Im Dezember waren die Rogers noch mit Callejon und Vitja drei Tage auf Tour und die letzten Wochen tourten sie zusammen mit Jennifer Rostock durch das Land.

Stillstand – ein Fremdwort für Chri, Artur, Nico und Dom aus Düsseldorf. Der Punkrock der Jungs ist ehrlich, laut und „mitten ins Gesicht“. Ihr aktuelles Album „Nichts Zu Verlieren“ dürfte dieses Jahr auch endlich einen Nachfolger bekommen. Etwas erzählerischer und wohl auch etwas poppiger – aber keine Sorge, es wird nicht an Härte verlieren, wie mir im Gespräch verraten wurde! Genaueres erfahrt ihr im nachfolgenden Interview!

Ich habe die Rogers im Dezember bei ihrem Konzert mit Callejon und Vitja in der Markthalle in Hamburg nach dem Sport abgefangen und das kam dabei heraus:

Ihr habt im November den zweiten Teil eines Videos veröffentlicht, welches aus den beiden Cover-Songs „Meine Soldaten“ und „Mit dem Moped nach Madrid“ besteht. Zunächst einmal würde mich interessieren, warum ihr gerade diese beiden Songs ausgewählt habt?

Chri: Bei „Meine Soldaten“ fand ich den Text einfach immer furchtbar interessant und ich fand´s cool, weil es einfach mal was anderes war, weil man aus einem anderen Genre heraus gecovert hat. „Mit dem Moped nach Madrid“ wollte ich auch machen, weil ich den Song irgendwann mal gehört habe und der mir sehr zugesagt hat. Ich bin früher gerne Moped gefahren! Und Madsen mag ich auch gerne, zudem ist die Musik noch ein bisschen näher an uns dran. Mehr Beweggründe gab´s da eigentlich gar nicht.

Die Videos der beiden Songs bauen aufeinander auf und sind in Zusammenarbeit mit Bettertimes entstanden, aber die Idee dahinter kam eigentlich von euch, richtig?

Nico: In erster Linie Artur!

Artur: Bettertimes war da im Endeffekt nur Produktion bzw. Organisation. D.h., wenn wir gewisse Wünsche erfüllt haben wollten, dann hat Bettertimes sich darum gekümmert. Hat die Leute mehr oder weniger zusammen getrommelt, hat die Rund-Mails geschrieben usw. Weil ich mit denen eh schon zusammen arbeite, haben wir die gewählt und die durften dann ihr Logo dazu klatschen. Aber ja, es kommt größtenteils aus unserer Hand.

Wie seid ihr auf die Storyline gekommen?

Artur: Hauptaugenmerk war eigentlich der „Meine Soldaten“-Song. Wir haben uns dann aber irgendwann überlegt, dass wir zwei Videos wollen. Wir hatten zeit-technisch aber große Probleme, weil Dom relativ viel auf Tour ist – also mussten wir das alles in einen relativ kurzen Zeitraum packen und haben uns dann überlegt, das vom Konzept her in eine Storyline zu packen. Dadurch, dass wir auch die Drehorte gleich nutzen können, dass wir alles so produktiv wie möglich gestalten konnten vor Ort. Und so ist dann daraus wiederum die nächste Idee entstanden – ich kann dir gar nicht sagen wie es dazu gekommen ist – wir haben uns mit der Produktionsfirma zusammen gesetzt, dann kam die Grundidee mit Moped fahren.

„Dann ist daraus aber eine Harley geworden, weil der Ingo auf einem Moped aussieht wie n Affe auf nem Schleifstein, weil er ja ziemlich riesig ist.”

Joa, und dann ist da eins zum anderen gekommen. Ich glaube unser Cutter kam dann mit der Idee, dass wir gar nicht nach Madrid fahren – weil wir wollten zuerst tatsächlich ins Ausland. Das ließ sich zeitlich halt alles nicht unterbringen, also haben wir das Hotel einfach „Madrid“ genannt. So ist die Storyline irgendwie entstanden…

Ihr seid gerade mit Callejon und Vitja unterwegs, musikalisch ist das ja schon ein bisschen voneinander entfernt. Ist das eine Label-Klassenfahrt oder wie ist es zu dieser Konstellation gekommen?

Nico: Label-Klassenfahrt ist es ja tatsächlich erst seit zwei Wochen oder so. Aber es ist schon ne harte Klassenfahrt, weil wir uns alle schon seit Ewigkeiten kennen. Also alle Mitglieder der Bands kennen sich untereinander, manche mehr, manche weniger, aber halt schon seit 5-10 Jahren. Alle drei Bands kommen mittlerweile zum Großteil aus Düsseldorf und Umgebung. Deshalb war die Idee irgendwann mal da, kann man machen, egal ob es zusammen passt oder nicht, weil wir dann einfach alle vier Tage…

Chri: …am Stück saufen können! (alle lachen)

Ihr wart fast das ganze Jahr unterwegs, unter anderem auch mit Das Pack und den lütten Schnäblis von Stereogold. Konntet ihr den kleinen noch etwas beibringen oder konntet ihr euch sogar noch etwas abgucken?

Chri: Manieren haben wir denen beigebracht!

Dom: Na ja, Manieren haben wir uns abgeguckt!

Chri: Die sind spielerisch schon sehr fit!

Nico: Da kann man echt schon neidisch drauf sein. Das war die erste richtige Tour die sie gefahren sind.

Chri: In dem Fall haben sie mich immer überrascht, wie professionell die das schon alles machen. Zu der Zeit haben wir bis fünf Minuten vor der Show noch auf einem Kasten Bier gehockt und nix gemacht. Dann kam jeder mit seinen drei Kabeln und hat alles irgendwie zusammen gesteckt und los gings. Das fand ich super interessant.

„Auf der anderen Seite fand ich es auch süß, dass ich mich so ein bisschen wieder erkannt habe, so von unserer ersten eigenen Tour.”

Nic, der Sänger, auch immer so: „Oh Gott, hoffentlich geht alles gut“ und du stehst dann da und denkst dir – ja, selbst wenn!

Da ihr ja quasi auf der Straße zuhause seid: Welche Rolle spielt denn eure Heimat Düsseldorf für euch?

Artur: Heimat! Der Ruhepol!

Nico: Da weiß man wo alles ist, es ist der Ruhepol und zumindest bei den meisten die Familie. Da wo man entspannen kann, wo man aufgefangen wird. Kopf ausmachen!

Ihr lebt das Punkrock-Leben schlechthin, habt ihr auch spießige Seiten?

Chri: Ja! Bei mir muss immer alles ultra ordentlich sein!

Nico: Bei mir auch! Bett immer gemacht, Jacke bloß nicht einfach irgendwo hinwerfen.

Chri: Ich kann das auch nicht, dann ist direkt Chaos in meinem Kopf!

Nico: Wenn ich bei mir in die Küche komme und da ist noch Geschirr von Abends – im Waschbecken ist auch schlimmer als auf dem Abwaschbecken! – da kriege ich voll den Hass! Dann muss ich erst aufräumen, sonst komme ich nicht klar, ist echt so!

Dom: Bei mir genau das Gleiche, bei mir ist es sauber und aufgeräumt… sonst spießig, puh… manchmal habe ich auch keinen Bock saufen zu gehen!

Chri: Mein Name ist Dominic und auch ich kann nicht immer saufen!!!

Dom: Inzwischen, wenn man fast an die 30 kratzt, sagt man auch mal Nein! (alle lachen)

Artur: Ich bin ein absoluter Kalmotten-Chaot, temporär, manchmal nicht, manchmal ja. Dafür hab ich n Tick auf´m Schreibtisch! Mein Schreibtisch ist immer sehr ordentlich und es liegt fast alles immer so, dass die Abstände gleich sind. Und ich bin kein Säufer – aber mehr Spießigkeiten haben wir eigentlich gar nicht.
Chri: Jetzt haben wir hier voll die Therapie-Stunde angeschoben! (lacht)

Therapie-Stunde vorbei! Eure Songs sind ja schon sehr gesellschaftskritisch. Ich habe ein Interview gelesen, es ging darum, ob ihr Deutschrock oder Deutschpunk seid und Nico hat gesagt, dass der Begriff „Deutschrock“ schon sehr schlecht behaftet sei. Chri meinte daraufhin, dass ihr noch in der Größenordnung seid, in der ihr gegenlenken könnt und bei Konzerten beispielsweise ins Publikum steigen könntet, um jemanden auf die Fresse zu hauen. Hast du das schon mal gemacht?

Chri: Da stehe ich auch nach wie vor hinter. Aber es ist noch nie passiert! Der äußerste Notfall wäre wohl auch, wenn da jemand steht und den Hitler-Gruß machen würde, dann würde ich glaub ich abbrechen und dem tatsächlich auf die Fresse hauen! Aber, dem Himmel sei Dank, ist es noch nicht passiert!

Nico: Aber Frei.Wild Shirts gibt´s schon mal…

Und dann sagt ihr etwas?

Chri: Wenn es zur Ansprache kommt auf jeden Fall. Ich würde jetzt nicht jedem den ich mit einem Frei.Wild Shirt sehe, auf so einem Konzert… wenn da 50 Leute mit auftauchen, was willste da machen? Kannst halt sagen, du findest es scheiße und das machen wir auch bei jeder Gelegenheit. Wir hatten einmal die Situation, da hatten wir tatsächlich einen einzigen, den habe ich aber auch nicht verurteilt ob der jetzt rechts ist oder nicht, ist mir ja scheiß egal, ich will einfach dieses T-Shirt nicht auf meinem Konzert sehen. Weil für mich – und das sag ich auch einfach frei heraus – der größte Teil der Fans dieser Band sind für mich irgendwie „Bauern“.

„Es sind Leute die immer nach dem Fähnchen wehen und das ist sehr gefährlich!”

Es sind einfach viele dumme Menschen, die einfach nicht selbst reflektieren können und nicht darüber nachdenken, wer da was macht und wieso, weshalb, warum. Das ist der einzige Gräuel, den ich gegen diese Musik-Art hege.

Nico: Aber die Leute werden dann von uns auf die Bühne gerufen und bekommen ein Shirt von uns angezogen.

Artur: Das haben wir echt schon mal gemacht und der Typ hat sich voll gefreut. Der fand die Aktion total cool. Hat sein T-Shirt weggeschmissen und hat unser Shirt angezogen.

Chri: Es ist ein schwieriges Thema, auf jeden Fall! Und darum bleiben wir auch nach wie vor, um deine Frage zu beantworten, deutscher Punkrock!

Bei Instagram konnte man Anfang November einen Post zu eurem dritten Album entnehmen. Wann kommt es und auf was können wir uns freuen?

Chri: Wir möchten verkünden, dass das Album irgendwann nächstes Jahr kommt und aufnahmebereit ist!

Nico: Wann das jetzt genau kommt, können wir gar nicht genau sagen, das wissen wir nicht.

Chri: Der größte Teil der Songs steht schon und es wird auf jeden Fall erzählerischer, hier und da auch lyrischer, vielleicht auch – wenn man das böse Wort in den Mund nehmen kann – auch ein bisschen poppiger. Aber es verliert nicht an Härte.

Nico: Es wird tatsächlich, wenn ich das jetzt gerade mal so durchdenke, mehr politisch behaftet sein als das davor. Es ist genug Scheiße passiert in der letzten Zeit!

Chri: Wir versuchen uns da auch immer ein Stückchen weiter zu entwickeln, immer noch eine Schippe draufzulegen, aber ohne uns zu verstellen oder sonst irgendwas. Für uns ist es eine gesunde Mischung aus, so wie wir sind aber auch andere Facetten mit hinein geben.

Ihr möchtet mit eurer Musik aber schon etwas bewegen, oder?

Chri: Natürlich, sonst würden wir auch glaub ich gar nicht auf eine Bühne steigen.

Na ja, es gibt auch Bands mit anderen Songs die nichts zu sagen haben.

Chri: Ja ok, vielleicht haben die andere Beweggründe. Für mich ist natürlich die Musik ein Beweggrund, die Art von Musik hält mich lebendig. Aber natürlich haben wir auch ne Message. Ich will keinen Pop machen!

Erst sagst du selbst das böse Wort und jetzt „Ich will keinen Pop machen“!

Nico: Ich glaube man kann am besten sagen, wir sind eine Band mit der man Spaß haben kann und auch Spaß hat. Für uns ist aber auch wichtig, dass wir eine ernst zu nehmende Band sind! Eine Band, die sich auch mit ernsten Themen auseinandersetzt, vielleicht auch mal einen Text schreibt, bei dem man auch erst mal schlucken muss, wenn man den gehört hat. Aber uns ist vor allem wichtig, dass Inhalt vermittelt wird und nicht nur kurzweilig…

Chri: Musikalisch ist Pop ja geil, feier ich auch ab. Aber textlich halt nicht. Vielleicht ist es die Kombination. Oder auch nur ein bisschen Pop, mehr Punk! (lacht)

Nico: Schreibst du so ne? Ist ja schon wieder inhaltslose scheiße! (lacht)

Zu guter Letzt würde ich gerne wissen, welches die beste Show 2016 für euch war?

Artur: Heimspiel!

Dom: Heimspiel oder Deichbrand.

Chri: Heimspiel hatte ich jetzt tatsächlich gar nicht im Sinn, weil das ist eh klar. Eigentlich fand ich mitunter eine der besten Shows des Jahres, wenn man die Düsseldorf Show natürlich ausschließt, Leipzig im Felsenkeller. Und natürlich Anfang des Jahres – Münster! Das war dieses Jahr ja auch unsere erste eigene Tour und du hast gemerkt, die Leute kommen, weil sie uns sehen wollen! Weil sie mit uns feiern möchten! Ich war früher auch viel auf Konzerten und mittlerweile ja eh, aber ich saß früher immer vor´m Rechner und hab mir Videos angeguckt von den Toten Hosen von 1900 schieß mich tot, wo die in einem kleinen Kellerchen für 150 gespielt haben, wo aber 300 Leute drin standen und sich so dermaßen auf die Fresse gehauen haben die ganze Zeit, das fand ich so mega! Und das gab es einfach nicht mehr, diese Energie hat immer gefehlt und dann waren so Konzerte wie Münster und Leipzig oder so was…

Nico Behr (Tourmanager): BREMEN!

Chri: Ja, oder Bremen, wo er so (hält die Arme weit auseinander) vor der Bühne steht, damit nicht einfach alles zusammen kracht!

Nico B.: Die haben Lampen abgerissen, weil die da hoch geklettert sind, die hing dann da nur noch auf halb acht und Chri rief von der Bühne: „Reiß sie doch ab!“

Chri: Also sowas freut mich mega, dieses spontane wieder, dass die Leute bock haben mit zu feiern und ihren Stress aus´m Alltag im Pogo raustanzen. Das freut mich wirklich!

Wollt ihr sonst noch etwas loswerden?

Chri: Trinkt mehr Bier!


Vielen Dank für dieses super nette Interview und die geile Show! Beim nächsten Mal vielleicht auch wieder mit Udo Lindenberg (der war wirklich da!) und ganz viel Bier!

Fotogalerie: Rogers, Vitja & Callejon am 29.12. in der Markthalle

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