Wir schreiben das Jahr 1994, als das Weltmeistervollkornschwarzbrotpumpernickel (ihr wisst schon, die Dinger mit einer ganzen Palette verschiedener Körner und einer Diversität an Aromen..) einen handfesten Einzug in die Welt des eher weizenmehllastigen Lab(b)ertoasts hielt. Die Jungs, Texter und Rapper Textor und DJ Quasi Modo, die in den späten 80ern in ihren Kinderzimmern begannen, lieferten fetteste, komplexe, ja teils polyrythmische Beats, eingängige, aber nie 08/15-Melodien und Samples aus allerlei Quellen ab und boten Texte, an denen ein (zu Teilen) Sprachvergnügter wie ich wahre Freuden hat. Das Ganze hatte dann ein Ende, als man 2007 beschloss, dass man sich mit der Hip-Hop-Welt, in die sie sowieso zwar reingepasst haben, aber in der sie nie über den Kultstatus hinaus kamen, nicht mehr identifizieren konnte, man sprach wohl auf den ganze Kanackengangsterrap-Ich ficke deine Mutter, aber meine ist tabu, an, und man alles an den Nagel hängen sollte.

Aber sie konnten es nie sein lassen!

Im Jahr 2008 ging es mit Gastmusikern (fast) ohne Elektronik erneut auf die Bühne, um ein Unpluggedkonzert zu spielen; es folgte eine Liveplatte. Aber wer glaubte, dass es das war, der irrt gewaltig, denn Textor-nimmer-still und Quasi-muss-da-noch-mehr waren im Begriff, die Hip-Hop-Welt, in der größtenteils in engstirniger Art und Weise Musik erschaffen wird, ordentlich, wie ich finde, zu verhöhnen.

Am 7. August stellten sich die Ulmer mit ihrem Live-Schlachtzeuger Jürgen und einem gesamten Symphonieorchester auf eine Bühne in Wien und gaben nun wirklich ihr Allerletztes für diesen allerletzten Auftritt. Und es muss geil gewesen sein! Da verschmolzen doch tatsächlich zwei Hip-Hop-Künstler ihr Material mit einem Symphonieorchester und es klingt, als bräuchten sie ihre Gemächter nicht mehr, um sich Props zu verschaffen, ohne Frage haben sie dadurch aber keine Straßenkredibilität hinzugewonnen. Es ist eine gewaltige akustische Wand, was da von der Nadel in meine Boxen fließt und wird meine Nachbarn unter mir sicherlich kompromissbereit stimmen.
Man will gleichzeitig grooven und bei Streich- und Bläseranschlägen die Arme in die Luft reißen.
Denn die Jungs haben da wirklich was geleistet, was einen aber auch nicht wundern muss, denn die KiZi’s arbeiteten meistens mit Schlagzeuger und Textor hat klassischen Kontrabass studiert.

Am 21.10.2011 war es dann auch soweit, dass man das Unternehmen Wintergewitter in Vinyl geritzt und auf CD’s geschrieben und zum Anlass auch gleich die ersten beiden Platten „Die Erste“ und „Im Auftrag ewiger Jugend und Glückseligkeit“ neu aufgelegt hat.

Absolute Empfehlungen für alle Hip-Hop-Affine, Freunde von Crossoverexperimenten und sonstwie Interessierte!