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Bildquelle: ADD ON MUSIC

RAF ist zurück. RAF Camora, um genau zu sein. Mit „Ghost“ präsentiert der Produzent und Rapper sein erstes Soloalbum seit drei Jahren. Eine lange Zeit, doch diese scheint RAF genutzt zu haben, um sich und seinen Sound noch mal ein gutes Stück weiterzuentwickeln.

Das muss man jetzt definieren. In der Vergangenheit hieß das für viele Rapper: Ich mache jetzt mal richtige Musik mit Gitarren. Im Falle von RAF Camora bedeutet dies jedoch, dass das Soundbild‚ noch stringenter geworden ist. Dass die vorhandenen Stärken noch besser zur Geltung kommen im Vergleich zu älteren Werken. Kurz und knapp ist RAF besser geworden.

Das dies überhaupt möglich war, ist zunächst schon beachtlich. Für mich war RAF seit jeher derjenige, der anderen Künstlern in Sachen Produktion und Sound immer einen Schritt voraus war. Daher habe ich ihn auch immer als rappenden Produzenten verstanden, und nicht umgekehrt. Heute sind die Grenzen da kaum mehr zu trennen.

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Foto: Farido Davis

Auch wenn nicht jeder diese kehlige, tiefe Stimme feiert, sind die Songs hervorragend geschrieben. Und das Konzept des Albums geht von vorne bis hinten auf. RAF sagt selbst auf dem als Intro fungierenden „R.R.B.B.“:

Vergleiche meine Mukke nicht mit Rap,

du und deine Kumpels machen Tracks.

RAF Camora – R.R.B.B.

Das klingt erst weit hergeholt, doch trifft den Nagel dann doch auf den Kopf. Der Wahl-Berliner denkt einfach größer.

Jeder Titel hat seinen Aufhänger, der zwar nicht zwanghaft abgearbeitet wird, doch spätestens im Refrain wieder vollends aufgeht. Natürlich ist das Album düster. RAF bewegt sich in einer technoiden Welt, in der er als Einziger klarsieht. Alltagsprobleme, Rap-Szene, Frauen. RAF weiß wie der Hase läuft und ist sich auch eigener Makel bewusst. Der entstehende Konflikt ist häufig der zentrale Punkt.

Stilistisch orientiert sich RAF natürlich am französischem und US-amerikanischem Sound der Stunde. Es werden allerlei Reim-Patterns und Flows ausgepackt, die so in Deutschland dann tatsächlich noch nicht gehört wurden – sehr erfrischend. Dazu kommen dann die typischen Reggae-Einflüsse und es gibt sogar ein paar selten gehörte, „fröhlichere“, fast poppige Titel.

Absolute Perlen sind meiner Meinung nach die bereits bekannten Singles, „Ghost“ und „Geschichte“, sowie „Creator“, „Verzeih Mir“ (mit einem äußerst gut aufgelegten Farid Bang) und „Nummer“. Tolles Konzept für einen Song. Wie häufig wird man auf eine Zahl reduziert, während die Persönlichkeit dahinter kaum mehr Bedeutung zugesprochen bekommt?

Fazit: „Ghost“ ist das bisher beste Album von RAF. Seine Diskographie ist lang und über seinen ureigenen Stil muss man nicht mehr reden – entweder man mag ihn oder nicht. Dennoch kann man nicht leugnen, dass jeder Song schlüssig ist und sich perfekt in die Tracklist eingliedert. Das macht letztendlich ein sehr gutes Album aus.

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