Fynn Kliemann by Nikita Teryoshin

Foto: Nikita Teryoshin

Seit ein paar Tagen nun hab ich das Debütalbum von Fynn Kliemann auf den Ohren. Recht schnell kann man feststellen, dass es sich hier nicht um ein artsy fartsy Konzeptalbum, sondern fast schon um eine Art Greatest Hits handelt. Schon bei den vier veröffentlichten Singles „Morgen“, „Zuhause“, „Bau mich auseinander“ und „Kieztränen“ sollte jedem aufgefallen sein, wie stark diese Songs innerhalb ihres eigenen Konstruktes sind.

Das Gute? Dieser Faden reißt nicht ab. Ob „Dunkelblau“, „Bis Seattle“ oder das an die jüngste Arbeit von Bon Iver erinnernde „Der Mann und das Meer“ – man spürt förmlich, wie viel Kraft, Energie und Fokus jedem einzelnen Song gewidmet worden ist. Auf ein Genre lässt sich Fynn Kliemann nicht limitieren und ein großes Problem, mit dem die meisten aufstrebenden Bands hierzulande zu kämpfen haben, nämlich seinen eigenen Sound zu finden, hat er dank seiner unreproduzierbaren Stimme gar nicht erst.

Fynn Kliemann – Kieztränen

Fynn Kliemann wäre darüber hinaus nicht Fynn Kliemann, wenn er nicht mit seiner „gib her, mach ich selber“-Attitüde im Vorfeld selbst ein Label gegründet hätte und den Prozess einer Musikveröffentlichung komplett neu erfinden musste. Musste er? Nein. Aber, wir sprechen von Fynn Kliemann. Natürlich musste er! Platten und CDs werden nur so viele produziert, wie bis zum Releasetag über nie-bestellen.de bestellt wurden. Anders als alle anderen Alben dieser Welt, wird man „Nie“ nicht auf Amazon oder im Plattenladen bekommen. Bei der GfK hat er sein Album auch nicht angemeldet, wodurch es auch nicht in den Charts landen wird. Ein Vorgang, der nur mit viel Vertrauen funktionieren kann und an sich schon fast als Kunstinstallation zu betrachten ist.

So oder so, mit „Nie“ stellt uns Fynn Kliemann endlich und handfest sein Können unter Beweis. Wenn man seine anderen Projekte verfolgt könnte man glauben, dass er hier noch mehr Schweiß reingesteckt hat, als in alles andere. Ist aber auch verständlich, an einer Mauer oder einem Hühnerstall kannst du auch nachträglich immer dran rumrütteln, die Musik bleibt in den meisten Fällen so stehen wie sie ist. Oder lässt du dir dafür auch noch was einfallen, lieber Fynn?

Tracklist: Fynn Kliemann – „Nie“

  1. Morgen
  2. Bis Seattle
  3. Dunkelblau
  4. Zuhause
  5. Bau mich auseinander
  6. Kieztränen
  7. Dieses Leben
  8. Sardinien
  9. Jede Wette
  10. Immer nur da
  11. Der Mann und das Meer

Mit diesem Video hat alles angefangen

Einen Tag vor Release von „Nie“ hat Fynn Kliemann ein Album hochgeladen, mit dem alles angefangen hat. Ein Facebookvideo, woraufhin sich Nisse zu Wort meldete und dann alles ins Rollen kam.