Eine Band, die mich 2017 wahrscheinlich am meisten überzeugt hat? Das sind Pabst, die ich nur durch Zufall entdeckt habe. Das Dreiergespann aus Berlin hat es irgendwie auf das Reeperbahn Festival geschafft und wurde zudem für den Anchor Award nominiert.

Mit ihrer Musik erinnern sie mich an Zeiten von Nirvana und Co. und lassen damit den Grunge wieder aufleben. Ich hatte das Vergnügen, Erik, Tore und Tilman im Molotow zum Interview zu treffen.

Fotos: Charles Engelken

Ich muss leider gleich eine ganz doofe Frage zum Einstieg wählen, aber von euch kann man ja noch nicht so viel lesen oder sehen. Ihr heißt ja offensichtlich Pabst, kommt das zufällig von dieser „Wir sind Papst“ Geschichte?

Erik: Ne, das wird ja auch anders geschrieben. Der Papst ist ja mit P.

Oh Gott, stimmt, das ist mir noch gar nicht aufgefallen!

Erik: Ich war in New York auf einer Party wo es umsonst Pabst Brewer Bier gab – so ein Billig-Bier. Das Sterni der USA so ungefähr. Da haben wir ca. 10 Dosen von getrunken und einfach gar nichts gemerkt – und irgendwie fand ich das so ein geiles Ding. Dann haben wir die Band gegründet und hatten direkt den Namen.

Und die anderen mussten damit leben?

Tore: Das war schon cool so.
Erik: Wir haben nur leider nicht geahnt, dass so viele Leute so mit Nachnamen heißen. Wir bekommen jetzt dauernd Mails mit „Warum heißt ihr denn Pabst? LG Matthias Pabst“. Voll witzig, viele kaufen deshalb die T-Shirts weil sie so heißen.

Erik und Tore, ihr hattet beide vorher schon eine Band die eher elektronisch ausgerichtet war. Wie kommt man denn dazu, wenn man eigentlich Elektro-Musik macht, „sowas“ zu machen?

Tore: Wir sind ja auch eher mit Rock-Musik und Punk aufgewachsen. Das war halt nur eine Sache die wir mal gemacht haben. Wir haben trotzdem immer die Musik, die wir jetzt machen, auch immer gehört und jetzt halt wieder gemacht. Ich sehe da nicht so …
Erik: … den Widerspruch da drin. Dieses Elektro-Ding war zumindest damals voll interessant und dann haben wir das halt versucht, aber so richtig sind wir da nie rein gekommen. Und irgendwann war dann die Stimmung so ein bisschen „Ach man ey, lass uns jetzt mal wieder ein bisschen Gitarren- und Schlagzeugmusik machen“ – das war gerade deswegen so.

Tilman, du bist dann ja später dazu gekommen – aber ihr werdet ja vorher schon Songs gehabt haben. Hat sich dieser ganze Songwriting-Prozess seitdem verändert oder wie läuft das jetzt bei euch?

Erik: Naja, jetzt sind wir halt eine Person mehr. Es ist schon so, dass ich die meisten ersten Ideen habe – es ist jetzt nicht so, dass ich sage „Ich mach das jetzt.“ Ich komme da an und spiele was vor, aber jetzt haben wir auch Songs wo der Song mit dem Bass angefangen hat oder so.
Tilman: Ich habe eigentlich gedacht, dass ich nie einen Pabst Song schreiben könnte, als ich in die Band aufgenommen wurde – hab ich bisher eigentlich auch gar nicht (lacht), aber den ersten Teil dazu beigetragen.
Erik: Aber wir haben auch noch nicht so krass viele neue Songs geschrieben, deshalb kann man das auch noch gar nicht so sagen.

Ihr seid für den Anchor Award nominiert, ich kenne mich da nicht ganz so gut mit aus, aber da muss man sich selbst bewerben, oder?

Erik: Wir haben vorgestern auch gefragt, wie es überhaupt dazu kam.
Tore: Weil wir uns nicht beworben haben.
Erik: Wir haben halt einen Freund, der sich viel darum kümmert, dass wir Auftritte kriegen. Und der hat uns natürlich bei vielen Festivals vorgeschlagen und meinte, dass das Reeperbahn Festival leider abgesagt hat. Und dann gab es diese „Wunderkinder“, da haben wir am Mittwoch gespielt. Das ist eine staatlich gefördertes Projekt, um deutsche Künstler zu pushen. Dafür wurden wir dann zugelassen und irgendwie bewirbt man sich dann automatisch für den Anchor Award oder so, wenn man sich für das Festival bewirbt. Dann sucht da so eine Jury aus einem Pool von 50/60 Bands, die in das Muster Newcomer passen, diese acht Bands aus. Wir verstehen das selber auch noch gar nicht.

Ihr wurdet die letzten Tage auch viel mit Kameras begleitet und unter anderem wurde euer Auftritt im Molotow gefilmt. Ist das dann ein anderes Gefühl zu performen?

Erik: Das war eigentlich gar nicht so das Problem. Es ist eher so, dass man halt checkt, da sind mehr als die Hälfte des Publikums gar kein richtiges Publikum, sondern alles so krass wichtige Menschen aus aller Welt mit so Blöcken, die ihre Kreuze machen. Das war eher der Eindruck. Da ist es dann auch egal, dass da eine Kamera ist.
Tilman: Oder andersherum. Da standen gestern ja auch Kameras direkt an der Bühne, die dann quasi auch direkt ins Publikum rein gefilmt haben; und wir hatten eher das Gefühl, dass die Leute dadurch eher ein bisschen gehemmt waren.
Erik: Genau, du willst ja nicht aussehen wie der letzte Spacken und willst wahrscheinlich auch nichts kaputt machen.

Welchen Song performt ihr persönlich denn am liebsten live? Mal abgesehen davon, was die Leute am liebsten hören wollen.

Tilman: Ich stehe voll auf „Bias“, der ist halt so mega simpel der Song, also für mich! Zumindest bei dem Part wo man voll reindreschen kann und dann muss ich halt gar nicht nachdenken und kann einfach nur den Kopf aus und Beine an machen – dann ist für mich alles egal.
Erik: Für mich ist der Song am schwersten. Da hab ich mir gesanglich ganz schön was zu Recht gelegt. Das ist auch der Song, bei dem ich am Längsten gebraucht habe, ihn auf die Reihe zu kriegen. Man nimmt dann sowas auf und wenn man den live spielt, merkt man dann, dass es schon krasser ist dazu zu singen. Für mich wäre dann eher ein neuer Song, der „Exciter“ heißt, etwas. Der ist auch in so einer Live-Situation entstanden und dadurch ist der für mich voll easy.
Tore: Ich spiele den ruhigen Song „Members Only“ ganz gerne, weil ich da relativ wenig zu tun hab (alle lachen).
Tilman: Auch geil, alle Songs wo man nix zu tun hat spielen wir gerne.

Eure EP „Skinwalker“ habt ihr quasi DIY im Studio des Vaters deiner (Erik) Freundin aufgenommen. Macht ihr das bei eurem anstehenden Album wieder so?

Erik: Das Album soll ungefähr im April rauskommen und da machen wir das auf jeden Fall wieder so. Der checkt das halt und kostet nicht so viel.

Was war das prägendste Konzert eures Lebens?

Erik: Boah, ich glaube das waren bei mir Brant Bjork. Die gibt es glaube ich auch noch. Der war früher bei Kyuss der Schlagzeuger und dann hat der ein Solo-Projekt gemacht und das war irgendwie so voll der komische chillige Typ. Und da war ich richtig überzeugt früher als ich den live gesehen habe und dachte, man, sowas will ich auch machen. Das war der Moment wo ich dachte, Live-Musik ist voll geil.
Tore: Bei mir war das, glaube ich, The Mars Volta 2003, das weiß ich noch ganz genau – im SO36. Das war einfach von einem anderen Stern und hat mich total gecatcht.
Tilman: Ich kann gar nicht so weit in die Vergangenheit blicken. Aber was mich zuletzt am meisten geflasht hat, wäre wahrscheinlich Tame Impala in der Columbia Halle – aber einfach weil ich so ein mega Fanboy bin. Ich weiß gar nicht, ob das Konzert so geil war, aber ich war einfach … Das war schon mega fett!

Wie wichtig ist euch denn euer Bühnen-Outfit? Gestern hattest du, Erik, ja ein Usher T-Shirt an.

Erik: Das hab ich mir echt gekauft weil ich es so blöd finde. Also, das ist so cool bekloppt. Wenn ich das bei sowas an habe und dann wird das auch noch gefilmt –  voll geil!

Überlegt ihr euch vorher genau, was ihr euch anzieht?

Tore: Nö, ich hab auch immer nur eine Jeans dabei und wenn wir dran denken, haben wir Unterhosen für jeden Tag dabei. Ich hab letztendlich meinen Rucksack beim Konzert in Köln verloren, da waren drei T-Shirts drin – ich besitze sehr wenig Kleidung, jetzt besitze ich noch weniger Kleidung – insofern habe ich nicht so das Bedürfnis und auch gar nicht die Chance mich damit auseinander zu setzen.

Euer Schlusswort.

Erik: Danke für´s Interview und danke für´s interessiert sein!

Vielen Dank für das nette Gespräch! Ich bin gespannt, wann es wieder etwas von euch zu hören gibt und bin beim nächsten Konzert ganz sicher dabei!