Wer sich schon des Öfteren gewünscht hat, dass einer einen nach einer durchgefeierten Nacht in den Arm nimmt, weil es ihm körperlich scheiße geht und er realisiert hat, dass er, nur wegen harmlosen Koketierens mit einem Mädel, nicht gleich mit seinem „eigenen“ Schluss machen  musste. Für diese Jungs, und umgekehrt Mädels, ist diese Band.

Staring Girl hört man am Besten Sonntags, leicht bis stark verkatert, mit einem Verlangen nach Nähe und jemandem, der das Denken anregt. Diese Mischung repräsentieren die Kieler Geschichtenerzähler Staring Girl in Perfektion, ohne dabei prätentiös zu wirken, allein, weil sie so authentisch wirken, auch wenn das manchmal als Entschuldigung für mangelnde Bekanntheit daherkommt. Dabei thematisieren sie Trennungen, die angesprochene sonntagliche Melancholie, Burn-Out artige Zustände – wer keine Probleme hat, der denkt nicht nach scheint ihr Motto zu sein und beweisen dazu noch ein lyrisches Händchen.

Klanglich streichelnd verbinden sie Komponenten zwischen romantischem, amerikanischem Country und akustische Sitzkissen aus Hamburg. Da kommt schonmal ein zart besaitetes Banjo daher, eine Melodica bläst kühlen Nordwind in die Haare und deren Kompositionen ließen sich bereits mit meiner fernwehgeladenen Ukulele umsetzen.

Ich habe die Band beim Konspirativen Küchenkonzert entdeckt und vor zwei Tagen wurde ich informiert, dass im nächsten Jahr ein neues Album erscheinen soll. Mehr ist leider nicht bekannt, was das Ganze aber wert macht zu lesen, ist, dass es bereits ein Lied gibt, das auf einem kostenlosen Sampler des Labels Omaha Records zu hören ist. Auf die Augen gibt es aber erstmal die Performance, durch die ich sie kennengelernt habe, da ich im Folgenden über das Label schreiben werde und ihr dort auch Staring Girls neuen Song finden werdet.

 

Omaha Records ist ein mikroskopisch kleiner Fleck auf der Labellandkarte, gegen den kein Fleckenentferner einen Hauch einer Chance hat – und das ist gut so. Wären Musik und Geld Geschwister und Omaha und Records die Eltern; wir hätten eine äußerst seltene Elternkompilation, die ihre Liebe.. Sagen wir, man kann Liebe nicht mit Geld kaufen.

Die „Einwohner“, wie das Label seine Künstler willkommenheißend nennt, vermögen es, Löcher in die Schubladen zu bohren, in die man Musiker traditionell steckt, um zu atmen und genreexpansive Musik abzuliefern. Das mediale Flaggschiff des Labels ist auch der Ko-Betreiber Gisbertzu Knyphausen. Er steht aber nicht für ein reines Akustik-Singer-Songwriterlabel, denn die Musik, die das Label traditionell auf kostenlosen Samplern zum Download anbietet, bohrt sich in viele der genannten Schubladen und vereinnahmt sie zu Hauf. Auf dem neusten, der #7, findet ihr auch den neuen Song von Staring Girl, der auch auf derem neuen Album zu finden sein wird.

OMAHA records Compilation #7 nebenan ist auch nicht ohne by OMAHA records

Omaha Records sollte ein Beispiel für einen ganzen Industriezweig darstellen, schließlich reden wir hier über Kunst, menschliche Kreativität. Musik dieses Labels lohnt sich also für jeden, der es nicht mehr hören kann, wenn Zahlen Musik schreiben. Immerhin werden Noten in Buchstaben dargestellt.