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Fotos: Marcel Sigmann & Babak Kidney, noisiv.de

Seit fünf Jahren wohne ich nun schon in dieser wunderschönen Stadt im Norden, doch diese Straße wird für mich wohl immer ein mittelgroßes Mysterium bleiben: Die Reeperbahn. Sagenumwobene Meile im Herzen Hamburgs und Abenteuerspielplatz für vergnügungssüchtige Halbstarke. Eben dort fand das Reeperbahn Festival statt. So hieß es bereits am Mittwoch: „Segel setzen!“ und Seemannslieder singend holte ich mein Festival-Bändchen ab.

Awards und die drangsalierten Gurr

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Ein wenig verschwitzt und definitiv underdressed traf ich bei der Eröffnungsveranstaltung des ANCHOR International Music Awards 2016 ein. Ich hatte mich bereits mit einer trockenen und langweiligen Präsentation angefreundet, wurde jedoch glücklicherweise eines besseren belehrt. Nach einem Bier auf Kosten des Hauses (Firma dankt!) führte Kylie Olsson charmant durch den Abend und begrüßte unter anderem RBF-Organisator Alexander Schulz sowie die Jury um Tony ViscontiY’Akoto und andere.

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Jeder der Gäste hatte ein kleines Souvenir dabei, dass seine Verbundenheit zur Musik ausdrückte. Für die lustigste Geschichte des Abends zeichnete sich Emiliana Torrini („Jungle Drum“) verantwortlich: Während ihrer Schulzeit war ihre Lieblingsband in der Stadt, doch Mama Torrini war mit der geplanten Abendgestaltung der Heranwachsenden kaum einverstanden. Auf leisen Sohlen schlich sich Emiliana dennoch heraus und feierte ausgelassen beim Konzert. Sogar auf die Bühne geholt wurde sie, doch als der die-hard Fan spätabends nach Hause kam, wurde sie bereits erwartet. Der Grund: Das Konzert wurde im Fernsehen übertragen und Emiliana war natürlich nicht zu übersehen. Folgerichtig hatte sie das Ticket von damals an diesem Abend mitgebracht.

Drangsal

Nach einigen Konzerten und Beinen schwer wie Blei trat ich die Radfahrt nach Hause an. In den Knochen hatte ich Auftritte von Declan McKenna und Drangsal. Highlight des Abends war jedoch die berauschende Show der beiden Mädels von Gurr. Der erste Tag begann also schon mal vielversprechend.

Tolles Konzert in der Kirche

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Neuer Tag, neues Glück, neues Kush im Grinder: Zwischen knapp bekleideten Damen und torkelnden Junggesellen stürzte ich mich erneut in die Menschenmenge. Es war bereits Freitag, nachdem ich am Donnerstag unter anderem einen Wahnsinns-Auftritt der Young Blood Brass Band bestaunen durfte.

Nun stand eines meiner persönlichen Highlights an und ich wurde nicht enttäuscht: Jez Dior nahm den Moondoo Club auseinander. Der US-Amerikaner sprang von der Bühne, durch die Menge, auf Deko-Elemente und wieder zurück. Das war alles, nur kein gewöhnliches Rap-Konzert – bezeichnet er seine Musik doch schließlich selbst als „Grunge-Rap“, wie er mir später im Interview erzählen sollte. Das war übrigens ähnlich unkonventionell wie das Konzert, aber dazu mehr an anderer Stelle!

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Danach ging es atemlos weiter und nachdem ich in stilvollem Ambiente der Dripbar einen Drink genießen durfte (Cold Brew Coffee mit Tonic – absolute Empfehlung!), wartete Helgi Jonsson zwar nicht hinter der nächsten Ecke, doch recht nah in der St. Pauli Kirche auf mich. Selten habe ich ein so schönes Konzert erlebt! Auch wenn die Kirche vermutlich voller war als bei jeder Sonntags-Messe, war die Stimmung sehr intim. Dabei präsentierte der Isländer sowohl Songs seiner kürzlich veröffentlichten „Vængjatak”-EP, als auch ältere Songs, bei denen er auf die Unterstützung seiner Band zählen konnte. Dazu gehörte übrigens auch seine nicht ganz unbekannte Frau Tina Dico!

Selten vergingen vier Tage so schnell

Am Samstag war der Spuk schon wieder vorbei. Es gab unglaublich viel gute Musik und ich habe sehr viele Menschen treffen dürfen. Ein Highlight benennen zu müssen wäre unmöglich. Parallel zu den geschilderten Konzerten und Ereignissen wurden vom unserem Kompetenten Film-Team neue Sessions aufgenommen und natürlich habe auch ich noch weitere Konzerte besucht, die eigentlich alle zumindest einer Erwähnung wert gewesen wären. Einige der Künstler findet ihr übrigens in der folgenden Galerie. Mit dabei: Von Wegen Lisbeth, Maeckes und Tristan Brusch, Julian Philipp David oder Konni Kass. Schön war’s!

Fotos vom Reeperbahn Festival