Silverstein live in der Markthalle, Hamburg | Foto: Charles Engelken, noisiv.de

Die Hochzeit der Emo-Schiene haben sie bereits lange überlebt, satt sind sie aber trotzdem noch lange nicht. Für Silverstein geht es aktuell sogar in die achte Runde, denn vor kurzem haben sie ihr neues Studioalbum „Dead Reflection“ veröffentlicht.

Vom seichten Emo-Sound vergangener Jahre ist inzwischen nicht mehr viel übrig. An vielen Stellen klingen die neuen Songs deutlich härter, des Öfteren machen sich Metalcore-Einflüsse breit. Das funktioniert beim Opener „Last Looks“ und dem messerscharfen Gitarrenriff unheimlich gut, lässt den darauffolgenden Songs aber nicht mehr allzu viel Platz, um sich zu behaupten.

Zu oft hört sich „Dead Reflection“ zu glatt produziert an, was den härteren Songs in vielen Situationen den letzten Biss nimmt, den sie aber dringend bräuchten. „The Afterglow“ würde beispielsweise sicherlich von einer raueren Produktion profitieren. In seiner finalen Ausführung wirkt das Ganze aber zu berechnet.

Einen Spannungsbogen generieren Silverstein über die regelmäßige Einstreuung von balladesken Elementen, die in der Poprock-Hymne „Secret’s Safe“ gipfelt, musikalisch völlig aus dem Kontext des restlichen Albums fällt und einen ratlos stehen lässt. Muss dieser Song unbedingt Teil des Albums sein?

Am Überzeugendsten sind Silverstein dann, wenn sie diese Schienen völlig außen vor lassen. Dann sind Shane Tolds Vocal-Performances auch regelmäßig interessant. Die Vorab-Single „Ghost“ sowie „Whiplash“ profitieren unheimlich davon, dass Told sich darauf besinnt, mitreißend Clean- mit Shouting-Vocals zu verbinden und sich auch ein Stück weit vom Tempo der Instrumentalisierung tragen zu lassen. „Lost Positives“ im Extrem, was das heißt: Die Instrumente beschränken sich auf atmosphärischen Aufbau, während sich der Gesang ohne Haltung darüber legt. Im lauten und forschen Chorus findet wiederum alles zusammen.

„Dead Reflection“ hinterlässt gemischte Gefühle. Die härteren Einflüsse tun den Songs hörbar gut wurden klug eingearbeitet. Einige der Songs avancieren so zu potentiellen Krachern. Darüber legt sich aber regelmäßig die aalglatte Produktion, die hüben mehr und drüben weniger stark irritiert. Etwas mehr Kante hätte der Platte gut getan. So aber weiß man ziemlich genau, welche Songs sich auch über die Jahre hinweg halten und welche schnell wieder im Diskographie-Aktenkoffer der Band verschwinden werden.

Silverstein: „For The Fans“-Tour 2017

  • 29.09. – Köln, Gebäude 9
  • 30.09. – Münster, Gleis 22
  • 01.10. – Bremen, Tower
  • 02.10. – Hamburg, Logo
  • 04.10. – Hannover, Chez Heinz
  • 05.10. – Berlin, Cassiopeia
  • 06.10. – Leipzig, Moritzbastei
  • 07.10. – Dresden, Scheune
  • 08.10. – Wiesbaden, Schlachthof
  • 10.10. – Dortmund, FZW
  • 11.10. – Trier, Mergener Hof
  • 12.10. – Würzburg, Café Cairo
  • 13.10. – Erlangen, E-Werk
  • 14.10. – München, Kranhalle