Die Stuttgarter Band Schmutzki ist momentan noch auf großer „Spackos Forever“-Tour. Das Drei-Mann-Gespann besteht aus Beat, Dany und Flo. Im Sommer zerlegten die drei noch jedes Festival mit ihrem Zeltplatz-Mob, bei denen es immer jede Menge Freibier und häufig auch gratis die klassischen roten Schmutzki-Shirts gibt. Ein Konzept, das immer gut funktioniert und neue Fans zieht.

Die Musik ist deutscher Punk der Spaß macht und mit Songs wie „Sauflied“ oder „Spackos Forever“ einfache Texte zum Mitsingen liefert. Schmutzki ist eine Band zum Anfassen, vor ihren Konzerten treffen sie sich gerne mit ihren Fans, um ein Wulle Bier zu vernichten oder einen leckeren Kräuterlikör zu verhaften. So geschehen auch in Hamburg, wo ich die drei vor ihrem Konzert zu einem Interview getroffen habe. BÄM!

Vor dem Interview habe ich mir Manu von Anchors & Hearts geschnappt und ihn ein bisschen über Hintergrund-Geschichten ausgequetscht. Wundert euch also nicht, wenn des Öfteren die Tour mit ZSK, bei der Schmutzki und Anchors & Hearts dabei waren, zur Sprache kommt!

Das erste Konzert dieses Jahr! Ihr spielt auf dieser Tour aber immer nur am Wochenende, hat das einen tiefgründigeren Sinn? Oder einfach nur, damit ihr die Woche über ausnüchtern könnt?

Beat: Schon auch, ja! Wir haben irgendwie gemerkt, dass es für uns auch zuträglich ist, wenn wir dann ein paar Tage Pause zwischen den Konzerten haben. Dann ist es auch schlichtweg so, dass ab Donnerstag die Leute wieder lieber zu Konzerten gehen. In vielen Städten, wenn wir da Montag oder Dienstag spielen würden, wären halt weniger Leute da. Dadurch, dass wir das so machen können, machen wir es so!
Dany: Da wir hauptsächlich in Deutschland oder mal der Schweiz und Österreich spielen, ist es ja auch nicht das Problem. Ich glaube, wenn du jetzt eine Europa-Tour spielst, ergibt das Sinn. Aber so ist es halt ganz geil, weil du regenerieren kannst.

„Für uns ist schon wichtig, dass jedes Konzert 100% ist.”

Versuchen wir immer und klappt zum Glück auch meistens. Aber wenn man manchmal vier oder fünf Konzerte am Stück spielt, merkt man einfach die Grenze – dann müsste man vielleicht mehr Sport machen.

Beat: Oder weniger trinken! Aber das macht ja keinen Spaß.

Und unter der Woche seid ihr dann Spießer?

Beat: Wir machen halt den ganzen anderen Shit unter der Woche. Wir machen unsere komplette Merchandise-Orga und den Online-Shop, das machen wir alles selbst. Wir haben eine Booking-Agentur und ein Label, aber kein eigentliches Management mehr, das machen wir auch alles selbst. Und da hat dann doch jeder irgendwie recht gut zu tun von Montag bis Mittwoch.

Dany: Montags spannst du meistens noch aus und Dienstag/Mittwoch wird dann das Zeug weggeschafft was halt so anfällt – und dann geht es Donnerstags wieder los… Also es wird nicht langweilig unter der Woche.

Beat, du hast ziemlich oft ein schwarz/weiß gestreiftes Shirt an. Ist es immer das Selbe oder hast du einen 10er-Pack?

Beat: Ich hatte anfangs echt immer das Selbe an und dann hab ich mir mal ein paar weitere zugelegt. Leider habe ich jetzt bei der letzten Show in Berlin das Originale leider dort liegen lassen, was natürlich sehr schade ist. Ich hatte das irgendwann mal an und dann so – hä? ist voll das geile T-Shirt und so! Und dann hab ich es irgendwann nicht mehr ausgezogen. Aber ich habe jetzt mehrere davon! Deswegen können wir auch nur drei Shows am Stück spielen, weil die dann wieder gewaschen werden müssen.

Auf Festivals macht ihr immer einen Schmutzki Mob und verteilt fleißig Frei-Bier, Schnaps und Shirts. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ist das eine Marketing Strategie?

Dany: 2013 durften wir auf dem Southside spielen, weil wir so einen Wettbewerb gewonnen hatten. Wir wussten halt, wenn wir da jetzt mittags um 12 Uhr im Zelt spielen, dann kommen da 100 Leute. Dann haben wir uns überlegt was wir machen können, damit das auch ein paar Leute mitkriegen – und dann haben wir das erste Mal, mit so einem kleinen Schlagzeug und so, das dort gemacht. Dann haben wir auch direkt gesagt, komm, dann drucken wir noch ein paar T-Shirts für´n 5er, damals haben wir sie noch verkauft, und drucken die Aufkleber und haben Alarm gemacht. Das hat uns fast 1000 Leute ins Zelt gebracht. Dann saßen wir vor zwei/drei Jahren da und haben uns überlegt, jetzt haben wir unsere erste geile Festival-Saison, wir spielen große Sachen die geil sind, aber es kennt uns auch wieder keiner so richtig, was können wir denn machen? Und dann sind wir gleich darauf gekommen, weil das echt cool war!

Beat: Am Anfang war das noch recht überschaubar und dann hat sich das in dem Sommer so ein bisschen herumgesprochen. Das letzte richtige Festival was wir da dann hatten, das Taubertal Festival, da waren dann bestimmt so 600 Leute. Also wirklich schon so, wo wir dachten „Oh Gott! Jetzt passiert da aber einiges“. Fast mehr Leute als nachher bei der Bühne waren. Daher haben wir gemerkt, dass es gut funktioniert und haben es letztes Jahr wiederholt. Und wie ich uns kenne, werden wir das in irgendeiner Art 2017 auch wieder machen.

Ihr trinkt ja selbst sehr gerne, was war euer besoffenster Auftritt? Beim Reeperbahn Festival habe ich ein ziemlich witziges Interview mit Dany gesehen, da scheinst du ziemlich gut dabei gewesen zu sein!

Dany: Dazu muss ich sagen, da war ich verkatert – das ist natürlich noch so ein kleiner Unterschied! Aber ich war so schwer verkatert, dass es durchaus beeinträchtigend war, aber am Ende dann doch wieder ganz witzig!

Beat: Also ich weiß was Flos Highlight war! Da haben wir so ein WG-Konzert in Karlsruhe gemacht, wo es sehr viel Jägermeister und sonstiges gab. Erstmal ist er immer langsamer geworden, das war echt so – Boah Flo!

Dany: Und er hat da mit so einem Raster-Dude einen gekifft, was er eigentlich gar nicht ab kann.

Beat: Und dann ist er während des Konzerts einfach umgeflogen mit dem Schlagzeug und lag dann da, da ging gar nichts mehr! Und bei mir weiß ich gar nicht, ich trink ja nicht so…

Dany: Beat ist immer gleich besoffen.

Beat: Ich habe meistens das eine Level und irgendwann kippt es dann in „jetzt geht nix mehr“. Aber jetzt so ein richtiges Konzert, wo ich hart gelallt habe auf der Bühne… Das passiert dann eher später!

Apropos saufen. Ich habe gehört, ihr spielt Backstage gerne Sauf-Spiele, speziell Looping Louie, speziell du, Dany!

Dany: Aaahhhh, sieht man ja auch an deinem T-Shirt, dass du da gewisse Connections hast! Ja, das war bei ZSK in München, wenn ich mich recht entsinne – an so viel entsinne ich mich nicht mehr.

„Und ich hab so gut gespielt! Ich war so gut! Ich hatte voll den Move raus und habe jedes Mal alle weggebombt.”

Und dann hab ich dummerweise freiwillig, aus Großherzigkeit, weil die anderen immer saufen mussten, zwei mitgesoffen. Dann hat es rapide abgenommen mit meiner Treffsicherheit und ich hab so sechs/sieben Mal am Stück verloren – dann weiß ich auch nicht mehr viel. Ich hab leider den Backstage verlassen, was ich nicht hätte tun sollen, und dann mit so zwei kleinen Punkern die mich rechts und links gestützt haben wie einen alten Mann, rumgehangen. Das Highlight, davon weiß ich aber auch nichts mehr, war dann, dass einer von den beiden mit meinem Backstage-Pass im Backstage aufgetaucht ist und meinte „Hey! Ich soll von Dany noch Bier holen!“

Beat: Dany ist dann später einfach so in den Bus reingeflogen und lag dann da auf der drei Stunden Heimfahrt.

Dany: Ich musste danach auch noch großen Spott von den Anchors & Hearts ertragen.

Die Nordllichter vertragen halt was!

Dany: Die vertragen was! Das muss ich echt sagen!

Beat: Mich hat´s einmal in Leipzig erwischt, da haben wir mit denen in der gleichen Band-Wohnung gepennt. Und die hatten natürlich, wie immer, so eine Flasche Pfeffi dabei. Mein vernichtendes Pfeffi-Erlebnis – aber ich hab es überlebt.

Flo: Mich hat es in Nürnberg erwischt. Jeden hat es einmal erwischt!

Manu hat mir auch erzählt, dass ihr bei ZSK ein Lied mitsingen solltet, was wohl nicht so geglückt ist.

Beat: Der Manu erzählt Sachen! Aber ich hab Gitarre gespielt. Er konnte es halt überhaupt nicht. Das geile war halt irgendwie, dass die Tour ja auch eine Weile ging, bzw. waren zwischendurch ja auch immer Zeiten, wo er es hätte lernen können. Und der Joshi hat ihm auch lange vorher gesagt, welcher Song das ist und er hatte einfach keine Ahnung und stand dann immer vorn und hat das Mikro ins Publikum gehalten.

Dany: Sah gut aus, das ist die Hauptsache!

Würdet ihr gerne mal ein Feature mit einer Band machen?

Beat: Da gibt´s schon einige mit denen man das gerne mal machen würde.

Flo: Die Bands wollen aber nie mit uns.

Beat: Wir haben jetzt natürlich auch noch nicht so groß angefragt. Aber die Connection mit WIZO-Axel besteht.

Dany: Das erste Feature müssen wir auf jeden Fall mit dem machen. Das ist Ehrensache! Wenn er das denn überhaupt machen will. Dem müssen wir es auf jeden Fall als erstes anbieten, das würde natürlich auch schön passen. Ich würde es aber auch nur machen, wenn das ein richtiger geiler Song ist und nicht nur um so ein paar Namen zu droppen.

Wie ist das denn mit euren Support-Acts, sucht ihr euch die selbst aus?

Dany: In der Regel machen wir das so, wenn wir jemanden aus der Stadt kennen, dann fragen wir die. Das war jetzt in dem Fall mit Narcolaptic (Support Act in Hamburg) so, dass wir mit denen bei ZSK in Hamburg Vorband waren und wir die dann gefragt haben. Wenn wir jetzt in Städten spielen, wo wir noch nie waren, dann gucken wir erstmal ein bisschen im Internet.

Flo: Geil war gerade zum Beispiel Regensburg. Dann sitzt einer von uns so da und sucht Bands aus der Stadt, dann hatten wir so 14-jährige Punker-Kids aus der Stadt.

Beat: Ich hab die bei Facebook angeschrieben und die so: „entschuldige die Frage, aber wie seid ihr auf uns gekommen?“ Die haben es halt überhaupt nicht gecheckt, dass wir das jetzt fragen. Das aller geilste daran war eigentlich, dass sie unsere liebe Tourmanagerin Birgit mit „Sehr geehrte Frau Wittlinger“ angeschrieben haben.

Flo: Wir versuchen auf jeden Fall immer eine lokale Band zu nehmen.

Ihr habt alle etwas anständiges studiert. Was sagen denn eure Eltern dazu, dass ihr jetzt Musik macht?

Beat: Na ja, die haben es ja schon ein bisschen kommen sehen, da wir unsere Jobs alle etwas heruntergeschraubt haben. Wobei bei mir war dann schon erstmal die Reaktion „Echt jetzt?!“ Ich hab das dann ein bisschen mit Fußball verglichen, dass wir jetzt in der 3. Liga spielen und da bist du ja auch irgendwie schon Profi und musst alles dafür tun. Dann war mein Vater mit bei einem Konzert in Zürich, wo wir im Stadion die Toten Hosen supporten konnten und danach gab es keine Diskussion mehr. Also alles gut!

Dany: Meine Mutter findet das super! Die findet immer alles super, so lange du Bock drauf hast. Aber klar, wir haben uns das dann auch schon gut überlegt und haben auch gesagt, wenn wir das jetzt machen, dann machen wir das auch richtig. Dann hast du auch die Argumente.

Flo: Und weil wir ja noch so jung sind, haben wir ja auch nicht viel zu verlieren. Wenn du jetzt irgendwann merken solltest, dass klappt nicht, dann kannst du immer noch 30-40 Jahre arbeiten.

Beat: Momentan läuft es ja auch so gut, dass wir es vor uns selbst rechtfertigen können, dass wir das tun.

Eure Platte Spackos Forever hat ziemlich viele negative Kritiken erhalten.

Beat: Hey! Schlechteste Platte des Jahres! (lacht)

Ich denke, ihr steht da auch drüber und viele Kritiker haben die Message einfach nicht verstanden, aber würdet ihr diesen Menschen gerne mal etwas sagen?

Beat: Viele von denen würde ich gerne mal zu einem Konzert einladen, wo sie halt merken worum es geht. Ich glaube es können viele dieser Musik-Nerds, die bei so Zeitschriften arbeiten gar nicht so ganz verstehen. Oder es ist einfach die falsche Musik für diese Leute. Die sollen mal vorbei kommen und sich ordentlich betrinken und mit uns feiern, dann checken die bestimmt schon worum es geht.

Dany: Auf der anderen Seite provozieren wir es ja auch ein bisschen. Wenn du ein „Sauflied“ auf dein Album drauf machst, muss man natürlich nicht erwarten, dass gerade Leute, die sich hauptsächlich mit anspruchsvollerer Musik beschäftigen, das gut finden. Liegt auf der Hand.

„Man darf uns auch doof finden, das ist OK!”

Ich finde es manchmal, wenn es ein bisschen beleidigend wird, was auch schon vorkam, frage ich mich halt warum? Habt ihr das echt nötig? Ich habe aber auch immer die Verrisse gelesen, das fand ich immer am unterhaltsamsten und das geht glaube ich vielen Leute so. In jeder Ausgabe braucht man einen guten Verriss und da bieten wir natürlich die perfekte Vorlage.

Flo: Es wäre, glaube ich, viel schlimmer, wenn es diese Verrisse gäbe und niemand dann zum Konzert käme. Also irgendwas machen wir schon richtig.

Ihr habt beispielsweise euer Video zu „Hey Du“ hier in Hamburg in der Pooca Bar gedreht. Wenn ihr in Hamburg seid, gibt es dann etwas, was ihr unbedingt machen müsst?

Flo: Beat geht immer in diesen Gitarren-Laden da vorn.

Beat: Einmal! Aber eigentlich – sagen wir mal so – wir haben hier ein paar Kumpels und die besucht man und dann geht man oft in die Hamburger Berg-Kneipen oder eben in die Cobra Bar, aber die ist jetzt, glaube ich, geschlossen. Das war aber auch immer so ein Anlauf-Punkt nach den Shows.

Dany: Ich ziehe es in Hamburg vor, mich von örtlichen Menschen irgendwohin entführen zu lassen. Wir haben jetzt nicht die Stammkneipe. Früher war es so, dass ein guter Kumpel einmal die Woche oder im Monat in der Pooca Bar Konzerte gemacht hat. Der ist aber nicht mehr da, sonst hätten wir da bestimmt mal reingeschaut. Hamburg hat so viel zu bieten, daher müssen wir jetzt nicht immer am gleichen Ort rumhängen.

Wollt ihr noch etwas loswerden?

Dany: Cool bleiben, nett bleiben!

Beat: Seid keine Arschlöcher!


Liebe Schmutzkis! Tausend Dank für dieses umfangreiche und nette Interview. Wir sehen uns in Flensburg wieder! Liebe Grüße auch an Anchors & Hearts für die herzlichen Anekdoten!

Schmutzki & Narcolaptic im Knust

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