Das Reeperbahn Festival liegt schon eine Weile zurück, umso schöner ist es doch, Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.
Am Freitagnachmittag traf ich mich mit TUYS, doch leider hatte die Band auf der Fahrt einige Probleme und musste nach ihrer Ankunft schnell zum Soundcheck, weshalb wir das Interview einfach eine Stunde später nachholten. Nachdem ich es mir draußen bei schönstem Wetter vor der Großen Freiheit 36 mit einem Bierchen gemütlich gemacht hatte, ging es dann auch endlich los.

TUYS ist eine aufstrebende Indie-Band aus Luxemburg mit einem starken Sound und einer überwältigenden Live-Performance. Sam (Gesang/Gitarre), Tun (Gitarre), Yann (Bass) und Kay (Drums) durften in diesem Jahr bereits auf dem Dockville Festival spielen und konnten im Rahmen des Reeperbahn Festivals auch gleich zwei erfolgreiche Auftritte zum besten geben. Am 1. und 2.12. kommen die vier Jungs für zwei eigene Shows zurück nach Deutschland und statten auch Hamburg wieder einen Besuch ab. Am Ende des Interviews erfahrt ihr mehr dazu, aber erst einmal erzählen euch TUYS von ihren Einflüssen, ihrer aufregenden Hinfahrt und warum es sich lohnt, sich manchmal ein wenig Zeit zu lassen.

Ich habe gehört, dass ihr eine ganz tolle Hinfahrt hattet, vielleicht könnt ihr mal kurz erzählen, was euch passiert ist. 

Sam: Wir sind heute morgen gegen 7 los, hatten Stau und haben uns verfahren, weil das Navi verrückt gespielt hat – es waren alle voll am stressen, weil wir noch Instrumente von einer anderen Band dabei hatten. Wir haben auch so schnell gemacht wie möglich, aber als wir dann endlich auf der Zielgeraden waren, so 70-80 Kilometer vor Hamburg, wurden wir von der Polizei angehalten weil wir mit Anhänger überholt haben. Dann standen wir da wieder eine halbe Stunde und mussten 100€ bezahlen und dann ging es wieder los. Und er (Tun) hat dann auch noch eine witzige Geschichte.

Tun: Ich bin von Madrid hier her geflogen. Ich hatte eigentlich einen Direktflug gebucht aber der ist gecancelt worden und dann musste ich über London nach Hamburg.

Hast du in Madrid Urlaub gemacht?

Tun: Nein, ich studiere da.

TUYS bedeutet Einigkeit und Zusammenhalt und ist ein Wort aus dem Buddhismus. Jetzt frage ich mich, wie ihr darauf gekommen seid, ein Wort aus dem Buddhismus zu nehmen?

Tun: Ich habe damals sehr viel Hermann Hesse gelesen, ein Buch von ihm heißt „Siddhartha“ und da kommt das vor. Wir haben immer nach dem gesucht, was uns als Gruppe eben verbindet. Wir spielen seit 10 Jahren Musik und das ist immer dieser Zusammenhalt gewesen. Die Musikrichtung hat sich zwar verändert, aber das Grundgerüst ist das selbe.

Ihr habt euch in der Schule gegründet und keiner von euch – außer Yann, der aber auch später dazu kam – hat ein Instrument gespielt.  Wie habt ihr euch entschieden, wer welches Instrument spielt?

Sam: Eigentlich war das von Anfang an klar. Am Anfang waren das wir drei (Tun und Kay) und er (Kay) wollte schon immer Schlagzeug spielen. Und ja, ich weiß nicht, es war einfach so aufgeteilt und das war klar.

Tun: Kay hat in der Schule schon immer auf etwas herum getrommelt und dann hat sich das ganz natürlich ergeben. Es blieb dann einfach nicht mehr viel übrig und dann hatten wir…

Sam: Wir haben dann eine Münze geworfen.

Wer Gitarre spielt und wer Bass?

Tun: Wir spielen beide Gitarre, Yann ist dann später dazu gekommen.

Ihr macht ja eigentlich Indie-Musik, aber ich finde, dass ihr euch sehr britisch anhört. Wo kommen denn eure Einflüsse her?

Tun: Das ist ganz verschieden. Das hängt bei jedem ein bisschen davon ab. Aber ein paar Briten sind auf jeden Fall dabei, zum Beispiel The 1975, Two Door Cinema Club, aber wir hören allgemein sehr verschiedene Sachen – vom deutschen Hip-Hop bis Math-Rock ist viel dabei.

Ihr habt dieses Jahr ganz schön viele Festivals gespielt, seid ihr denn jetzt noch alle in der Schule? Wobei Tun studiert offensichtlich.

Sam: Wir sind noch in der Schule. Wir (Sam und Kay) sind in unserem letzten Jahr und Yann hat noch zwei Jahre.

Wenn ihr dann Auftritte habt, macht ihr das dann nur am Wochenende oder bekommt ihr frei?

Yann: Für heute haben wir zum Beispiel freibekommen. Und morgen Nacht spielen wir noch im Molotow und fahren dann Sonntag ganz früh nach Hause, weil ich Montagmorgen um 8 wieder Schule habe.

Oh je, dann mal viel Spaß!

Viele Fragen sich, wann endlich euer Album kommt. Ihr habt ja auch schon 2 EPs veröffentlicht, aber wie findet ihr denn die Zeit zum Songs schreiben, wenn ihr noch zur Schule geht und du (Tun) in Madrid studierst?

Tun: Das klingt schon ein bisschen komisch, ja. Wir haben vor einem Jahr sehr viel geschrieben und wir haben auch schon ein komplettes Album aufgenommen, haben uns dann aber dazu entschieden, eher Singles zu veröffentlichen und im nächsten April dann wahrscheinlich wieder eine EP. Wir wollen einfach ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen Song setzen – wir haben Angst, dass wenn wir ein Album herausbringen, viele Songs untergehen.

„Wir haben Angst, dass wenn wir ein Album herausbringen, viele Songs untergehen.”

Ich glaube, dass ganz, ganz viele neue Bands es gerade so machen, dass sie erstmal „nur“ EPs veröffentlichen und sich lieber etwas Zeit lassen. 

Tun: Wir suchen halt auch noch Partner, dafür ist das Reeperbahn Festival auch gut. Und deswegen ergibt es auch Sinn, regelmäßiger Singles zu veröffentlichen als ein Album, dann wäre mit einem Mal alles raus.

Jetzt habe ich ein paar allgemeine Fragen, die ich auch einigen anderen Bands auf dem Reeperbahn Festival schon gestellt habe.
Was ist der beste Gegenstand, den ihr jemals gekauft oder geklaut habt?

Tun: Ich habe vor einer Woche einen Olivenbaum geklaut! Das fand ich ziemlich cool. Ich bereue es mittlerweile ein bisschen, aber er ist einfach cool!

Kay: Ich glaube Yann hat mal in Frankreich …

Yann: Oh nein! (lacht)

Kay: … echt so typisch ein Klischee erfüllt. Er hat von einem Mercedes-Auto vorn diesen Stern abgebrochen. Ich finde das einfach – ich mein, das ist drei Jahre her – das ist das was man gemacht haben muss, wenigstens einer von uns! Aber mir fällt so nichts ein. Der coolste Gegenstand den ich gekauft habe …

Tun: Ach! Kaufen war auch dabei? Warum haben wir das dann mit dem Klauen gesagt? Klauen ist definitiv nicht so die Lösung! Was haben wir denn schönes gekauft? Musikinstrumente! Aber beim Klauen fällt uns mehr ein … (alle lachen)

Was liebt ihr, was alle anderen hassen?

Sam: Tokio Hotel!

Neein! 

Kay: Ich bin seit klein an – das ist jetzt vielleicht sieben Jahre her oder so (lacht) – ich war echt immer Tokio Hotel Fan.

Yann: Ja, ich auch. Aber ich hab da noch was anderes! Ich hab so eine App heruntergeladen und ich liebe sie – da sind so Sounds von einem Faultier aufgenommen und das nervt jeden! Mir gefällt es halt, ich kann es dir gerne mal zeigen [ich bekomme komische Faultier-Geräusche zu hören]. So hört sich ein Faultier an, und das nervt jeden.

Ok, und damit kann man sich jetzt ganz viele verschiedene Faultier-Geräusche anhören?

Yann: Nein, nur sechs! (alle lachen)

Wie wichtig ist euch euer Bühnenoutfit?

Tun: Wir haben uns alle heute morgen sechs Stunden fertig gemacht.

Sam: Wir werden dann auch immer geschminkt. Nein – also ich zieh immer das an, was ich auch normalerweise anziehe.

Tun: Wir haben nicht wirklich Bühnenoutfits würde ich sagen.

Sam: Wenn wir sieben Stunden im Auto sitzen, dann bin ich der einzige, der immer ne Jogginghose an hat. Das ist das einzige was ich wechsel, in der spiele ich dann nicht.

Und bei dir Kay?

Kay: Nein, eigentlich nicht. Ich ziehe mich auch so an wie immer.

Sam: Er zieht sich auch eher aus. Wenn er richtig Bock hat, dann zieht er sich aus.

Möchtet ihr noch etwas loswerden?

Yann: Klauen ist definitv schlecht!

Tun: Genau, wir müssen unsere Moral aufrecht erhalten.

Sam: Und es gibt einen Song von Rupert Holmes, der Piña Colada Song, der muss viel mehr gehört werden!

Tun: … und „Dolce Vita“ von Ryan Paris, das sind so Songs, die laufen bei uns immer im Auto. Dann sind zwar immer noch alle genervt, aber es geht besser.

Und dazu ein paar Faultier-Geräusche und alles ist wieder gut!

Ich danke euch dafür, dass ihr noch Zeit für mich hattet und freue mich schon sehr auf euer Konzert in der Hebebühne!

Gewinnt Gästelistenplätze für TUYS!

Am 1.12. spielen TUYS in der Hebebühne in Altona und am 2.12. im Auster Club in Berlin. Wenn auch ihr bei einem der Konzerte dabei sein wollt, dann habt ihr die Chance 2×2 Gästelistenplätze bei uns zu gewinnen. Schreibt uns einfach bis zum 26.11. eine Email an win@noisiv.de mit dem Betreff „TUYS“  und eurem vollständigen Namen und der gewünschten Stadt – schon landet ihr in unserem Lostopf. Wir wünschen allen Teilnehmern viel Erfolg!

Vergangenen Freitag erschien übrigens die neue Single „Talk“ und nächsten Freitag erscheint dann das dazugehörige Video. Man darf gespannt sein!