Schreng Schreng und La La 03

Schreng Schreng & La La: Mit Pinnchen in Düsseldorf / Foto: Charles Engelken, noisiv.de

Was kommt dabei heraus, wenn Punker in ihrem Leben voranschreiten und sich musikalisch ausprobieren wollen? Des Öfteren geht es dann in die Akustik-Richtung. Ich für meinen Teil erinnere mich beispielsweise noch ziemlich gut an Nick OliverisDeath Acoustic“-Projekt aus dem Jahr 2009. Auch Lasse Paulus und Jörkk Mechenbier (seines Zeichens Love-A-Sänger) erforschen unter dem prägenden Namen Schreng Schreng & La La seit ihrem 2013er-Debüt „Berlusconi“, was sich in dieser Richtung alles machen lässt.

Schreng Schreng und La La - Echtholzstandby

Das, was sie während dieses Exkurses fanden, war für sie sehr motivierend – so sehr, dass ab dem 22. April der Nachfolger „Echtholzstandby“ verfügbar sein wird. Im LaSchreng’schen Fokus stehen einmal mehr die Akustikgitarre von Lasse sowie Jörkks Gesang, ab und an hört man weitere instrumentale Unterstützung. Mit „Oslo“ ist auch lediglich ein Song mit klassischer Band-Instrumentalisierung auf dem Album vorhanden. Die Beschränkung auf diese wenigen Elemente richtet den Fokus auf selbige natürlich umso stärker.

Die einzelnen Songs sind relativ kurz gehalten, „Eltern“ ist mit einer Laufzeit von drei Minuten und 18 Sekunden der längste Song. Das wiederum ermöglicht den Songs, sich noch stärker ins Gedächtnis zu fressen. Sie sind genauso schnell da, wie sie wieder weg sind, bleiben stecken, ohne im Ohrwurm-Format zu nerven. Sei es nun der Titelsong, der das Leben des Kleinmusikers ironisch besingt oder das, mit Meeresrauschen unterlegte und kapitalismuskritische, „Alles auf Nichts“. Jeder einzelne Song wirkt auf seine eigene Art und Weise.

Die Kürze der Songs bedingt auch, dass die Texte präzise formuliert und auf dieser Basis wirken müssen. Auch diese Disziplin gelingt so gut, wie nur wenigen anderen. Ob sie nun das Musikgeschäft an den Pranger und den Fall ihrer Opfer besingen („Plastik fressen“), sich über rassistisch-faschistische Vollidioten auslassen („Ekel und Abscheu“) oder zum Widerstand aufrufen („Spraypaint the Walls“); jeder Song ist lyrisch auf den Punkt genau getroffen und das Gitarrenspiel schafft die passenden Stimmungen drumherum.

Vor allem „Dschungelkoffer“ geht dadurch direkt ins Herz und spricht einem aus der Seele. Zugegeben: Zeilen, wie „Es geht nur darum, dass Du mich wirklich liebst. Es geht darum, dass ich das glauben kann“ triefen regelrecht, werden aber so authentisch, überzeugend und innbrünstig gesungen, dass man nicht anders kann, als Jörkk besagte Zeilen zu glauben.

Ich hab uns wirklich lieb
Auch wenn es nie so klingt
Doch unterm Strich, da sind wir besser als der Rest
Der sich nach Feierabend hasst
Und nur sein Selbstmitleid umarmt
Weil er glaubt, dass sich das nicht vermeiden lässt

Schreng Schreng & La La

Angenehm fallen immer wieder die selbstironischen Stücke auf, die im Verlaufe von „Echtholzstandby“ eingestreut werden. In „Natalie“ wird beispielsweise eine Frau im französischen Akzent angehimmelt und man grinst sich zweieinhalb Minuten einen Krampf ins Gesicht. Sie nehmen sich nicht allzu ernst, lockern die Stimmung gekonnt und platziert wieder auf und lassen die ernsten Themen der anderen Songs so noch stärker wirken.

Nach dem „Berlusconi“-Exkurs lehrt auch der des „Echtholzstandby“ einiges. Beispielsweise, dass Punk-Identität und Akustikmusik großartig zusammenpassen können; dass sich Jörkks Gesang auf einem wahnsinnig hohem Niveau befindet; dass Musik durch akustische Reduktion noch ergreifender wirken kann. Wo soll der LaSchreng-Exkurs da nur enden?

Ich bin ein vollgedeckter Tisch
Und Du bist auf Diät
Du bist die Sportschau in HD
Und ich bin querschnittsgelähmt
Natalie Natalie
So richtig passen wird das nie
Natalie Natalie
Und doch
Ich liebe, ich liebe, ich liebe
Nur sie

Schreng Schreng & La La – Natalie

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