Shawn The Savage Kid

Ich gebe es zu: als 2013 das Video zu „Fußball“ erschien, war ich wenig beeindruckt. Es war das erste Mal, dass auf meinem Bildschirm der Name ‚Shawn The Savage Kid‘ flackerte, doch wer Korblegern nichts abgewinnen kann hat bei mir seit jeher einen schweren Stand. Die folgenden Veröffentlichungen wurden gekonnt ignoriert und erst zwei Jahre später wird mir bewusst, dass ich damals einen Fehler gemacht haben könnte. Im Zuge der Recherche zu diesem Artikel wird mir klar, dass es sich 2013 um die erste Veröffentlichung Shawns überhaupt gehandelt hat. Das alles klang schon so dermaßen rund, dass ich gar nicht auf die Idee kam, dass es sich um einen Newcomer handeln könnte. Gütiger Biggie im Himmel: vergib mir meine Schuld!

Und wie um es mir unter die Nase reiben zu wollen, ist das gerade erschienene „LowLife Schickimicki“ auch noch das Debut-Album! Wie kann das sein? Waren das tatsächlich alles EPs und Mixtapes, was da die letzten Jahre so regelmäßig rausgehauen wurde? Was hat der Typ denn gemacht? Ein erster Hördurchgang bestätigt: der Kerl ist noch besser geworden. Die Bässe sind noch runder geworden, die Hats noch lebendiger und der Flow thront über erstgenannten. Man muss wissen, der macht das alles selbst! Falls die Herren von Melting Pot über die nächste Instrumentalplatte nachdenken: ich kenn da einen. Die Einflüsse sind vielfältig, aber das brutale Kind schafft es jedem Instrumental seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Runtergepitchte Vocalschnippsel, die irgendwo im leeren Raum verklingen, oder jazzige Samples treffen auf die knackigsten Drums seit… ja, seit wann eigentlich?

„Wir haben kein Geld doch haben Ideen und Talent/ dein Hemdkragen ist eng, fick auf die Adoleszenz“

Inhaltlich  geht es auf der Platte um die zu erwartenden Themen eines Mittzwanzigers. Rap über Rap ist dabei kaum zu finden. So setzt sich der Regensburger mit Frauen, Religion, dem Älterwerden und dem eigenen Lebensstil auseinander. Es gibt tausende Möglichkeiten zur Lebensgestaltung, doch Mitte des Monats ist die Kohle bereits weg. Kennt man. Doch Obacht: das Ganze ist durchaus kein Studentenrap und auch kantige Sprüche lassen sich finden.

„Sie schwingt ihr Hüfte zum Disco Song/ Ich wünschte mein Dick wär ein Wick Bonbon“

Jeder Song hat seinen eigenen Aufhänger und jedes Thema wird ausgiebig bearbeitet, ohne das Witz oder Tiefsinn fehlen würden. Das alles wirkt hochprofessionell und durchdacht. Deutschrap anno 2015 hat ein Luxusproblem: es gibt unglaublich viele MCs und gute Produktionsbedingungen lassen sich im Kinderzimmer simulieren. Die wenigsten schaffen es tatsächlich herauszustechen doch Shawn The Savage Kid beweist mit seinem Debutalbum eine Treffsicherheit, die ihresgleichen sucht. Und beim nächsten Release bin ich auch wieder am Start. Versprochen.

[asa]B016Z8KAXM[/asa]