Als sich dieses Trio unter den diesjährigen Nominees der 59. Grammy-Verleihung zusammenfand, war bei mir das Erstaunen erstmal groß. Wer ist diese Band, die sich in entscheidenen Rockkategorien neben Metallica, David Bowie oder Weezer reingeschmuggelt hat? Nach ein paar Durchgängen der aktuellen, im vergangenen November veröffentlichten Scheibe, „The Boy Who Died Wolf“, wurde mir vor allem eines klar: ein Fehler ist dem Grammy-Vorstand mit der Nominierung nicht unterlaufen. Highly Suspect haben großes vor.

„TBWDW“ ist eine Offenbarung in das Innenleben des Gitarristen und Frontmann Johnny Stevens, welcher gemeinsam mit den Brüdern Ryan (Drums) und Rich Meyer (Bass) vor acht Jahren das leidenschaftliche Projekt gründete. War das Trio 2009 noch als Coverband von Pink Floyd oder Jimi Hendrix im US-Bundesstaat Massachusetts unterwegs, fingen sie als bald damit an, an eigenen Songs zu schreiben und veröffentlichten eine Reihe von EP’s, dessen Songs auf dem selbstbetitelten Compilation-Album landen sollten. Spätestens seit „Mister Asylum“ sind auch diese Zeiten vorbei, und auch „TBWDW“ lebt von einem konsistenten Storytelling – schön, schwer und melancholisch.

Eine vergebene Suche nach dem Glück, der Liebe, einem Platz in der Welt. Einen, den er in New York nicht bekommen und in Kalifornien nicht finden sollte („Serotonia“). Der Schrei nach Freunden und Insiderjokes, die im Hier und Jetzt nicht mehr sind und auf der anderen Seite auf dich warten („For Billy“). Die Zeilen, die Stevens aufs Papier bringt, geizen nicht an persönlichen Referenzen, äußern sich Gig für Gig in neuen Therapiestunden. Es mag schon beinahe konfus, ja fast schon wie ein Fehler anmuten, von dieser Truppe erst durch so etwas wie eine Awardshow-Nominierung Notiz zu nehmen.

Johnny Stevens‘ Verzweiflung, Ängste und Wut finden auf „The Boy Who Died Wolf“ immer wieder statt, auch vereinzelte Hoffnungsschimmer auf verblasste Liebschaften („Chicago“) finden Platz. Das heißt, wenn sie nicht gerade in epische Solimomente untergehen („Serotonia“), von denen man dieser Tage nicht genug abbekommen kann. Das Spiel des Trios bedient sich großzügig an einer guten Dosis Classic und einem dichten Hauch von Stoner Rock („Postres“), wirkt dabei aber zu keinem Zeitpunkt altbacken. Nicht ungewöhnlich, denkt man an die Vergangenheit der Band als Coverband in ihrer Heimat Cape Cod zurück.

Insbesondere auf „Postres“ scheinen die Einflüsse so stark durch, wie auf keinem anderen Moment auf „The Boy Who Died Wolf“: Man könnte meinen Josh Homme himself werfe sich mit seinem markanten Falsetto über Gitarre und Orgel. „Höchstverdächtig“ also? Denkste. Highly Suspect breiten auf ihrer zweiten Studioplatte einen Sound aus, der sich irgendwo zwischen Respekt, Hommage und einem Platz auf den großen Bühnen dieser Erde einmal wiederfinden wird.

Das Beste zum Schluß: Die Jungs sind nächste Woche endlich auch in Deutschland unterwegs, noisiv.de wird unter Anderem beim Hamburg-Gig im Molotow am 1. März mit von der Partie sein.

„The Boy Who Died Wolf“ ist am 18. November via 300 Entertainment erschienen.

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