Fotos: Charles Engelken

Bereits seit 21 Jahren bringt Rookie Records nun hervorragende Punk-Musik und alles drumherum unter die Leute. Diese Standfestigkeit will natürlich gefeiert werden und so lud das Label zum Rookie Fest in den Goldenen Salon des Hafenklangs, wo Schreng Schreng & La La, Keele, Kick Joneses sowie die Illegalen Farben als Headliner des Abends spielten und zeigten, welche Vielseitigkeit die Wahl-Hamburger zu bieten haben.

Ich habe den gesamten Tag dokumentiert und war dementsprechend schon recht früh vor Ort. Die Illegalen Farben waren als pflichtbewusste Band bereits seit einigen Stunden in der Hansestadt unterwegs und emsig am Aufbauen ihres Equipments. Zwischendurch bekam Rookie-Gründer Jürgen Schattner ein feines Geburtstagspaket von ihnen, während Keele tröpfchenweise auftauchten und ihren Kram aufstellten. Auch Beppo von Kick Joneses lässt sich kurz blicken.

Soundcheck hier, Soundcheck da. Zigaretten hüben, Bier und Kaffee drüben. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt. So langsam kann es losgehen. Die Türen öffnen sich für die Konzertbesucher, nun stoßen auch die weiteren Mitglieder von Kick Joneses sowie Schreng Schreng & La La hinzu. Lasse Paulus, Gitarrist und Anwalt des letztgenannten Duo Infernale hatte übrigens wieder einmal zwei Stunden Verspätung mit der Bahn hinter sich. Etwas, das sich bei ihnen quer durch fast alle Konzertanreisen zieht.

Jener Lasse Paulus stand dann auch mit seinem Esel, dem Jörkk Mechenbier, als erstes auf der Bühne: Schreng Schreng & La La eröffnen den Abend und was funktioniert: Alles, bis auf das Mikrofon von Jörkk. Spontan, fuchsig und blödelig, wie er nun einmal ist, nutzt er diesen Vorfall für den Running Gag des Abends: Inbrünstig ruft er nach „JÜÜÜÜRGÄÄÄÄÄÄN“ Schattner, der ihm doch bitte die Technik fixen sollte.

Kurze Zeit später konnte das Programm dann seinen regulären Verlauf nehmen. Das heißt bei den beiden: Planlosigkeit, Schlagabtausch zwischen Esel und Anwalt, noch mehr Humor, zwischendrin großartiger Akustik-Punk und dazu noch die typisch Jörkk’schen Interaktionen mit uns, dem Fußvolk. Mich nennt er irgendwann seinen Hochzeitsfotografen. Ich zeige ihm beide Stinkefinger und drücke ihm eine Zigarette in die Hand – er sei schon wieder so eine zickige Diva. So geht es bei den beiden Herren der Schöpfung zu. Man könnte auch sagen: Großartig!

Kurzer Bühnenumbau, dann Keele. Das erste Hamburger Signing der Eigentlich-Kölner dreht die Lautstärke deutlich auf. Frontmann Fabian zieht es immer wieder in die Crowd. Währenddessen spielen sich Patrick, Fredi, Malte und Alex ihren Arsch ab. Die Gesamt-Performance: Leidenschaftlich, kräftig, überzeugend. Zwischendurch wird der obligatorische Schnaps verzehrt.

Keele sind eine der kommenden Post-Punk-Bands, da wird noch eine ganze Menge passieren. So viel ist sicher und das haben sie auch im Goldenen Salon zum wiederholten Male bewiesen. Im Vergleich zum Release-Konzert wirkte die Gruppe nochmals tighter und gefestigter. Weiter so, immer weiter so!

Es geht Schlag auf Schlag, es bleibt also nicht viel Zeit zum Durchschnaufen. Kick Joneses mit Label-Macher Schattner an der Gitarre übernehmen das Ruder. Die Band ist praktisch das Nachfolge-Projekt zur Walter Elf, die im vergangenen Jahr auf dem 20. Geburtstag im Knust spielten.

Im Goldenen Salon gibt es nun astreinen Pop-Punk zu hören, der gut nach vorne geht. Die Menschen vor der Bühne tanzen, die Band hat sichtlich Spaß. Die Band spielt ein etwas längeres Set, allerdings stellt sich zu keinem Zeitpunkt auch nur die geringste Überdrüssigkeit oder Langeweile ein.

Nun geht es ans Finale: Die Illegalen Farben sollen den Abend abschließen. Mit ihrem neu veröffentlichten Album „Grau“ hat das Quintett aus Köln und Dortmund auch eine ganze Menge neues Material mitgebracht, das zelebriert werden wollte.

Der Auftritt fängt also an und man kann die Sekunden zählen, bis Sänger Thom Kempkes in die Menge geht und ekstatisch vor der Bühne umherspringt. Das wiederum sollte sich noch einige Male wiederholen und absolut mitreißen.

Die neuen Songs sitzen perfekt und ergeben ein kohärentes Ganzes im Zusammenspiel mit dem Material des selbstbetitelten Erstlings. Einen großen Anteil an der Überzeugungskraft der Band haben vor allem die Energie der Gruppe und die sperrige Tanzbarkeit der Songs. Immer und immer wieder geht es heiß her, zwischendurch teilt Thom die Menge in zwei Hälften und irgendwann steht er kurz vor dem Ende auf dem Tresen, um sich noch einmal bei allen und besonders beim Label zu bedanken.

Der Konzertteil des 21. Rookie Fest ist somit abgeschlossen, bis in die Nacht hinein legte nun noch Jan von Jan & Jan auf. Ich hingegen begebe mich nach nicht allzu langer Zeit auf den Heimweg. Mit nach Hause nahm ich wohlige Gefühle von Herzlichkeit und Freundschaft, die es in dieser Form abseits von Rookie Records nur selten in der Branche gibt. Ein handgemachtes Label von Jürgen Schattner und Anne Dillmann, das sich seit nunmehr über zwei Jahrzenten behauptet, über die gesamte Zeit hinweg eine Menge Qualität in die Szene gebracht hat und noch lange nicht fertig ist. Auf die nächsten 21 Jahre!

Fotogalerie: Rookie Fest 21