAFVKA also doch erfolgreich von der Bühne. Für Crossover-Freunde ist die Musik bestimmt einen Tipp wert.

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Radio Havanna übernehmen das Ruder

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Nach der Umbaupause enterten Radio Havanna dann endlich die Bühne. Mit „Schiffbruch“ wurde fulminant eingeleitet. Nachdem die Zuschauer frenetisch den Entervorgang bejubelten, ging es anschließend sofort zum Pogo- und Mosh-Tanz über. Vom ersten bis zum letzten Song war die Menge hundertprozentig dabei, Stagedives waren auch immer wieder beobachten. Die Temperatur im Laden stieg immer weiter an, es wurde endlos geschwitzt und die Band, die sichtlich von den Zuschauern beeindruckt und bestgelaunt aufspielte, peitschte den Abend in großen Schritten immer nach vorne an.

Radio Havanna 05

Im Verlaufe des Konzertes wurden sowohl Songs des aktuellen Albums sowie ältere Stücke und sogar Cover-Songs gespielt. Neue Songs, wie „Raketen“, „Unnormal“ und „Komm Zurück“ wechselten sich gekonnt mit „Flüstern, Rufen, Schreien“, „Die Zeit rennt“, „Stimme in Dir“ und vielen weiteren Songs aus der Diskographie der Band ab. Ein besonderer Moment zeigte sich beim Akustik-Song „Goldfischglas“: Die Zuschauer zollten dem Song den nötigen Respekt und setzen sich allesamt auf den Fußboden, um Fichte dabei zuzuhören, wie „Du in einem Goldfischglas steckst“.

Der letzte Song des Abends war dann „Unsere Stadt Brennt“, der Titelsong des gleichnamigen, aktuellen Albums. Zwei Touren hätten der Band nicht gereicht, um den Song gut spielen zu können, wie sie erzählten – eine Aussage mit dem zwinkernden Auge, denn für meine Belange wurde der Song in bestem Gewand gespielt. Überdies fasste er den Abend gut zusammen: Anfangs setzten sich die Zuschauer wieder auf den Boden, gegen Ende des Songs wurden dann die letzten Kräfte mobilisiert, um noch einmal so richtig abzugehen.

Punk ist, wenn alles weh tut

Radio Havanna 02

Grundsätzlich gilt auf Punk-Konzerten: Wenn Du gefühlte 90 Liter schwitzt, nicht mehr richtig atmen kannst und Dir alles weh tut, war es ein gutes Punk-Konzert. Genau das war beim Radio-Havanna-Konzert im Düsseldorfer The Tube der Fall. Bis zum Zeitpunkt der Beitragsverfassung am Sonntagabend schmerzt mein Körper an Stellen, deren Existenz ich zuvor bezweifelte.

Während ich mich bereits zuvor als Fan der Band bezeichnete, haben sie sich mit diesem Konzert so richtig in mein Herz gespielt. Das Bochumer Konzert war in keinster Weise mit diesem Auftritt vergleichbar. Der Unterschied lag in der Crowd, deren Euphorie letztlich auch die Band ansteckte, sodass diese ein extrem gutes Konzert auflegte. Wer die Band nicht spätestens bei dieser Tournee live sieht, lässt sich garantiert so einiges entgehen!

Radio Havanna: „Unsere Stadt Brennt“-Tour #03

  • 11.03. – DE: Jena, Kassablanca
  • 12.03. – DE: Amberg, Laut gegen Nazis Festival
  • 17.03. – AT: Innsbruck, Weekender
  • 18.03. – CH: Solothurn, Kofmehl
  • 19.03. – DE: Ulm, Musikmarathon
  • 03.04. – DE: Bonn, GREEN JUICE Special #1
  • 08.04. – DE: Frankfurt, Elfer
  • 09.04. – DE: Warendorf, IFAN Musik-Festival
  • 30.04. – DE: Berlin, Bi Nuu

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