Roger_&_Schu_2_by_Christoph_Neumann

Foto: Christoph Neumann

Roger & Schu – zwei Jungs, die einst im Reihenhaus nur 6 Meter 90 von der Party Safari entfernt wohnten und mit den Taschen voller Sonnenschein ihre Better Life GmbH gründeten. Eine ganze Menge Hits, die der gute, alte Blumentopf aus München dem deutschen Rap bescherte. Doch nun steht die Zukunft der Crew, die quasi von Beginn an Hip Hop in Deutschland prägte, in den Sternen – nach dem jüngst erschienen Kollabo-Album mit den ebenso lang agierenden Österreichern von Texta scheint zunächst kein neues Werk vom Rapper-Quartett und DJ Sepalot geplant. Letzterer tobt sich schon länger mit Solo-Produzentenalben wie dem tollen „Black Sky” aus, Holunder hat seinen Doktortitel im Sack und was bei Cajus so läuft, ist nicht übermittelt. Doch die zwei Topf-MCs Roger & Schu können es nicht lassen und legen nur sieben Monate nach „TNT” ein Duo-Album nach: „Clap your Fingers” erscheint am kommenden Freitag bei Showdown Records.

Gleich zu Beginn bereiten die beiden dem im Hip Hop omnipräsenten Viervierteltakt eine Ode: In ebendiesem schraubt Produzent Maniac einen groovenden Beat mit peitschenden Drums und tiefen Synthies, auf dem Schu sich eingestehen muss: „Das war vor zwanzig Jahren so und ist heute nicht anders – denn mein Flow ist so flexibel wie ein deutscher Beamter!” Tatsächlich klingen die Raps, die Roger & Schu auf ihrer Platte parat halten, etwas aus der Zeit gefallen – Wie-Vergleiche und Reime auf der 2 und der 4, doch wie optimal sie ihr Hand- bzw. Mundwerk beherrschen, merkt man den beiden Rapgrößen und nicht zuletzt auch Freestyle-Talenten ganz deutlich an! Da muss es eben nicht immer die maximale Progressivität sein. Stattdessen blättern die beiden weit zurück im Tagebuch in „Gettin‘ busy”, das von jugendlichem Skateboardfieber, Aknecreme und der rettenden Erscheinung namens Samantha Fox zu berichten weiß. Diese Zeit „Kommt nicht mehr zurück”, doch im so betitelten Track beweisen sie dafür umso mehr, dass das alte Blumentopf-Feeling durchaus nochmal zurückkommen und für Freude sorgen kann! Auf Basis eines Vocal-Cuts einen stimmigen Track zaubern, das konnten sie schon immer und so steht der Song in einer Reihe mit Klassikern wie „Jeder zweite linkt dich” und „Liebe & Hass”. Erstaunlich, wie gut das im Jahr 2015 noch immer funktionieren kann!

Ganz so weit entfernt von der heutigen Zeit sind die good old days eben doch nicht, denn „deine Jungs holen New Balance aus ’nem Pop-Up-Store in Mitte, meine holen die gleichen aus dem Keller aus ’ner alten Kiste!” Zwar gibt es wohl wirklich kaum noch jemanden, der ihre Jungs noch Jungs nennt, doch eine herrliche Videosingle haben Roger & Schu ihnen mit „Deine Jungs / Meine Jungs” gemeinsam mit Sänger Adriano allemal beschert. Roger_&_Schu_-_Clap_Your_Fingers_-_Low-Res-CoverMacht Spaß, selbst wenn man alterstechnisch noch recht weit von den beiden und ihren Jungs entfernt ist. Für die zwei MCs lässt es sich aber offensichtlich auch ganz gut freimachen von altersbedingten Erscheinungen, denn Rap ist ihre „Insel” und statt dort den Kopf in den Sand zu stecken, haben sie lieber dieses wirklich gelungene Album gemacht! Ob sie die Köpfe ihrer Hörer mit „Schieb die Luft” zum Nicken, mit „Funky & Frech” zum Grinsen oder auch mit „DPM” zum Nachdenken bringen wollen – sie schaffen es mit Bravour. Roger & Schu machen alles richtig, lassen den Zeitgeist außer Acht, um lieber nochmal „Eins für die Beats, zwei für die Raps” zu geben und sich daraus ein rundum wunderbares Album zu formen. „Macht was ihr wollt, wir machen das so” heißt es in „Die Art” und so klingt ihre Scheibe auch: Die neuen Strömungen der Rapmusik haben sicher ihre Berechtigung und werden von den beiden Enddreißigern auch wertgeschätzt, doch statt mit dem eigenen, nun in kleinerer Besetzung schippernden Boot die Segel nach dem Wind auszurichten, verharren sie noch ein wenig in dem, was sie lieben und ganz offensichtlich noch immer richtig gut können. So setzen sie ihrer smoothen, aber durch und durch mitreißenden Bootstour namens „Clap your Fingers” dann auch ein Ende mit Zeilen wie diesen:

„Weiter geht’s! Immer der Nase nach, hier entlang! Schau‘ dir meine Clique an – fresh aber hirnverbrannt!”

Bitte bitte, lieber Flo und lieber Roger, lasst das Hirn noch etwas weiter brennen und haltet für uns die Stellung in der alten Schule des deutschen Raps – denn wenn das so klingt, kehrt man doch immer wieder gern dorthin zurück!

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