Fotos: Charles Engelken, noisiv.de

Jedes Jahr lockt das Reeperbahn Festival unheimlich viele Menschen aus aller Welt nach Hamburg. Jedes Jahr lockt das Reeperbahn Festival unheimlich viele Bands aus Hamburg. Und jedes Jahr verwandelt sich St. Pauli für eine halbe Woche zu einem kochenden Kessel. 600 KünstlerInnen, 80 Bühnen, unzählige Panels und Diskussionen, der ANCHOR-Arward – für ein paar Tage fühlt sich Hamburg wie New York an.

Die KünstlerInnen und Bands kommen aus allen Genres und Größenbereichen, die man sich vorstellen kann. Auf der einen Seite stehen Acts noch ganz am Anfang ihrer Karriere. Sie sind der Kern des Festival-Konzeptes und spielen über die Tage hinweg verteilt oft mehrere Konzerte. Sie wollen und sollen entdeckt werden. Das Reeperbahn Festival dient und stilisiert sich als mögliches Sprungbrett für diese KünstlerInnen.

Metronomy

Auf der anderen Seite finden sich mittlerweile auch Acts, die sich ihren festen Platz im Musik-Business bereits gesichert haben oder aber zumindest drauf und dran sind, einen solchen Status einzunehmen. Internationale Erfolge sind dann keine Ausnahme mehr. Sie werten das Line-Up auf und bringen eine Menge Fans zum Festival, die sich dann wiederum auch an die (noch) unbekannteren Acts heranwagen.

Parcels

Beispiele gefällig? Am Mittwoch nehmen beispielsweise die britischen Punk-Newcomer Strange Bones das Molotow fast komplett auseinander. Lysistrata aus Frankreich tun es ihnen gleich im Grünen Jäger. Die Wahl-Hamburgerin Ilgen-Nur behauptete sich abermals als Publikumsliebling. Parcels wiederum brachten mit ihren Disco-Beats am Freitag die Große Freiheit 36 in Gänze zum Tanzen und Muse spielen ein, für ihre Verhältnisse, winziges Headliner-Konzert im Docks.

Das Reeperbahn Festival bot für jeden irgendwas – auch teilweise herrlich krudes. Hier kann es dann auch mal passieren, dass die Petrol Girls auf dem Spielbudenplatz und LIFE auf der hoch gelegenen Fritz-Bühne auftreten. Und ganz unbeeindruckt davon spielen die Bazzookas in ihrem eigenen Bus im Festival Village 15 Auftritte über alle Tage hinweg, um dann eines der letzten Konzerte des Festivals im Gruenspan zu geben.

Strange Bones

Bazzookas

An allen anderen Tagen des Jahres geltende Gesetze werden im Rahmen dieser vier Tage Mal um Mal zusammengeknüllt und weggeworfen. Man lebt mehr denn je für den Moment. All das zusammen entfaltet seine Wirkung und hat sich über all die Jahre hinweg herumgesprochen. Gerade in den letzten Jahren hat man an allen Ecken gemerkt, wie stark sich der Besucherandrang entwickelt hat. Dieses Jahr sah man nirgendwo Auftritte, die nicht mindestens gut besucht waren.

Das ist grundsätzlich eine gute Sache, birgt aber auch seine ganz eigenen Gefahren. Wer zum Beispiel unbedingt Muse sehen wollte, stand durchaus fünf Stunden vor dem Docks an, um dann am Ende vielleicht doch nicht in den Club zu dürfen, da dieser ohnehin schon aus allen Nähten platzt. „Ärgerlich“ ist wohl noch mehr als nett gesagt, wenn einem das passiert ist.

Nichtsdestotrotz: Auch, wenn man des Öfteren mal vor vollen Clubs stand und nicht mehr rein kam, geht man irgendwie doch auch dieses Jahr mit einem positiven Gefühl nach Hause. Das liegt vor allem an all den kleinen und unbekannten Bands, die man über das lange Wochenende hinweg kennenlernen konnte. Jedes Jahr nimmt man eine ganze Menge neuer Lieblingsbands mit. Der eigene Horizont wird in allen Richtungen erweitert. Ja, man ist nach vier Tagen voller Live-Musik in schwitzigen Clubs ausgelaugt und ein paar Tage Urlaub sind dann auch immer nötig. Trotzdem kommt man jedes Jahr freudig wieder zum Reeperbahn Festival zurück, um sich eine halbe Woche lang komplett in massenweise Live-Musik zu verlieren.

Amyl & The Sniffers